Alexander Schütz:Tipps für Start-ups und Investoren [INTERVIEW]

Alexander Schütz, Gründer des Asset Managers C-Quadrat, Business Angel und einer der Investoren der Start-up-TV-Show "2 Minuten 2 Millionen" im Interview über den Finanzierungsboom in Start-ups, was junge Unternehmen erfolgreich macht und seine Tipps für Gründer und Investoren.

Thema: Startups
Alexander Schütz:Tipps für Start-ups und Investoren [INTERVIEW]

Alexander Schütz, Gründer des Asset Managers C-Quadrat, und Start-up-Investor

Alexander Schütz weiß wie sich Start-ups fühlen und was es bedeutet, ein Start-up-Gründer zu sein. Er selbst ist Gründer der Wiener Investmentgesellschaft C-Quadrat. Das Unternehmen hat er gemeinsam mit seinem Compagnon Thomas Rieß vor rund 30 Jahren von seinem Wohnzimmer aus gestartet. Damals waren die beiden Gründer gerade einmal 24 Jahre alt. Ihr Ziel war, ihre eigenen Vorstellungen von unabhängiger Geldveranlagung zu verwirklichen. Seinerzeit ein Tabubruch, denn Banken verkauften damals praktisch nur ihre eigenen Fonds. Ausländische Investmentfonds waren für private Anleger de facto nicht zugänglich.

Heute ist C-Quadrat einer der größten unabhängigen Assetmanager Europas und verwaltet mit seinem Unternehmen rund acht Milliarden Euro. Schütz ist als Investor längst auch an zahlreichen Unternehmen in unterschiedlichen Entwicklungsphasen beteiligt. Seit Anfang 2021 gehört er zum Kreis der Investoren der Plus 4 Start-up-Show "2 Minuten 2 Millionen".

Hoher persönlicher Einsatz, Mut zum unternehmerischen Risiko und der anhaltende Wille, Ideen zu Geld zu machen, zeichnen Schütz aus. „Ich liebe Risiko. Mit riskanten Dingen kann man auch viel Geld verdienen“, erklärt der Selfmade-Millionär. Macht ein Startup einen Pitch, dessen Business ihm vielversprechend erscheint und in sein Portfolio passt, greift Business Angel Schütz zu, sofern sich Gründer und Investor einig werden.



INTERVIEW

Alexander Schütz. "Nicht selten verzehnfacht sich der Einsatz."

Start-up-Förderer und Investor Alexander Schütz: Was ihn als Investor prägt. Worauf er achtet, bevor er in ein Unternehmen einsteigt. Seine Tipps für Gründer.

trend: Noch nie gab es so viel Geld für Start-ups. Woran liegt das?
Alex Schütz: Start-ups haben in den letzten Jahren vom vielen Geld im Markt und dem damit verbundenen Anlagedruck bei den Investoren profitiert. Die Pandemie war ein zusätzlicher Katalysator für den Finanzierungsboom. Alleine in Europa wurde 2021 rund 100 Milliarden Dollar Risikokapital in Unternehmen investiert. Im Jahr davor war es nicht einmal halb so viel.

In welche Richtung geht die Entwicklung?
Die Finanzierungsrunden werden nicht nur größer, sie erfolgen auch in kürzeren Abständen. Durch die größeren Runden kommt es oft früher als bisher zu Überschneidungen zwischen Business Angels und Venture Capital Fonds, was sicherlich auch zu einem höheren Grad an Professionalisierung bei den Start-ups beigetragen hat.

Sind durch die hohe Liquidität im Markt auch die Bewertungen der Unternehmen gestiegen?
Die sind deutlich angezogen, wenn die Bewertungen in Österreich und Europa aber noch unter jenen in den USA liegen.



Ich lege besonderen Wert auf ein gutes Team

Was sind für Sie bei einem Start-up Grundvoraussetzung um einzusteigen?
Ich lege besonderen Wert auf ein gutes Team – es muss mir Spaß machen, mit diesem zu arbeiten. Ein erfolgreiches Gründerteam zeichnet sich durch mehrere Eigenschaften aus:

  1. Das Gründerteam muss für seine Idee brennen und andere mitreißen können. Nur so wird es ihnen auch gelingen, zukünftige Teammitglieder, potenzielle Kunden und weitere Investoren zu überzeugen.
  2. Sie verstehen, dass eine gute Idee nicht ausreicht.
  3. Sie zeichnen sich durch eine Kombination aus Flexibilität und hoher Disziplin aus, die getroffene Richtungsentscheidung umzusetzen.
  4. Sie lassen sich durch Rückschläge nicht verunsichern oder demotivieren.
  5. Sie sind ständig auf der Suche nach Optimierungspotenzial, neuen Lösungen und Gelegenheiten.
  6. Sie schaffen es, gute Teams aufzubauen und Talente an sich zu binden. Zwar werden Start-ups für junge Menschen als Arbeitgeber immer attraktiver, der Wettbewerb um sehr gute Leute ist aber ebenfalls hoch.
  7. Sie sind offen für Vorschläge und bereit, Feedback anzunehmen. Sie sollen auch bereit sein, sich von Hypothesen, die sich später als falsch erweisen, zu lösen und die Weichen neu zu stellen, um am Markt erfolgreich zu sein.

Was raten Sie Gründern, um das Business erfolgreich weiterzuentwickeln?
Sich schon früh Feedback einzuholen, ihre Ideen mit den richtigen Personen zu besprechen und sich so kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Wie viele Start-ups bewerben sich im Schnitt bei Ihnen und an wie vielen beteiligen Sie sich dann?
Wir erhalten pro Woche rund fünf bis zehn Investmentanfragen. Im letzten Jahr haben wir uns an zwölf Start-ups beteiligt. Kleinere Investments bedeuten allerdings oft mehr Aufwand. Wir wollen uns daher künftig auf etwas größere konzentrieren

Worauf sollten Start-ups bei der Auswahl von Business Angels/Venture Capitals achten?
Gründerinnen und Gründer sollten sich die Frage stellen, was sie von einem Investor oder einer Investorin erwarten. Suchen Sie einen strategischen Partner, operativen Support oder doch einen reinen Finanzinvestor? Wichtig ist, vorher Research zu betreiben und offen in die Gespräche zu gehen.



Man muss bei einem Start-up-Investment immer auch mit einem Totalausfall rechnen.

Wie stark involvieren Sie und Ihr Team sich als Business Angels?
Bei strategischen Fragen und wenn es darum geht, Folgefinanzierungsrunden aufzustellen, unterstützen mein Team und ich die Start-ups. Wir helfen, Kontakte zu Experten und Investoren herzustellen. Operativ halten wir uns heraus. Ein großer Mehrwert ist sicherlich das Netzwerk, das wir bieten können.

Wie häufig finden Treffen mit den Start-ups im Schnitt statt?
Im Schnitt besprechen wir einmal im Quartal die Geschäftsentwicklung. Je nach Phase und Größe des Investments kann der Austausch mehr oder weniger intensive ausfallen.

Welche Fortschritte erwarten Sie von Start-ups und in welcher Zeit?
Der Erfolg bemisst sich in der Frühphase der Gründung nicht an klassischen Kennzahlen, sondern daran, gemeinsam definierte Meilensteine zu erreichen. Das kann beispielsweise ein fertiggestellter Prototyp sein oder dass eine vorher vereinbarte Zahl an Voranmeldungen für ein Service erreicht wurde. Es geht dabei darum, Hypothesen zu testen, um so rasch zu erkennen, ob es sich lohnt, eine Idee oder Strategie weiter zu verfolgen. Nicht selten werden (Folge-) Investments daran geknüpft, ob die Meilensteine erreicht wurden.

Welche Risiken und Chancen bieten Investments in Start-ups?
Ein Investment in ein Start-up ist Risikokapital, da muss man immer auch mit einem Totalausfall rechnen. Auf der anderen Seite können sie sich gut entwickeln und sehr hohe Returns liefern. Hier sprechen wir nicht selten von einer Verzehnfachung des Einsatzes.

Welche Renditen sind im Schnitt zu erwarten?
Eine Analyse des Münchner Risikokapitalinvestors Earlybird ergab, dass europäische Investoren in den vergangen fünf Jahren bei Exits jenseits einer Milliarde Euro Unternehmenswert pro investiertem Euro rund zwölf Euro zurückbekommen haben. Diese Wertsteigerung bietet eine gute Orientierung. Wichtig ist ein gut ausbalanciertes Portfolio, um das Risiko zu streuen.

Welche der von Ihnen gecoachten Start-ups waren besonders erfolgreich?
Besonders stolz bin ich auf die Entwicklung der HSO Health Care GmbH, die wir 2020 nach fünf Jahren an das börsennotierte Biotechunternehmen Chr. Hansen verkauft haben. Das Start-up, das zuvor in langjähriger Forschungsarbeit stark wirksame Laktobazillenstämme für Frauengesundheit selektierte, hat sich binnen kurzer Zeit international äußerst gut entwickelt. HSO hat vom Vertriebsstart weg Gewinne geschrieben hat. Bei meinen aktuellen Investments freue ich mich besonders über die Entwicklung von Cashy. Eine Plattform, auf der Kunden Wertgegenstände gegen Pfandkredite tauschen können.


ZUR PERSON

Alexander Schütz gründete 1991 gemeinsam mit Thomas Rieß in Wien die Vermögensverwaltung C-Quadrat Investment AG, als dessen Vorstand er seitdem fungiert. C-Quadrat ist mit einem verwalteten Investmentvolumen von über acht Milliarden Euro der größte unabhängige Vermögensverwalter Österreichs und in über 20 Ländern in Europa und Asien mit Büros in Paris, Genf, Zürich, Madrid und Eriwan aktiv.

Über das Schütz Familiy Office bündelt der Manager seit Jahren verschiedene Managementbeteiligungen und Investments. Schütz investiert in verschiedene Unternehmen mit starkem Fokus auf Financial Services (insbesondere Fintech), Internet & Technology (von E-Commerce bis Aerospace), Life Sciences, Real Estate und Natural Resources. Die regionalen Schwerpunkte liegen auf Österreich, Deutschland und Afrika.

Schütz investiert in alle Phasen und Stadien des Lebenszyklus eines Unternehmens, der Schwerpunkt liegt jedoch auf nicht börsennotierten Seed/Business Angel/Startup Deals. 2019 gründete Schütz gemeinsam mit dem Tech-Investor Christian Angermayer den Fonds Presight Capital. Mit ihm startete er 2020 den Venture-Capital-Fonds für das Start-Up Elevat3.

Gewährleistung und Produkthaftung: Wozu Unternehmen verpflichtet sind

Welche Rechte Konsumenten bei schadhaften Produkte und Werken haben, …

Fahrräder und E-Bikes steuerfrei: bis zu 40 Prozent sparen

Unternehmen können ihren Mitarbeitern steuerlich begünstigt …

Ken Fisher

Ölpreisentwicklung: den Kriegsnebel durchschauen

Der Ölpreisanstieg ist für die Weltwirtschaft weniger dramatisch als …

Andreas Wimmer, Vorstand C-Quadrat

Immobilienfinanzierung: Endgültiger Abschied vom Eigenheim

Die angekündigte Verschärfung der Vergabekriterien für Immobilienkredite …