Angestellt oder Selbstständig? Die Vor- und Nachteile

Sich selbstständig machen oder angestellt sein, beide Varianten haben spezifische Vor- und Nachteile, die man bedenken sollte, bevor man eine Entscheidung trifft.

Angestellt oder Selbstständig? Die Vor- und Nachteile

Wer sich selbständig machen will, sollte sich vorher über viele Dinge im Klaren sein. Die Motivation, sein eigener Chef sein zu wollen, reicht nicht.


Nach dem Studium, dem Ende der Berufsausbildung oder nachdem man einen Job verloren oder aufgegeben hat, stellt sich die Frage: was jetzt? Sollte man es mit der Selbstständigkeit probieren und eine eigene wirtschaftliche Existenz gründen oder entscheidet man sich stattdessen dafür, sich von einem Unternehmen oder dem Staat anstellen zu lassen? Jede Variante hat spezifische Vor- und Nachteile, die man sich ins Gedächtnis rufen sollte, bevor man eine Entscheidung trifft.


Vorteile der Selbstständigkeit

Den Traum von der Selbstständigkeit spüren häufig auch jene, die schon in einem Unternehmen angestellt sind. Laut einer Studie, die in Deutschland durchgeführt worden ist, hat schon jeder dritte Angestellte in seinem Leben wenigstens einmal ernsthaft darüber nachgedacht, den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen. Die Hoffnungen sind dabei immer gleich: Endlich Chef sein und selbst das Sagen haben, sich die Arbeitszeit endlich frei einteilen zu könne und auf diese Weise eine bessere Work-Life-Balance, finanzielle Unabhängigkeit und im Idealfall wirtschaftlicher Wohlstand zu erlangen. Tatsächlich garantiert ist nur der erste Vorteil – sowie mit Abstrichen der zweite Punkt, denn natürlich kann jeder Selbstständige seine Zeit frei einteilen. Trotzdem vieler Unwägbarkeiten, kann sich dieses Wagnis bezahlt machen.


Selbstständig: Diese Nachteile sollte man sich vor Augen halten

Über eines sollte man sich jedenfalls im Klaren sein, wenn man den Schritt in die berufliche Unabhängigkeit wagt: In den ersten beiden Jahren nach der Gründung ist so viel Zeit in die Arbeit zu investieren, dass kaum Zeit für das Privatleben bleibt. Die Work-Life-Balance leidet. Zudem wächst die Verantwortung: Man steht für die Finanzen des Unternehmens gerade, muss vielleicht für Mitarbeiter sorgen und muss sich um die Verwaltung kümmern. Es fallen Arbeiten an, von denen man vor nicht einmal wusste, dass sie getan werden müssen. Der größte Nachteil an der Selbstständigkeit betrifft das Finanzielle: Für die Steuer muss ein Großteil des Kapitals zurückgehalten werden. Dies ist insbesondere in der Anfangszeit, in der man noch laufende Kredite zu tilgen hat oder Investoren ausbezahlen muss, nicht einfach.


Was bringt der Unternehmerführerschein?

Wer sich vor diesen Herausforderungen wappnen will, sollte nicht unbedarft in die Selbstständigkeit stürzen. So bietet die Wirtschaftskammer die Möglichkeit eines Unternehmerführerscheins an. Darin wird Wirtschafts- und Finanzwissen vermittelt. Der Unternehmerführerschein setzt sich aus vier Modulen zusammen, wovon nur das letzte Modul, das Modul UP von all jenen, die nicht mehr in die Schule gehen, besucht werden kann.


Wann ist die Unternehmerprüfung gesetzlich vorgeschrieben?

Das Modul UP des Unternehmerführerscheins kann auch als Vorbereitung für die Unternehmerprüfung eingesetzt werden. Eine solche Prüfung, um zu belegen, dass man Grundkenntnisse, wie ein Unternehmen zu führen ist, erworben hat, ist bei gebundenen Gewerbe Pflicht. Das Wissen darüber kann man sich auch im Selbststudium mit entsprechenden Unterlagen beibringen und man tritt einfach zur Prüfung an.

Das Modul UP schließt in Österreich mit einer kommissionellen Prüfung bei einer der Meisterprüfungsstelle der Wirtschaftskammern ab. Zur Prüfungszulassung sind Zertifikate über positiv absolvierte Prüfungen der Module A, B und C erforderlich. Entweder man legt die Zertifikate für die vier erfolgreich absolvierten Module ab des Unternehmensführerscheins ab. In diesem Fall entfällt die Unternehmerführerscheinprüfungen, die in Österreich für bewilligungspflichtige und gebundene Gewerbe gesetzlich vorgeschriebene Unternehmerprüfung.

Modul UP zur Vorbereitung auf die Unternehmerprüfung

  • Rechnungswesen und Kostenrechnung
  • Steuern
  • Personal
  • Deckungsbeitragsrechnung
  • Finanzierung
  • Marketing und Rechtskunde

Wifo Unternehmertraining: weiter Möglichkeit sich auf Unternehmerprüfung vorzubereiten


Das Wifo bietet eigene Kurse die angehende Selbstständige auf die Unternehmerprüfung vorbereitet. Dazu gibt es das den Lehrgang "Unternehmertraining kompakt". Mit dem WIFI-Unternehmertraining kann man sich auf die von der Gewerbeordnung verlangte Unternehmerprüfung vorbereiten. Es vermittelt den Kursteilnehmern ein breites betriebswirtschaftliches Basiswissen für die unternehmerische Tätigkeit. Der Lehrgang "Unternehmerprüfung kompakt umfasst 88 Lehreinheiten und kostet 1.200 Euro. Der Kurs ist entweder an bestimmten Wifi-Kursorten oder online absolvierbar.

Umfangreicher ist der Lehrgang "Unternehmertraining", der 160 Lehreinheiten umfasst und 1.700 Euro im Präsenzunterricht kostet.
Das Unternehmertraining online ist auf 90 Lehreinheiten ausgelegt und kostet 1.250 Euro. Weiterführende Informationen zu den Wifo-Lehrgängen für angehende Unternehmer oder solche, die sich einfach die Grundlagen dazu aneignen wollen, finden Sie hier.

Weiter nützliche Informationen finden sich auch auf der staatlichen Webseite "Das digitale Unternehmerservice".


Diese Vorteile genießen Angestellte

Der größte Vorteil als Angestellter ist Planungssicherheit: Jeden Monat kommt ein fix vereinbartes Gehalt auf das Konto. Man kennt seine Arbeitszeit. Die Zahl der Urlaubstage, die man pro Jahr konsumieren kann, ist genau geregelt. Wochenendarbeit eher die Ausnahme und sollte es keinen All-in-Vertrag geben, müssen Überstundenzuschläge, diese sind am Wochenende deutlich höher, gezahlt werden.

Als Angestellter muss man sich nicht darum kümmern, dass Steuern und Beiträge zur Sozialkasse gezahlt werden, muss sich doch der Arbeitgeber darum kümmern. Ein Angestellter hat zudem auch Aufstiegschancen und kann so die Karriereleiter emporklettern und viel Geld verdienen. Viele Unternehmen kümmern sich zudem um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ihrer Mitarbeiter und sorgen dafür, dass Beruf und Familie in einen vernünftigen Einklang gebracht werden können.


Die Nachteile können Angestellte treffen

Selbst als Angestellter ist man auch einer gewissen wirtschaftlichen Unsicherheit ausgesetzt. Schließlich kann ein Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten und man beispielsweise mit einer Lohnkürzung oder Kurzarbeit konfrontiert werden. Man kann natürlich auch gekündigt werden.
Betroffen sind von Unsicherheiten sind vor allem jene, die sich genötigt sehen, Zeitverträge einzugehen. Insbesondere junge Menschen hanteln sich mitunter von Zeitvertrag zu Zeitvertrag. Viele Angestellte beklagen zudem, ihr kreatives Potenzial nicht entfalten zu können. Anders beim Selbstständigen, der "endlich Chef ist". Es kann auch sein, dass eigene Ideen kaum oder aber gar kein Gehör finden. Oft fühlen sich Angestellte auch "eingemauert". Das bedeutet, sie sind lange nicht mehr befördert worden und haben das Gefühl, in einer Sackgasse zu stecken. Davon betroffen sind besonders häufig ältere Arbeitnehmer.

Flucht in die Selbstständigkeit kein ausreichender Grund

Je nachdem wie stark diese Argumente wiegen, können das triftige Gründe sein, um dem angestellt Sein den Rücken zu kehren und sich selbstständig zu machen. Doch die Motivation, selbstständig zu werden, sollte nicht nur aus solchen negativen Emotionen heraus zu diesem Entschluss führen, sondern viel wichtiger ist es, essenzielle Fragen zu klären, durch die sich abschätzen lässt, ob sich der Gang in die Selbstständigkeit wirklich lohnen könnte. Sonst könnte der Leidensdruck, den man als Angestellter hatte, am Ende klein wirken gegen die finanziellen Sorgen und Nöte als Selbstständiger. Dann, wenn sich die Flucht vor dem Angestellten sein als Horror des selbstständig Seins entpuppt.


Diese Fragen sollte sich unbedingt stellen, bevor man die Selbstständigkeit wagt

  • Wie sattelfest ist man in seinen Kenntnissen in einer bestimmten Profession
  • Wie viele Kontakte (Kunden, Zulieferer) habe ich, auf die ich in der Selbstständigkeit zurückgreifen kann?
  • Wie groß ist die Nachfrage nach dem Produkt/Dienstleistung, die mich anbieten will?
  • Wie stark ist Konkurrenz auf diesem Gebiet?
  • Womit könnte ich mich von Anbietern mit ähnlichem Angebot unterscheiden?
  • Wie hoch sind die Verdienstmöglichkeiten? Wie sehr sind die Einnahmen von der Konjunktur und anderen Gegebenheit, die ich nicht beeinflussen kann, abhängig? Wie sehr würden mich starke finanzielle Schwankungen/Ausbleiben bei den Einnahmen treffen? Was ist das Minimum, das ich im Monat im Jahr verdienen muss, um über die Runden zu kommen. Wie realistisch sind meine Annahmen über Verdienstmöglichkeiten?
  • Wie hoch wird der zeitliche Aufwand voraussichtlich sein, um meine Ziele zu erreichen?
  • Verfüge ich über die nötigen Kenntnisse, um ein Unternehmen wirtschaftlich und nach den erforderlichen Standards führen zu können?
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