ZIB 2-Moderator Wolf im Interview: 'Habe mir mein Gehalt vom Sparbuch gezahlt'

Armin Wolf über die Erfahrungen mit Bildungskarenz, seinen MBA-Titel in „Creative Leadership“ und den „Fast-Traumjob“ als „ZiB 2“-Moderator.

FORMAT: Herr Wolf, Sie haben sich erfüllt, wovon viele Arbeitnehmer träumen, nämlich ein Dreivierteljahr Auszeit vom Job zu nehmen. Welche Bilanz ziehen Sie jetzt, kurz vor dem Wiedereinstieg als „ZiB 2“-Moderator am 21. Juni?

Wolf: Es war großartig. Ich habe wirklich meine Batterien aufgeladen. Ich hätte das nicht nach fünf Jahren im Beruf machen wollen, aber jetzt, mit 43, so zur Halbzeit des Berufslebens, war das der optimale Zeitpunkt. Ich kann das nur empfehlen.

Nach 25 Jahren beim ORF und 15 Jahren Nachtarbeit war es ein guter Moment für eine Pause. Ich hätte allerdings nicht gedacht, dass neun Monate derart schnell vergehen können. Ich hätte es auch noch etwas länger ausgehalten.

FORMAT: Viele machen sich vor einem solchen Schritt Sorgen um die Ersetzbarkeit, den Anschluss im Beruf, den Kontakt zu den Kollegen. Wie war das bei Ihnen?

Wolf: Der Zentralfriedhof ist ja bekanntlich voller Unersetzlicher. Jeder ist für ein paar Monate ersetzbar. Ich war in meiner Auszeit zwar nicht in der Redaktion, hatte aber natürlich Kontakt zu Kollegen, mit denen ich befreundet bin. Und so sehr ich die Sendung liebe: Ich habe nicht jeden Abend „ZiB 2“ geschaut.

Es wird jetzt aber anders sein als vorher. Kollegen wie Franz Kössler oder Danielle Spera, mit denen ich quasi beruflich aufgewachsen bin, sind gegangen. Im Newsroom sitzen weniger Menschen, dort gibt es viele leere Schreibtische. In der „ZiB 2“ ist Lou Lorenz meine neue Kollegin, sie wird zweimal, ich werde dreimal wöchentlich moderieren.

FORMAT: Sie haben in Ihrem Sabbatical ein MBA-Programm abgeschlossen. Wie kam das?

Wolf: Vor zwei Jahren las ich in der „Zeit“ von einer MBA-Ausbildung an der Berlin School of Creative Leadership. Knapp 50.000 Euro Studiengebühr schien mir etwas teuer, aber da stand auch, dass ein Stipendium vergeben wird. Also habe ich mich zwei Stunden hingesetzt und mich beworben, mehr aus Jux und Tollerei, ohne mir ernsthaft eine Chance auszurechnen. Zwei Monate später, ich hatte das Ganze schon fast vergessen, kam der Anruf: Sie bekommen das Stipendium.

FORMAT: Wie lief dieses MBA-Programm dann ab?

Wolf: Das war ein Executive-MBA-Programm mit sechs zweiwöchigen Modulen über eineinhalb Jahre verteilt in Berlin, London, Tokio, New York und Los Angeles. Ich habe das ein Jahr lang berufsbegleitend gemacht. Es war aber anstrengender als gedacht.

Die Module waren eine Art akademisches Bootcamp: Uni von 9 bis 13 Uhr, dann ein Lunch Speaker, wieder Uni bis 17 oder 18 Uhr, abends beim Essen oft noch ein Speaker und dann im Hotel die sehr detaillierten Case Studies für den nächsten Tag lesen. Das war schon heftig. Zwischen den Modulen hatten wir dann Assignments und Gruppenarbeiten. Das kann bei Teilnehmern aus 14 Ländern und lauter verschiedenen Zeitzonen auch recht aufwendig werden.

FORMAT: Daher dann die Auszeit?

Wolf: Ich habe auch schon mein erstes Studium neben dem Job gemacht, aber damals hatte ich noch keine Familie. Um die Module einzuarbeiten, habe ich jeweils vorher und nachher zwei Wochen durchmoderiert. Als dann die Master Thesis anstand, hatte ich Angst, dass ich meine Familie, vor allem die Kinder, gar nicht mehr sehen würde. Die Idee mit der Bildungskarenz hat mir dann immer besser gefallen, und vergangenen Sommer habe ich meinen Vorgesetzten diesen Vorschlag gemacht.

FORMAT: Wie war die Reaktion?

Wolf: Nicht gerade begeistert, aber letztlich verständnisvoll. Im ORF war noch nie ein Moderator auf Bildungskarenz. Eigentlich wollte ich ein Jahr gehen, noch über den Sommer, wir haben uns dann auf neun Monate geeinigt.

FORMAT: Wie ist sich das finanziell ausgegangen?

Wolf: Vom ORF aus war ich im unbezahlten Karenzurlaub, die ersten drei Monate auch formal in Bildungskarenz. Dann habe ich durch einige Vorträge die Zuverdienstgrenze dafür überschritten, die ja mit 350 Euro ziemlich eng ist. Da habe ich die Bildungskarenz abgemeldet und mich selbst versichert. Das Stipendium hat meine Studiengebühren abgedeckt, dazu kamen aber noch die Reisekosten. Mein ORF-Gehalt habe ich mir vom Sparbuch selbst weiterbezahlt. Um das Geld hätte ich auch ein Auto kaufen können, aber das war mir das Sabbatical wert.

FORMAT: Wie sah so ein Tag im Leben des Studenten Armin Wolf aus?

Wolf: Ich habe tatsächlich zum ersten Mal in meinem Leben nur studiert. Mit Anfang 40 ein Studentenleben zu führen ist herrlich. Von neun Uhr früh bis zum Nachmittag habe ich an meiner Thesis gearbeitet und dabei bemerkt: Auch ein Nine-to-five-Job kann Vorteile haben.

FORMAT: Weil die Work-Life-Balance passt?

Wolf: Bei einem Job, in dem man 15-mal im Monat erst gegen Mitternacht nachhause kommt, ist das Hauptproblem die Zeit für die Familie und für ein Sozialleben. Meinen neunjährigen Stiefsohn, der um halb acht in die Schule geht und schläft, wenn ich heimkomme, sehe ich an solchen Tagen gar nicht. Plötzlich hatte ich jeden Abend Zeit. Ich hatte eigentlich vor, endlich wieder viel ins Theater, in die Oper oder zu Vorträgen zu gehen, aber letztlich waren wir fast jeden Abend mit den Kindern daheim – und das war wunderbar.

FORMAT: Aber wer einen MBA macht, hat meist Karrieresprünge und damit noch mehr Arbeit im Sinn.

Wolf: Das war bei mir nicht der Grund. Ich lerne einfach gerne. Ich habe ja auch erst mit 33 Jahren den Magister gemacht und mit 39 promoviert. Wirtschaft hat mich immer interessiert. Und die Kombination von Kreativen und Wirtschaft, wie sie Michael Conrad, der Gründer der Berlin School, konzipiert hat, ist einfach spannend. Conrad war lange Chef der Werbeagentur Leo Burnett in Chicago und hat gesehen, dass Werbeagenturen zunehmend von Controllern und Buchhaltern geführt werden. In einem Kreativbetrieb sollten aber Kreative die Chefs sein. Doch die machen normalerweise keinen MBA. Also hat Conrad ein Programm speziell für kreative Berufe entwickelt.

FORMAT: Mit diesem MBA wären auch Sie geradezu prädestiniert dafür, ein Unternehmen zu führen. Wie wäre es mit dem ORF?

Wolf: Lustig, jeder fragt mich zurzeit, ob ich ORF-Chef werden will. Nein, will ich nicht.

FORMAT: Warum eigentlich?

Wolf: Das ORF-Programm besteht ganz wesentlich auch aus Unterhaltung. Und dafür habe ich weder Talent noch Interesse, auch privat nicht. Ich bin Journalist, mich interessiert die Information.

FORMAT: Bringt der MBA auch dafür etwas, oder sind Sie damit jetzt klassisch überqualifiziert?

Wolf: Man braucht als Journalist keinen MBA. Man braucht auch kein Doktorat in Politikwissenschaft, um die „ZiB 2“ zu moderieren. Aber als Moderator der „ZiB 2“, die täglich über Innen- und Außenpolitik, Wissenschaft, Wirtschaft, Kultur oder Sport berichtet, kann man gar nicht überqualifiziert sein. Dafür kann man nie zu viel wissen. Da ist man eigentlich immer unterqualifiziert. Aber die Grundflexibilität und Auffassungsgabe, die man für die „ZiB 2“ braucht, haben mir auch im Studium geholfen.

FORMAT: Die „ZiB 2“ ist Ihr Traumjob?

Wolf: Die „ZiB 2“-Moderation ist der beste Job, den ein Journalist im ORF haben kann. Mein absoluter Traumjob wäre allerdings die „ZiB 2“ um 18 Uhr. Meine Arbeitszeit an sich ist nicht so das Problem, die hat ja auch jeder Kellner. Aber in der „ZiB 2“ ist von 22 bis 22.30 Uhr der Höhepunkt des Arbeitstages. Da muss ich am wachsten und konzentriertesten sein. Da bin ich aber schon neun Stunden im Büro und bleib noch bis kurz vor Mitternacht. Am Ende der Woche ist man da schon ernsthaft müde.

FORMAT: Hätten Sie eigentlich ohne MBA die Auszeit genommen?

Wolf: Ein Sabbatical ganz ohne Projekt könnte ich mir nicht vorstellen. Nur zuhause rumhängen und fernsehen wäre nichts für mich. Ich hatte jetzt acht Wochen echte Ferien, weil mein Studium Ende April zu Ende war. So lange hatte ich nicht mehr frei, seit ich 15 war, weil ich an der Handelsakademie in Innsbruck in den Schulferien immer gearbeitet habe. Eigentlich wollte ich jeden Tag ins Schwimmbad. Leider war das Wetter dagegen. So habe ich eben viel gelesen. War für zwei Monate auch sehr schön.

Interview: Michael Schmid

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