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Mehr als drei Millionen Arbeitslose in Deutschland

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++ ARCHIVBILD ++ Drei-Millionen-Marke zuletzt 2015 überschritten
 © APA/APA/dpa/Oliver Berg
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Sommerpause und Konjunkturschwäche lassen die Arbeitslosigkeit in Deutschland so hoch steigen wie seit vielen Jahren nicht mehr. Die Zahl der Arbeitslosen erhöhte sich im August im Vergleich zum Vormonat um 46.000 auf 3,03 Millionen Menschen. Zuletzt war im Februar 2015 ein Wert jenseits der Drei-Millionen-Marke erreicht worden.

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Aktuell sind 153.000 Menschen mehr ohne Job als im August 2024, teilte die Bundesagentur für Arbeit am Freitag in Nürnberg mit. Die Arbeitslosenquote stieg im Vergleich zum Juli um 0,1 Prozentpunkte auf 6,4 Prozent.

"Der Arbeitsmarkt ist nach wie vor von der wirtschaftlichen Flaute der vergangenen Jahre geprägt", sagte die Vorstandsvorsitzende Andrea Nahles. "Es gibt allerdings auch erste Anzeichen einer Stabilisierung."

Die Arbeitslosenzahlen steigen in der Regel über den Sommer, weil Unternehmen vor den Ferien weniger einstellen und Ausbildungsverhältnisse enden. Die August-Zahlen waren aber zuletzt vor 15 Jahren so hoch. Über der Grenze von drei Millionen lag die Zahl der Arbeitslosen zum letzten Mal im Februar 2015.

Carsten Brzeski, ING-Chefvolkswirt analysiert: "Die vorsichtigen Anzeichen für eine Bodenbildung am Arbeitsmarkt haben zumindest kurzfristig einem pessimistischeren Ausblick Platz gemacht. Nach einigen Verbesserungen im Frühjahr stagnieren die Einstellungspläne in der Industrie und im Dienstleistungssektor. Zudem sinkt die Zahl der offenen Stellen weiter. Einige Indikatoren deuten jedoch zumindest auf eine Bodenbildung hin. Dazu gehören der Stimmungsindikator der Bundesagentur für Arbeit sowie Auswertungen von Stellenanzeigen in sozialen Medien. Gleichzeitig deuten die anhaltenden Ankündigungen von Sparmaßnahmen in der Automobilindustrie und anderen Branchen sowie der stetige Anstieg der Unternehmensinsolvenzen darauf hin, dass sich die Lage zunächst verschlechtern dürfte, bevor eine Besserung eintritt.

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sieht trotz des neuen Höchststands bei der Arbeitslosigkeit erste Lichtblicke. Für das Arbeitsmarktbarometer befragen die Fachleute monatlich alle Arbeitsagenturen nach ihren Erwartungen für die nächsten drei Monate. Im August erwarteten sie erstmals seit drei Jahren, dass der Anstieg der Arbeitslosigkeit ein Ende hat. Auch die Beschäftigung könnte demnach wieder Fahrt aufnehmen.

Die deutsche Arbeitsministerin Bärbel Bas sieht die Arbeitsmarktlage als Folge der weltwirtschaftlichen Unsicherheiten und des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. "Der konjunkturelle Gegenwind hinterlässt weiter seine Spuren auf dem Arbeitsmarkt und erfordert Gegenmaßnahmen", sagte die SPD-Vizechefin am Freitag. "Es braucht Sicherheit und starke Impulse für Investitionen und Beschäftigung, um wieder Wirtschaftswachstum zu generieren und Schwung in den Arbeitsmarkt zu bringen." Die deutsche Regierung setze hier mit dem "Investitionsbooster" - das sind vor allem ausgeweitete Abschreibungsmöglichkeiten für Unternehmen - Anreize. Zudem werde stark in die marode Infrastruktur investiert.

Arbeitgeber-Präsident Rainer Dulger sagte, fast drei Jahre Rezession würden Spuren hinterlassen. "Deutschland braucht einen echten 'Herbst der Reformen'. Die Regierung darf sich nicht in den zahlreichen Kommissionen wegducken und die jetzt notwendigen Entscheidungen weiter vertagen, verschleppen und verwässern." Der Sozialstaat müsse dringend zukunftsfest gemacht werden. "Bei Personen, die sich zumutbarer Arbeit verweigern, müssen Leistungen auch vollständig gekürzt werden können", betonte der BDA-Chef. "Und wer arbeitet und Leistung zeigt, soll das auch im eigenen Geldbeutel spüren - mehr Netto vom Brutto macht mehr Lust auf Arbeit."

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