Wann der richtige Zeitpunkt ist, um Aktien zu kaufen

„Buy low, sell high“ – mit dieser simplen Anleitung sollte eigentlich alles über den Richtigen Zeitpunkt zum Kauf und Verkauf von Aktien gesagt sein. Oder doch nicht?

Thema: Geldanlage in Wertpapieren
Wann der richtige Zeitpunkt ist, um Aktien zu kaufen

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Chart und Market-Timing

Sieht man sich den Chart – den Verlauf der Entwicklung des Kurses – einer Aktie an, dann scheint alles sonnenklar zu sein. Die Zacken im Verlauf zeigen die Zeitpunkte an, an denen es günstig gewesen wäre, ein Papier zu kaufen und später wieder zu verkaufen. Leider lässt sich das aber immer nur im Nachhinein feststellen. Doch das Investieren in Wertpapiere ist nun einmal nicht rückwirkend möglich und aus der historischen Entwicklung eines Börsenkurses lässt sich nicht abschätzen, wie dessen Zukunft aussieht. Und es gibt auch keine Möglichkeit, die Entwicklung zu berechnen.

Die Empfehlung, bei niedrigen Kursen einzusteigen und bei hohen Kursen wieder auszusteigen ist also im Grunde eine Null-Aussage. Selbst Börsenprofis gelingt es so gut wie niemals, das optimale Market-Timing zu erwischen und Aktien tatsächlich zum günstigsten Kurs einzukaufen und später dann wieder zu Höchstkursen zu verkaufen.


Dem Trend folgen

Wenn man als Anleger den Kurs einer Aktie vor dem Einstieg erst einmal beobachten will und dann bemerkt, dass der Kurs laufend steigt, dann hat man möglicherweise schon den günstigsten Zeitpunkt für den Kauf verpasst. Doch das muss gar nicht so sein. Als Aktionär wird man Teilhaber eines Unternehmens, und wenn man von der weiteren Entwicklung eines Unternehmens und seinen Produkten überzeugt ist, dann kann man guten Gewissens auch dann investieren, wenn die Aktie bereits einen längeren Aufwärtstrend hinter sich hat.

Ein gutes Beispiel dafür ist die Aktie des Elektroauto-Pioniers Tesla (US88160R1014). Das Unternehmen ist im Jahr 2010 an die Börse gegangen. Am ersten Handelstag, dem 29. Juni 2010, stieg die Aktie auf 17 Dollar und beendete den ersten Handelstag mit einem Kursgewinn von fast 40 Prozent. Gründer Elon Musk, der zum Zeitpunkt des Börsengangs 65 Prozent der Aktien besaß, verdiente damit über 100 Millionen Dollar.

Dabei hatte Tesla zu dem Zeitpunkt wenig zu bieten. Es hatte erst ein einziges Auto, den Roadster – und den nur in geringen Stückzahlen gebaut und war meilenweit davon entfernt, jemals Gewinne machen zu können. Es folgte eine lange, bis Ende 2019 andauernde Phase, in der der Kurs langsam in Richtung 70 Dollar stieg. Bis dann der große Boom einsetzte. Im Corona-Jahr 2020 explodierte der Kurs der Tesla-Aktie regelrecht und stieg vom ersten bis zum letzten Handelstag des Jahres von 84 Dollar auf 705 Dollar, um 2021 auf den den bisherigen Höchststand von 1250 Dollar im November zu erreichen. Nach einer Kurskorrektur im Frühjahr notierte das Papier Mitte Februar 2022 wieder bei 925 Dollar.


Aktiensplit nutzen

Für Neueinsteiger hat der hohe Preis eines Wertpapiers den Nachteil, dass schon ein sehr hoher Geldeinsatz nötig ist, um an der weiteren Entwicklung teilhaben zu können.

Wer nicht rund 1.000 € investieren will, um damit einen einzigen Anteilsschein eines Unternehmens zu kaufen, der kann auf vergleichbare Unternehmen der Branche oder wichtige Zulieferbetriebe eines Börsen-Highflyers setzen. Oder aber auch einen Aktienspilt als günstigen Zeitpunkt für einen Einstieg nutzen.

Was passiert bei einem solchen Aktiensplit? Wenn Wertpapiere eines Unternehmens besonders teuer werden, dann verlieren sie für Kleinanleger zusehends an Attraktivität und das Handelsvolumen geht zurück. Um die breite Menge der Anleger nicht auszuschließen und die Attraktivität des Wertpapiers zu steigern führen besonders wachstumsorientierte Unternehmen wie eben Tesla auch eines ist von Zeit zu Zeit als Kapitalmaßnahme einen Aktiensplit durch. Zuletzt ist das bei Tesla im Jahr 2020 geschehen.

Ein Solcher Split kann zum Beispiel im Verhältnis 1:5 oder 1:10 erfolgen. Was bedeutet, dass die Zahl der ausstehenden Anteilsscheine verfünffacht oder verzehnfacht wird und der Preis um den selben Divisor geteilt wird. Damit ergibt sich ein günstiger Zeitpunkt, um mit einem kleineren Betrag an der weiteren Entwicklung teilhaben zu können.

Ein Aktiensplit kommt als Kapitalmaßnahme nicht überraschend, sondern wird üblicherweise von den Aktionären im Rahmen der Hauptversammlung abgesegnet. Die bestehenden Aktionäre tauschen dann in der Folge ihre Altaktien im gleichen Verhältnis gegen neue Aktien ein. In der Regel folgt der Ankündigung eines solchen Aktiensplits auch zumindest eine kurze Preisrallye, also eine Phase steigender Kurse.

Um beim Beispiel Tesla zu bleiben: Vor dem Split hatte die die Aktie einen beispiellosen Run hingelegt und war von Jahresanfang bis August 2020 von 430 US-Dollar auf über 2.000 Dollar gestiegen. Am 11. August 2020 kündigte Tesla einen Aktiensplit im Verhältnis 1:5 an und löste damit einen weiteren Run auf den Wert aus. Bis Ende August legte das Papier um weitere 50 % zu. Allerdings hatten alle, die noch schnell vor dem Split einkauften zumindest für kurze Zeit das Nachsehen. Nach dem Split gab der Kurs in Relation zum neuen Aktienwert um 20 % nach.


Aktien – immer eine Empfehlung

Doch wann ist nun der richtige Zeitpunkt gekommen, um in Aktien zu investieren? Die einfachste Antwort auf diese Frage ist: „Immer.“ Besonders im Nullzins-Umfeld, in dem Anleihen kaum Renditen abwerfen und auf Sparbüchern oder Girokonten liegendes Geld laufend an Wert verliert.

Die Antwort „Immer“ gilt jedoch auch nur mit Einschränkungen und vor allem für Fonds, besonders für ETFs, die deutlich geringeren Kursschwankungen unterliegen als Einzelaktien. Der Grund dafür ist einfach erklärt: In einem Fonds oder ETF sind die Aktien mehrerer Unternehmen gebündelt. Kursverluste eines Unternehmens können daher durch Kursgewinne anderer Unternehmen abgefedert, ausgeglichen oder überkompensiert werden.

In einem Dax-ETF (Exhange-Traded-Funds) ewie dem Lyxor Core DAX (DR) UCITS ETF (LU0378438732) sind etwa die Aktien jener 30 Unternehmen enthalten, die auch im Deutschen Aktienindex Dax enthalten sind - und das zu gleichen Teilen, wie im Index selbst. Das hat den Effekt, dass der Fonds genau der Entwicklung des Aktienindex folgt, weshalb ETFs auch Indexfonds genannt werden. Fällt der Kurs eines einzelnen Unternehmens, dann stehen dem noch 29 weitere gegenüber, die den Verlust kompensieren können.

Ein weiterer entscheidender Vorteil eines Dax- oder auch ATX ETFs ist, dass sie in Euro notieren und für Anleger daher das Wechselkursrisiko zum Dollar wegfällt. Verliert der Dollar beispielsweise gegenüber dem Euro um 10 Prozent an Wert, so muss der Aktienfonds diese 10 Prozent erst wieder an Kursgewinnen gut machen, damit am Ende eine positive Rendite herausschauten kann.

Wer in einen nachhaltigen ETF wie den IShares Dow Jones Global Sustainability ETF (IE00B57X3V84) oder den UBS MSCI World SRI (LU0950674332) investiert, der kann dabei auch guten Gewissens behaupten, eine bessere, grünere Welt mit faireren Arbeitsbedingungen zu fördern.

Wer hingegen Einzelaktien in sein Depot legt, der hat zwar theoretisch höhere Rendite-Chancen, muss aber auch gleichzeitig mit größeren Korrekturen nach unten rechnen. Man sollte das daher nur dann tun, wenn man eine solche Korrektur auch verkraften kann und vor allem erst nachdem man sich über das jeweilige Unternehmen entsprechend informiert hat. Vertrauen in ein Unternehmen, seine Substanz und sein Potenzial beruhigen ungemein, wenn es einmal einen Kursrutsch gibt.


Krisen und Chancen

Wann genau ein günstiger Zeitpunkt ist, um in eine Aktie zu investieren kann niemand sagen. Fest steht jedoch, dass es an der Börse immer Chancen gibt und dass Krisen exzellente Gelegenheiten bieten, fundamentale Werte ins Wertpapier-Depot zu legen. Was die Charts nicht zeigen, das lässt sich mitunter an der allgemeinen Einstellung und Marktwahrnehmung herauslesen. Und dabei lohnt es sich, gegen den Strom zu schwimmen.

Wenn die Börsen Höchstkurse erreichen, dann sollte man mit Investments eher zurückhaltend sein und eventuell überlegen, Gewinne mitzunehmen. Wenn andererseits nahezu Weltuntergangsstimmung herrscht, dann kann es sich lohnen, einen Kursrutsch zum Anlass zu nehmen und in große Unternehmen zu investieren, allerdings: wer bei fallenden Kursen kauft, sollte die Unternehmen genau analysieren, die Ursache für den Kursverfall und das Potenzial für den Turnaround bestimmen. Hält man diese Aktien anschließend über einen längeren Zeitraum, dann kann man mit attraktiven Renditen rechnen.


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