Die Kabarettisten und das liebe Geld

Die Publikumslieblinge ernten Ruhm und Ehre und haben ein ansehnliches Einkommen. Veranstalter und Agenten verdienen kräftig mit. Einnahmenkaiser ist zurzeit der Allrounder Michael Niavarani.

Fangen wir beim Hero an: 2012 wird für Michael Niavarani ein gutes Jahr. Wenn nicht alle Sinne trügen, könnte er auf einen Umsatz von einer runden Million Euro kommen. Dass davon – zu Recht – unter dem Strich auch ein Batzen Geld übrig bleibt, versteht sich von selbst. Faktum ist: Der Verdienst setzt sich bei einem Künstler wie ihm aus mehreren Komponenten zusammen, verläuft die Jahre über aber höchst unregelmäßig.

Basis aller Einkommensschätzungen ist der Kartenverkauf. Schauen wir nach Salzburg, wo Niavarani am 1. und 2. März im restlos ausverkauften Congress-Saal rund 2600 Menschen unterhalten wird. Bei einem (hohen) durchschnittlichen Kartenpreis von 40 Euro spielt er in Summe deutlich mehr als 100.000 Euro ein – freilich wird da noch kräftig geteilt, mit Veranstalter, Agent und anderen Mitarbeitern.

Im April tritt Niavarani achtmal in der Stadthalle auf. Die insgesamt rund 16.000 Karten kosten im Schnitt 19 bis 52 Euro. Rechnet man vorsichtig (einen durchschnittlichen Kartenpreis von 30 Euro), so werden dabei satte 480.000 Euro eingespielt – freilich muss auch da geteilt werden. Schätzungen (aus Sicht der Kabarettisten) sagen, dass der Nettogewinn pro Karte bei derartigen Großveranstaltungen nur bei 2,40 Euro liegt – das wären im schlechtesten Fall für diese Serie 38.000 Euro. Im Juni spielt Niavarani im Stadttheater Berndorf, er füllt dort das Haus zehnmal, was 5000 verkauften Karten entspricht und 150.000 Euro in die Kassen des Hauses spielt. Dessen Intendant heißt seit 2011 übrigens: Michael Niavarani.

Der Stammgast der TV-Comedy-Rateshow „Was gibt es Neues?“ verdient als künstlerischer Leiter des Simpl ein Zubrot und auch als Bestsellerautor: Sein im Herbst 2011 erschienenes Buch „Der frühe Wurm hat einen Vogel“ hielt Ende Jänner bei 60.000 verkauften Exemplaren. Vorsichtig gerechnet, erhält Niavarani zwei Euro pro Buch – das wären bislang 120.000 Euro. The winner takes it all: Für einen Auftritt bei einer Firmengala werden von seiner Agentur 12.000 Euro in Rechnung gestellt. Last, but not least ist er auch als Filmschauspieler („Salami Aleikum“) erfolgreich; 2011 wurde er schließlich zum lustigsten Österreicher gewählt. Diesen Rang hatte vor einigen Jahren noch Roland Düringer inne – der vor Jahren mit seinen „Benzinbrüdern“ zweimal 8000 Menschen in die Stadthalle brachte. Düringer versucht seit einiger Zeit einen Imagewandel hin zu einem aufklärerischen Programm mit etwas weniger Breitenwirkung. Aber er hat längst eine siebenstellige Summe verdient.

Nicht alle Kabarettisten füllen die Stadthalle – doch der 364 Sitzplätze große Stadtsaal ist auch nicht schlecht. Wer hier – so wie etwa Alfred Dorfer – en suite dreizehn Vorstellungen spielt, ist schon fein heraußen, sind das doch, bei stets voller Hütte, runde 4700 verkaufte Karten und ein Einspielergebnis von runden 100.000 Euro für, wie gesagt, dreizehn Auftritte.

Von exakt 100.000 Euro Umsatz, so rechnet ein Insider vor, bleiben einem Künstler unterm Strich und nach Abzug aller Gebühren, Mieten, der Umsatzsteuer, der Anteile für Manager, eventuelle Co-Autoren und Produktionskosten als „Rohergebnis“ um die 23.000 Euro. Immerhin, als Monatseinkommen ist das nicht übel; rechnet man mal zwölf, so kommt ein Jahresbrutto von 280.000 Euro heraus – und damit ist unser aktiver Kabarettist schon längst ein Fall für die Solidarabgabe.

Eine andere Schätzung, aufgestellt für einen guten, bekannten Künstler, geht so: 100 Auftritte pro Jahr sind ohne Zweifel möglich. Bei einem vorsichtig angenommenen Durchschnitt von 3000 Euro „Rohergebnis“ pro Auftritt kommt ein A-Promi allein aus Kartenverkäufen auf 300.000 Euro Umsatz pro Jahr. Tantiemen aus DVD- und CD-Verkäufen sind ebenso wenig „eingepreist“ wie Nebeneinkünfte aus Film, Funk und Fernsehen.

Wie gesagt: Auf solche Einkünfte kommen nicht allzu viele Spitzenspieler. Viele, auch gute Kabarettisten treten in Sälen mit 100 Besuchern und Kartenpreisen von 18 Euro auf. Das Niedermair entspricht exakt dieser Dimension.

Geteilt wird auf Wiener Bühnen generell im Verhältnis 60:40. Das bringt, nach Abzug aller Taxen, dann nur mehr 1000 Euro pro Abend. Da muss man dann schon fleißig durchs Land tingeln, um auf ein angemessenes Jahresgehalt zu kommen. Es gibt bekannte Namen, die in der Provinz drei Abende lang für 3000 Euro Fixum plus Spesen spielen – so wird aus dem erhofften Millionenumsatz bald einmal ein ganz normales bürgerliches Durchschnittseinkommen.

Mitarbeit: David Hell

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

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