Hermann Maier bleibt auch als Skirentner eine Geldmaschine für die Werbebranche

Auch nach dem Rücktritt rollt der Rubel für den Jahrhundertstar Hermann Maier: Er bleibt Testimonial von Rolex, Head und Raiffeisen, könnte bald ÖOC-Aushängeschild und der Held in einem Film werden.

Der Abschied vom Rennsport verlief nicht nur für Hermann Maier emotional. Auch Leodegar Pruschak weint den Erfolgen der letzten Jahre dicke Tränen nach. „Mit Hermann Maier haben wir Unglaubliches erreicht“, sagt der Raiffeisen-Werbechef. Schon seit elfeinhalb Jahren besteht die Kooperation zwischen Bank und Sportler. Pruschak will den Skistar auch in der Pension als Testimonial halten. „Einen Besseren gibt es nicht“, ist der Raiffeisen-­Manager überzeugt (siehe Interview ) . Künftig wird es die Kooperation allerdings in abgespeckter Form geben, da die Sportpräsenz von Maier wegfällt. Hat der Herminator als Raiffeisen-Testimonial bislang 500.000 Euro im Jahr verdient, so ist es künftig „nur“ halb so viel. Zwar will Pruschak diese Zahlen nicht kommentieren, doch gehe es bei dieser Kooperation niemandem allein ums Geld. Dafür sei man zu lange miteinander verbunden.

Maier hat ausgesorgt
Der Money Maker ist auf das Raiffeisen-Geld tatsächlich nicht angewiesen: Experten schätzen sein Vermögen auf 40 Millionen Euro. Im Schnitt hat Maier in seiner 1997 gestarteten Karriere zwischen drei und vier Millionen Euro jährlich an Preisgeldern und Werbeeinnahmen erzielt. Vom Skiaus­rüster Atomic gab es je nach Erfolg zwischen 700.000 und einer Million Euro im Jahr, danach zahlte ihm der Nachfolge-Hersteller Head eine Million Euro Fixum jährlich. Gut verdient hat Maier auch als Werbeträger für Iglo, Intersport oder A1, Firmen, die künftig auf ihn verzichten müssen, weil sie nur als Teamsponsoren des ÖSV auf Maier Zugriff hatten. „Ein Verlust, keine Frage. ­Maier ist das perfekte Testimonial“, sagt Iglo-Chef Rainer Herrmann. Doch der Rubel rollt für Maier nach Beendigung seiner unglaublichen Sportlerkarriere weiter: Laut FORMAT-Informationen will Rolex auch künftig mit dem Herminator werben, ebenso wie Head. „Wir setzen die Kooperation mit Maier fort, er ist ein Superheld“, sagt Head-Chef Johan Eliasch auf Anfrage. Dass Maier reich in die Rente geht, ist somit gewiss.

ÖOC an Maier interessiert
„Eigentlich möchte er abschalten. Schließlich ist er ja seit fast
14 Jahren im Radl“, sagt Maiers lang­jähriger Sprecher und Freund Knut Okresek, heute Sportjournalist bei der Tageszeitung „Österreich“. Mit seinen fast 37 Jahren denke Maier aber keineswegs an einen Rückzug auf Dauer. Zwar betonte er wiederholt, sich über seine Zukunft noch ­keine Gedanken zu machen, doch dürfte dem nicht ganz so sein. Maier will dem ÖOC, so ist aus der Zentrale in Ober­waltersdorf zu hören, seine Dienste zur Verfügung stellen. Damit will der ÖOC nach den jüngsten Skandalen sein Image verbessern. „Spruchreif ist die Sache noch nicht, aber wir arbeiten dar­an“, sagt ein OÖC-Manager. „Wir brauchen den Hermann als Botschafter und Leitfigur. Er soll die Jungen motivieren und ihnen beratend zur Seite stehen. Seine Aufgabe wird vor allem repräsentativer Art sein.“ Offiziell hält man sich bedeckt. Casinos-Austria-General Karl Stoss, der bei der für 22. Oktober anberaumten Hauptversammlung zum neuen ÖOC-Präsidenten gewählt wird, will eine mögliche Zusammenarbeit noch nicht kommentieren. Er selbst bezeichnet Maier jedenfalls als „Ausnahmesportler, der ein Vorbild für viele ist, die sich nach Rückschlägen wieder nach oben kämpfen. Durch die Werte, für die er steht, ist er sicher für jede Organisation ein gutes Testimonial.“ Auch der ÖSV soll Maier um Zusammenarbeit ersucht haben, doch lehnte dieser ab.

Zusammenarbeit: ja, aber später
„Eine Kooperation, in welcher Form auch immer, würde jetzt gar keinen Sinn machen“, sagt ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel. „Es müssen erst zwei, drei Jahre vergehen. Jetzt braucht es einmal Abstand. Und wenn der Hermann dann später mal mit uns zusammen­arbeiten will, dann sehr gerne.“ Der 68-jährige Tiroler ist ein langjähriger Freund von Maier und über den ÖSV auch dessen Manager. Mit seiner Rolle als Vermittler hat Schröcksnadel allerdings privat nie Kasse gemacht. Das Geld wurde stets in die ÖSV-Jugend investiert. Mit dem Rücktritt Maiers ist auch das Arbeitsbündnis mit Schröcksnadel zu Ende. Denn wie ein Freund der ­beiden erzählt, habe Maier nun mehr Zeit, „sich um seine Sachen selbst zu kümmern“. Schröcksnadel: „Ich schätze Hermann auch privat sehr. Wenn er meinen Rat als Freund will, dann wird er den bekommen.“ Die beruflichen Wege der beiden dürften sich aber auch künftig kreuzen, denn Schröcksnadel hat gute Karten, Vorstand beim ÖOC zu werden. Für ihn macht sich auch der künftige ÖOC-Chef Stoss stark.

Filmangebot an Maier
Die Geschichte, wie aus einem einfachen Maurer Öster­reichs beliebtester Sportler wurde, ruft internationale Filmemacher auf den Plan. „Hermann überlegt, ob seine Geschichte verfilmt werden soll. Er hat ein interessantes Angebot erhalten“, sagt ein langjähriger Weggefährte Maiers. Überraschen dürfte das wohl niemanden. Der Salzburger erfreut sich seit seinem Jahrhundertsturz in Nagano und dem Comeback nach dem Motorradcrash nicht mehr nur innerhalb des eigenen Landes großer Beliebtheit. „Es ist die Geschichte eines Mannes, der nach einem tragischen Unfall tief gefallen ist und es aus eigener Kraft wieder nach oben geschafft hat. Das sind die Geschichten, die die Menschen faszinieren“, sagt Günter Schweiger, WU-Werbeprofessor und Präsident der Österreichischen Werbewissenschaftlichen Gesellschaft (WWG).

Ein sicherer Kassenschlager
Falls Maier einer Verfilmung zustimmt (er selbst will nicht mitspielen), dürfte der Film ein Kassenschlager werden. Die Karriere des Herminators – ein Name, den er sich übrigens schützen ließ – bewegt die Österreicher. Und ähnlich wie bei Nationalheld Niki Lauda bleibt auch Maiers Sturz unvergessen: Am 24. August 2001 über­holte er auf seinem Motorrad ein Auto und wurde dabei von dem abbiegenden Wagen eines Rentners erfasst. Maier zog sich einen offenen Unterschenkelbruch im rechten Bein und andere schwere Verletzungen zu. Lange Zeit war unklar, ob er je wieder Ski fahren können würde. Anfang 2003 legte er ein fulminantes Comeback hin und gewann auf seiner Lieblingsstrecke, der Streif in Kitzbühel, sein erstes Weltcuprennen nach der Verletzung. Besonders kitschig könnte das Ende des Films werden: im Bild Hermann Maier, wie er sich bei der Rücktrittspressekonferenz in Wien die Tränen aus den Augen wischt.

Silvia Jelincic

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