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Auf zum nächsten Bullenmarkt: Growth- und Luxusaktien im Fokus

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Börsen-Analyse von Ken Fisher: Der gute Lauf der Wachstums-und Luxusaktien ist noch lange nicht vorbei. Defensive Titel werden die Nachzügler sein.

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Volatile Märkte, was nun? Wegen Schwankungen im Markt – so auch beim ATX – behaupten Zweifler, der seit Ende 2022 anhaltende Positivtrend sei vorbei. Hören Sie nicht darauf. Wir sind in einer kurzen Korrekturphase, die wieder vergeht. Es ist jetzt an der Zeit, sich für den nächsten Anstieg im noch jungen Bullenmarkt zu positionieren.

So geht's: Seit Oktober 2022 führen die großen, stark kapitalisierten Wachstumsaktien aus dem Luxus-und Tech-Bereich mit bekannten Namen. Wenig überraschend. Denn wie hier schon erwähnt erholen sich jene Sektoren, die im Bärenmarkt am stärksten abgeschlagen waren, jetzt am besten.

Bedenken Sie: Während des Abschwungs 2022 stürzten Tech-Aktien zusammen mit Luxusgütern ab. Seitdem die globalen Märkte im Oktober 2022 in Euro und in US-Dollar neuerliche Tiefs erreicht hatten, stiegen sie um 26,9 Prozent – fast dreimal so stark wie die weltweiten Aktien (plus 9,1 Prozent).

Bei den technologienahen Kommunikationsdienstleistern und zyklischen Konsumgütern verliefen der Absturz und der nachfolgende Wiederanstieg parallel zu dem der Techs. Bei den Industriewerten dasselbe – besonders in der Eurozone, wo die Rezessionssorgen sie im Abschwung trafen.

In den Schlagzeilen wird der Anstieg der Tech-Aktien oft als eine durch KI befeuerte Täuschung abgetan. Auch Angst vor steigenden Zinsen löst schwächere Prognosen für Wachstumstitel aus. Aber es ist nur eine Pause zur Erfrischung.

Durch das uneinheitliche Wachstum und die Sorge um ein Schwächeln von China werden immer noch die hochwertigen Wachstumsaktien bevorzugt. Anleger treiben die Kurse jener Unternehmen, die für eine Umsatzsteigerung kein wirtschaftliches Wachstum brauchen, in die Höhe. Diese Titel sind rar und daher wertvoll!

Starke Marge bei Tech-Aktien

Auch das führt wieder zu den Techs. Dort verstärken außerdem fette Bruttomargen von 47 Prozent das durch Reinvestitionen getriebene Wachstum, insbesondere bei Software- und Halbleiterfirmen. Ironischerweise schützen diese Margen und die dadurch blitzsauberen Bilanzen die Techs vor steigenden Zinsen. Das fällt nur wenigen auf, wodurch es Gewicht bekommt. Sehen Sie sich also nach niederländischen, deutschen, koreanischen, taiwanesischen und US-amerikanischen Namen um.

Nehmen Sie ebenso die gerade günstigen Aktien der Luxusgüterindstrie mit ihrer durchschnittlichen Bruttomarge von 58 Prozent wieder in den Fokus. Kaufen Sie französische, Schweizer und italienische Aktien! Suchen Sie nach breit aufgestellten Retailern. Österreich hat zwar keine, in den USA gibt es sie dafür tonnenweise.

Die defensive Telekom-Branche dürfte sich nur zögerlich entwickeln. Sie sollten eher die technologienahen Unternehmen der interaktiven Medien- und Dienstleistungsbranche – und ihre riesige Bruttomarge von 62 Prozent – im Fokus haben. Auch hier dominieren die USA.

Aktien mit Aufholpotenzial

Die vermutlichen Nachzügler sind weitere defensive Kategorien: Healthcare, Basiskonsum und Versorgungswirtschaft. Ihnen geht es in Bärenmärkten meist besser, weil Menschen auch dann Medizin, Brot und Strom kaufen. Das gibt ein Gefühl von Anlagestabilität. In Bullenmärkten werden sie zum Bremsklotz.

Energietitel dürften zurückbleiben. Im letzten Jahr wurde auf Öl-Aktien hoch geboten, nachdem fälschlicherweise eine Knappheit wie in den 70er-Jahren erwartet worden war. Nun wiederholt sich dieser Irrtum angesichts der Kürzungen der OPEC+ und der Sorgen um den Nahost-Konflikt. Üppige globale Vorräte werden die Preise und Gewinne jedoch limitieren. Die amerikanische Ölförderung wird 2024 einen Rekordwert erreichen. Ob China, Kanada, Brasilien, Irak, Libyen, Nigeria und Venezuela: Alle erhöhen ihre Produktion. Gas? Vorratsspeicher sind gut gefüllt, auch in der EU.

Wie steht es um die Industriewerte? Die Bruttogewinnmarge von nur 24 Prozent deutet bei schwächelnder Erholung auf mittelmäßige Renditen hin. Was die großen Finanztitel im ATX angeht, scheint der Anstieg der langfristigen Zinsen übertrieben. Dadurch dürften Kreditgewinne sinken.

Halten Sie trotzdem ein paar Nachzügler, um sich gegen Irrtum abzusichern. Aber nicht zu viele.

Die Zeit, von einem wachstums- zu einem wertorientierten Portfolio zu wechseln, kommt erst. Das hängt von der globalen Erholung ab, die noch nicht da ist. Seien Sie optimistisch! Der gute Lauf der Wachstumsaktien ist noch nicht vorbei.

Artikel aus trend. PREMIUM vom 24.11.2023

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