Ken Fisher: Der Zwischenwahl-Zauber

Wenn der US-Senat im November neu gewählt wird, kehrt Stillstand ein. Das bringt die Börsen regelmäßig wieder zum Steigen.

Ken Fisher, US-Investmentberater und Autor zahlreicher Bücher zu den Themen Wirtschaft und Finanzen.

Ken Fisher -

ZWISCHENWAHLEN. Trotz des schwierigen Starts ins Jahr 2022 steht ein Ereignis bevor, das die Aktienkurse steigen lassen wird: die Wahlen im Herbst. Nein, nicht der Wettlauf um die Hofburg, sondern die US-amerikanischen Zwischenwahlen - ein häufig übersehener Boost für Aktien. Es mag überraschend klingen, aber Europa profitiert enorm von dem Stillstand, den diese Wahlen mit sich bringen. Ich beweise es Ihnen.

Wie in Österreich hat auch das amerikanische Parlament ein Unter- und ein Oberhaus, deren Abgeordnete aber im Gegensatz zu hier direkt gewählt werden. Die 435 Sitze des Repräsentantenhauses werden alle zwei Jahre neu besetzt. Die Amtszeit des Senats beträgt sechs Jahre. Im November stehen nun 35 der 100 Sitze auf dem Spiel.


Bei den Wahlen im November kann alles passieren.

Die Demokraten kontrollieren das Repräsentantenhaus derzeit mit einem winzigen Vorsprung von weniger als zehn Sitzen. Die Zwischenwahlen dürften das ändern. Seit 1945 hat die Partei des Präsidenten bei Zwischenwahlen fast immer Sitze verloren. Mit 44 Prozent ist Joe Bidens Beliebtheitsgrad in letzter Zeit zwar leicht gestiegen, bleibt aber schwach. Unbeliebte Präsidenten verlieren bei Zwischenwahlen durchschnittlich 38 Sitze im Repräsentantenhaus. Ich bezweifle, dass der Verlust so groß sein wird, aber die Republikaner dürften die Kontrolle übernehmen.

Im Senat ist die Lage undurchsichtiger. Dort herrscht Gleichstand. Bidens Vizepräsidentin Kamala Harris gelingt meist, ein Unentschieden abzuwenden, was den Demokraten einen Vorteil verschafft. Ein Sitz könnte den Ausschlag geben, aber etwa fünf stehen infrage. Somit kann alles passieren.

STILLSTAND. Seit 2021 können die Demokraten aufgrund knapper Mehrheit große Ausgaben- und Regulierungsgesetze allein verabschieden. Sie diktieren, worüber abgestimmt wird, und schüren so die Unsicherheit. Der Verlust einer der beiden Kammern setzt dem ein Ende. Dann herrscht Stillstand!

Aktien lieben diesen Umstand, denn sie bevorzugen keine Partei, aber verabscheuen wichtige Gesetze. Umfassende Veränderungen schaffen immer Gewinner und Verlierer. Die Psychologie weiß, dass im Verlieren stärkere Emotionen stecken als im Gewinnen.

Folglich steigt die Unsicherheit. Dies geschieht gerade auch in Italien. Die Wahlen wecken Ängste vor einer radikalen Regierung, die große Veränderungen anstößt, obwohl sich ähnliche Prognosen in der Vergangenheit meist nicht bestätigt haben. Ein Stillstand jedoch beendet solche Befürchtungen. Unternehmen wissen, dass sich die Regeln nicht wesentlich ändern können, und setzen langfristiges Kapital ein. Anleger gehen mehr Risiken ein.

Der Beweis: Seit dem Jahr 1925 blieb der amerikanische S&P 500 in den ersten drei Quartalen der Zwischenwahljahre (in USD) flach, da hitzige Rhetorik die Angst schürte. Doch je näher der Wahltag rückte, desto mehr preisten Aktien den Stillstand ein.

In 83 Prozent der vierten Quartale von Zwischenwahljahren stiegen die Renditen im Schnitt um 6,3 Prozent. In den jeweils darauffolgenden ersten Quartalen lagen sie bei durchschnittlich 6,6 Prozent und in den zweiten Quartalen bei 5,5 Prozent, wobei 88 Prozent beider Vierteljahre positiv ausfielen. Das ist der Zwischenwahl-Zauber!

Durch eng verknüpfte Märkte sind die Auswirkungen weltweit spürbar. Die Aktien der Eurozone und der S&P 500 weisen eine Korrelation von 0,81 auf -ein hoher Wert, wenn man bedenkt, dass 1,0 eine synchrone Entwicklung bedeutet. Seit dem Jahr 1988 betrugen die Renditen in der Eurozone in Q1 bis Q3 der Zwischenwahljahre durchschnittlich -3,2 Prozent pro Quartal - wobei Aktien in 54 Prozent dieser besonderen Perioden zulegten. Doch Q4 brachte Kursgewinne von 3,4 Prozent. Und im Folgejahr landeten Q1 und Q2 bei 4,5 Prozent und 3,8 Prozent. In 75 Prozent dieser drei Quartale stiegen die Kurse.

Die starke Ausrichtung auf Finanz-, Energie- und Versorgertitel schwächt den Effekt in Österreich ab. Er existiert zwar noch, liegt aber mit 1,9 Prozent, 2,9 Prozent und 0,8 Prozent niedriger. Um das zu nutzen, sollten Sie also in ganz Europa und auch in Amerika und Asien kaufen.

ERHOLUNG. Die Talfahrt der Börsen in dem bisherigen Jahresverlauf hat die Stimmung der Anleger gedrückt, aber die Zwischenwahlen in den USA dürften die Unsicherheit bald beenden - ebenso wie die Schauermärchen über die italienischen Wahlen und die einhergehenden Ängste. Die folgende Erleichterung dürfte zu einer stabilen globalen Erholung beitragen.

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