Andritz – Global Player im Anlagenbau für Kraftwerke, Automobil, Zellstoff und Kläranlagen aus Graz

Der Grazer Anlagenbauer Andritz verweist auf eine über 170jährige Unternehmensstory. Unter der Ägide von Wolfgang Leitner wurde Andritz zu einem weltweit aufgestellten Anlagenbauer. Das Unternehmen liegt im neuen trend Top 500 Ranking auf Rang 11.

Thema: Österreichs größte Unternehmen
Die Zentrale des Anlagenbauers Andritz in Graz

Die Zentrale des Anlagenbauers Andritz in Graz

ARTIKEL-INHALT


Facts: Andritz AG

  • Gründung: 1852
  • Firmensitz: Andritz Group Headquarters, Stattegger Strasse 18, 8045 Graz
  • Branche: Maschinen- und Anlagenbau für Stahl, Automobil, Industrie, Wasserkraft, Zellstoffindustrie
  • Mitarbeiter: 26.832
  • Standorte: 280 weltweit in mehr als 40 Ländern
  • Umsatz (2021): 6,463 Mrd. €
  • Gewinn EBIT 2021 (2020): 439,6 Mio € (315 Mio €)
  • Aktionärsstruktur: 68,51 Prozent im Streubesitz
    rd. 31,5 Prozent hält Wolfgang Leitner, ehemals Vorstand und nunmehr Mitglied im Aufsichtsrat der Andritz - teils direkt oder indirekt über die Custos Privatstiftung (30,72 % Custos Vermögensverwaltungs GmbH) und 0,72% Cerberus Vermögensverwaltung)
  • Management: Joachim Schönbeck (*1964) wurde zum 1. April 2022 zum Vorstandsvorsitzenden (CEO) bestellt
    Weitere Vorstände: Domenico Iacovelli (*1976) - Metals, IT-Management, Group Manufacturing,
    Humbert Köfler (*1961) - Papier, Wien, Umwelt
    Heinz Norbert Nettesheim (*1962) - Controlling, Treasury, Einkauf, Recht, Compliance
    Wolfgang Semper (*1958) - Automation, Hydropower
  • Aufsichtsrat: Alexander Leeb (*1959) AR-Vorsitzender
    Wolfgang Leitner (*1953), Stellvertreter des AR-Vorsitzenden
    Weitere AR-Mitglieder: Georg Auer (*1974) (AR v BR del), Alexander Martiner (*1964 (AR v BR del), Alexander Martiner (*1964 (AR v BR del);
    Wolfgang Bernhard (*1960), Jürgen Hermann Fechter (*1962), Alexander Isola (*1957), Monika Kircher (*1957)
  • Börsegang: 25. Juni 2001
  • ISIN: AT0000730007
  • Website: www.andritz.com

Andritz - Die Unternehmenschronologie

Von einer kleinen Eisengießerei zu einem schlagkräftigen Technologiekonzern für den Anlagenbau für Wasserkraftwerke, Stahl und Industrie - das ist die Kurzform des Aufstiegs von Andritz, der Anfang der 1980er-Jahre noch ein Sanierungsfall war.

Danach folgte unter der Ägide von Langzeitvorstand Wolfgang Leitner der unaufhaltsame Aufstieg des Konzerns zu einem internationalen Top-Player. Zwischenzeitlich hat das Unternehmen den Gang zur Börse angetreten und ist seit Juni 2001 ein börsennotiertes Unternehmen.

Die wichtigsten Eckdaten der Geschichte im Zeitraffer:

Der aus Ungarn stammende Eisenwarenhändler Josef Körösi hatte in der damals selbständigen Gemeinde Andritz bei Graz eine kleine Eisengießerei gegründet. Das Unternehmen expandierte rasch. Nachdem das Unternehmen zunächst nur kleinere Gusswaren herstellt, folgte bald danach die Produktion von Wasserturbinen, Kräne und Pumpen. Im Jahr 1860 zählte das Unternehmen bereits 500 Mitarbeiter, weitere zehn Jähre später waren es schon 1.300 Beschäftigte. Dampfkessel, Dampfmaschinen, Maschinen für den Bergbau und auch Brücken wurden in weiterer Folge von Andritz hergestellt.

1872 erlebte Andritz seine erste Wirtschaftskrise. Der Adoptivsohn des Unternehmensgründers Viktor Körösi musst über 100 Mitarbeiter entlassen. Das Unternehmen wurde in weiterer Folge an die Österreichische Alpine Montanunion verkauft. Das Unternehmen war ein Zusammenschluss von Unternehmen der Eisen- und Stahlindustrie der Steiermark und gilt in der Geschichtsbetrachtung als Vorläufer der voestalpine. Das Unternehmen baute Stahl- und Walzwerke sowie Dampfmaschinen.

1900 wurde das Unternehmen vom österreichischen industriellen Max von Gutmann übernommen. Fortan firmierte das Unternehmen unter Maschinenfabrik Andritz Actiengesellschaft. Das Unternehmen baute ab diesem Zeitpunkt auch Tunnels und erneut wieder Kräne sowie Hochdruck-Kreispumpen.

1932 in der Weltwirtschaftskrise musste Andritz vorläufig den Betrieb einstellen. Nach der Krise wurden die vormaligen Mitarbeiter wieder eingestellt.

1938 wurde Andritz nachdem „Anschluss“ Österreichs an den in Berlin ansässigen Kämper Motorenwerke angeschlossen. Künftig sollten Dieselkompressoren gebaut werden.

1941 wurde das Unternehmen an das deutsche Unternehmen DEMAG in Berlin verkauft. Mit der Übernahme wurden Kräne und Förderbänder bis Kriegsende produziert.

1945 Die Produktionsanlagen wurde von den Besatzungsmächten als „Deutsche Eigentum“ klassifiziert und beschlagnahmt. Andritz startet erst dann wieder, als das Unternehmen mit gemieteten Maschinen und Werkzeugen von Unternehmen, die stillgelegt wurden, weitermachen durfte. Es folgte die Internationalisierung und enge Zusammenarbeit mit dem Schweizer Escher-Wyss-Gruppe. Das Unternehmen konzentrierte sich auf die Produktion von Wasserturbinen, Kreispumpen, Kräne und Stahlbauten.

1951 begann das Unternehmen mit der Produktion von Papiermaschinen.

1960/1970er-Jahre Das Wachstum wurde forciert. Die zweite Ölkrise 1979/80 trifft Andritz. Die Aufträge gehen zurück, das Unternehmen schreibt Verluste.

1987 erzielte das Unternehmen wieder Gewinne. Neuer Mehrheitseigentümer wurde die deutsche Investmentgesellschaft AGIV (Aktiengesellschaft für Industrie und Verkehrswesen) mit Sitz in Frankfurt am Main. Die Maschinenfabrik Andritz wurde strategisch neu ausgerichtet, von einem bloßen Lizenznehmer anderer Maschinenhersteller zu einem führenden, von fremdem Know-how unabhängigen internationalen Anbieter von Hightech-Produktionssystemen.
Weitere Unternehmenskäufe folgten.

1990 Wolfgang Leitner steigt als Eigentümer mit seiner neu gegründeten Custos-Privatstiftung ein. „AGIV“ verkauft ihren Anteil an ein Konsortium aus der Carlyle Group, GE Capital, der Unternehmensinvest AG, der Deutschen Beteiligungs AG und die Stiftung von Wolfgang Leitner

2001 Börsengang an der Wiener Börse

2003 Secondary Public Offering : Aktien aus dem Besitz von Finanzinvestoren werden an Privatanleger und institutionelle Investoren begeben.

Nach dem IPO folgen weitere Akquisitionen. Leitner stellt das Unternehmen über die vergangenen zwei Jahrzehnte hinweg neu auf zu einem internationalen Top-Player des Anlagenbaus für Stahl und Industrie, Wasserkraft, Papierindustrie.

Juli 2021 Joachim Schönbeck wird zum Nachfolger von Wolfgang Leitner als Vorstandsvorsitzender der Andritz AG bestellt. Mit April 2022 wechselte der bisherige Vorstandschef in den Aufsichtsrat.

Umsatzentwicklung Andritz AG 2015 - 2021
Jahr Umsatz (in Mio. €) +/- ggü. Vorjahr in %
2015 6.377,20 8,84
2016 6.038,97 -5,30
2017 5.889,05 -2,48
2018 6.031,45 2,42
2019 6.673,90 10,65
2020 6.699,60 0,39
2021 6.463,00 -3,53


Die Geschäftsbereiche von Andritz

Der Grazer Anlagenbauer Andritz zählt zu den Flaggschiffen der österreichischen Wirtschaft. Nach dem Ranking "trend TOP500 - Die größten Unternehmens Österreichs" In der jüngsten Geschichte hat Wolfgang Leitner dem Unternehmen wie kaum ein anderer dem Unternehmen den Stempel aufgedrückt: Von einem lokalen Unternehmen ist der Mittelständler zu einem internationalen Anlagenbauer gewachsen. Andritz zählt sich selbst zu den Technologie- und Marktführern im Bereich Wasserkraft, in der Zellstoff- und Papierindustrie, der metallverarbeitenden Industrie und Stahlindustrie sowie in der kommunalen und industriellen Fest-Flüssig-Trennung.

Andritz im Kurz-VIDEO - Die Produktpalette des Analgenbauers [Klick auf das Bild]

Leitner hat das Unternehmen mit geschickten Unternehmensübernahmen sukzessive zu einem internationalen Anlagenbauer ausgebaut. Zwischendurch führte Leitner das Unternehmen noch im Jahr 2001 an die Wiener Börse.

Das Unternehmen fokussierte seine Aktivitäten unter der Leitung von Andritz-CEO Leitner auf vier Geschäftsbereiche: Pulp & Paper (z.B. Anlagen für die Zellstoffindustrie), Metals (Entwicklung von Anlagen zur Erzeugung von Bauteilen in der Automobil- und Automobilzulieferindustrie), Hydro (Bau von Ausrüstungen für Wasserkraftwerke) sowie Separation (Ausrüstungen für Fest-Flüssig-Trennung, etwa in kommunalen Kläranlagen).

Das Geschäftsjahr 2021 wurde trotz weltweiter Corona-Pandemie zu einem Rekordjahr: Mit Aufträgen im Wert von 7,88 Mrd. Euro wurde ein neuer Rekordwert in der Unternehmensgeschichte geschrieben. Im Vergleich zum Jahr 2020 konnten die Aufträge wertmäßig um 29 Prozent gesteigert werden, als noch Aufträge in Höhe von 6,1 Mrd. Euro in den Büchern standen. Die Entwicklung dürfte noch anhalten. Im laufenden Geschäftsjahr 2022 zeigen die Zahlen erneut einen positiven Trend auf.

Mit einem soliden Quartalsergebnis hat Wolfgang Leitner nun nach 27 Jahren Andritz an seinen Nachfolger Jochen Schönbeck zum April 2022 übergeben. Im ersten Quartal wurde der Gewinn einmal mehr um satte 15 Prozent gesteigert.

Der Bereich Pulp & Paper brachte zuletzt Aufträge in Höhe von 3,77 Mrd Euro, Metals kam auf 1,78 Mrd. Euro, Hydro auf 1,56 Mrd. Euro und Separation konnte Order im Gegenwert von 761 Mio. Euro beitragen.

Mit der Stabübergabe beendete Leitner im Jahr 2022 seine aktive berufliche Laufbahn und wechselte in den Aufsichtsrat des Unternehmens.

Mitarbeiterentwicklung Andritz AG 2015 - 2021
Jahr Mitarbeiter +/- ggü. Vorjahr in %
2015 24.833 2,44
2016 25.056 0,93
2017 25.404 1,39
2018 26.538 4,46
2019 29.519 11,23
2020 28.026 -5,06
2021 26.832 -4,26


Wolfgang Leitner - Der Langzeitvorstand von Andritz

Wolfgang Leitner ist in den 27 Jahren als Vorstandsvorsitzender von Andritz zum größten Aktionär des Unternehmens geworden. Über seine Custos Privatstiftung ist der weiterhin der größte Einzelaktionär des Unternehmens. Direkt oder indirekt hält der im Jahr 2002 in den Aufsichtsrat gewechselt Ex-Langzeitchef insgesamt rund 31,5 Prozent der Andritz-Aktien.

Wolfgang Leitner führte Andritz zu einem globalen, profitablen Player im Anlagenbau.

Der aus einfachen Verhältnissen stammende promovierte Chemiker der Karl-Franzens-Universität Graz hat eine steile Karriere hingelegt. Nach dem Studium zog es ihn zunächst in die Forschung zur Höchst AG-Tochter Vianova, wo er von 1978 bis 1981 tätig war. Dach kam der Wechsel in die Unternehmensberatung. Von 1981 bis 1986 war Leitner bei McKinsey & Company in München. Der Sprung in die Selbständigkeit erfolgte gemeinsam mit seinem Studienkollegen, dem späteren Wirtschaftsminister Martin Bartenstein, mit der Gründung des Pharmaunternehmens Genericon. Die ungarische Tochter Pharmavit wurde im Jahr 1995 vom US-Pharmakonzern Bristol-Myers Squibb für 110 Millionen Dollar gekauft.

Mit dem Abgang von Leitner ging eine Ära zu Ende. 1987 wurde der Grazer Finanzvorstand bei Andritz, 1994 erfolgte der Ruf in die Chefposition als Vorstandsvorsitzender. Er führte das Unternehmen zu einem schlagkräftigen internationalen Anlagenbauer. Die berufliche Karriere hat dem Sohn eines Schlossers auch Wohlstand gebracht. Nach der trend-Reichenliste 2021 ist Leitner mit einem Vermögen von 2,4 Milliarden Euro auf Rang 22 der reichsten Österreicher.


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