Reality-Check: Eignet sich Ihr Streckenprofil für ein E-Auto?

Reality-Check: Eignet sich Ihr Streckenprofil für ein E-Auto?

Rentiert sich der Kauf eines Elektroautos für den Alltagsbetrieb? Es kommt auf das Fahrverhalten an. Raiffeisen Leasing hat dafür eine Analyse-Methode entwickelt. Der Reality-Check zeigt, dass das Sparpotenzial der E-Mobilität in allen Bereichen erheblich ist.

Die Diesel-Diskussion nimmt kein Ende. Fahrverbote werden diskutiert, Autohersteller denken mehr oder weniger laut über das Ende des Dieselantriebs für Pkw nach und Porsche will als erster Hersteller von Rang überhaupt keine Dieselautos mehr verkaufen.

Zum Schutz von Klima und Gesundheit spricht auch längst vieles für Elektroautos. Aber wäre man selbst bereit, auf den E-Antrieb umzusteigen? Viele Fragen sind bei skeptischen Konsumenten noch offen, und ganz oben stehen dabei die reale Reichweite oder die Kosten von E-Autos im Alltagsbetrieb: Kann ein batteriebetriebenes Auto die individuellen Mobilitätsanforderungen erfüllen? Reichen die Akkukapazität und die Ladestationen-Infrastruktur für den Alltagsbetrieb?

Die Prüfspezialisten von TÜV Austria haben sich bemüht, auf diese Fragen Antworten geben zu können und dafür eine Methode entwickelt, die individuelle Fahrprofile analysiert. "So wird festgestellt, ob ein Elektroauto für den eigenen Gebrauch sinnvoll ist. Es werden außerdem Tipps für den täglichen Gebrauch abgeleitet und gezeigt, was ein Umstieg bringt", erläutert Renato Eggner, Chef von Raiffeisen Fuhrparkmanagement, der dieses Service nun erstmals Firmenkunden anbietet.

Der trend hat das Angebot getestet.


Der trend Test

Reality-Check: E-Antrieb, geht das?

Kern des neuen Angebots ist ein vom TÜV entwickelter GPS-Tracker, der ein Monat lang das individuelle Streckenprofil aufzeichnet und die Strecken-Daten anschließend auswertet.

Im ersten Schritt musste der GPS-Tracker im Auto angebracht werden - im trend-Test war das ein konventioneller Audi A4 Diesel. Der Anschluss des Geräts, das nicht größer als eine Zündholzschachtel ist, war einfach. Das Gerät wurde an Bord mit einem USB-Stecker verbunden, und schon wurden bei jeder Fahrt Strecken und Standorte bis auf die Hausnummer genau aufgezeichnet. Ob sich die Fahrerin an Geschwindigkeitsbegrenzungen oder andere Verkehrsregeln hielt wurde dabei nicht registriert.

Ein Monat später wurde der Tracker ausgewertet. Das Streckenprofil ergab wenig Spektakuläres, dürfte aber dem eines Durchschnittsfahrers entsprechen: Unter der Woche bestand es vor allem aus kurzen Strecken wie ins Büro und wieder retour. An Wochenenden waren auch mal längere Fahrten darunter, im trend-Test auch Fahrten von rund 200 Kilometer pro Richtung.

Nur acht Prozent der Routen länger als 100 Kilometer
So gewöhnlich das Streckenprofil, so überraschend die Details der Testergebnisse: Nur acht Prozent der Fahren waren länger als 100 Kilometer. Nach Berechnungen von TÜV Austria könnten bei diesem Streckenprofil mit einem E-Auto 82 Prozent der Wege ohne Zwischenladung zurückgelegt werden.

Viele kurze Strecken. Das GPS-Tracking über eine Strecke von 2.250 Kilometer zeigt: 80 Prozent der Wege sind kürzer als 100 Kilometer.

Nur alle sechs Tage laden
Auf ein Elektroauto umgemünzt bedeutet das: Das Elektromobil müsste bei meinem Fahrerprofil und täglichem Betrieb nur alle sechs Tage an die Steckdose. Die Datenspezialisten haben auch recherchiert, wie viele Schnellladestationen es an jedem Standort in einem Radius von fünf Kilometern gab. Das beruhigende dabei: Zumindest eine gab es immer, entweder an der Start-oder an der Zieladresse. In Wien waren es sogar zwischen zwei und zehn.

Nach einer Stunde laden: 110 Kilometer Reichweite mehr
Doch wie lange dauert das Laden? Der Begriff "schnell" ist dehnbar. Als Schnellladen gilt alles, was mit mehr als schwachen 3,7 kW (Kilowatt) aus der Haussteckdose rinnt. Um mit 22 kW Strom, der gängigsten Leistung von Stromladestationen, Energie für 110 Kilometer Reichweite zu laden, braucht es nach Berechnungen des TÜV eine Stunde. Flotter geht es erst ab 50 kW. Damit kommt man bereits nach einer halben Stunden zumindest 100 Kilometer weiter.

Raiffeisen-Fuhrparkprofi Eggner bleibt jedoch Realist und weiß: "Wer weder zu Hause noch in der Firma laden kann, dem ist von einem E-Auto abzuraten."

Ersparnis pro Jahr: 173 Euro
Für all jene, die den Betrieb eines Elektroautos nicht nur durch die Ökobrille sehen, zählt am Ende des Tages, ob das Tanken gegenüber einem Auto mit Verbrennungsmotor billiger ist, wenn schon die Anschaffung teuer ist.

Hätte man statt eines Audi A4 für die getrackte Gesamtdistanz von 2.250 Kilometer ein Elektroauto benutzt, ergäbe sich laut TÜV eine Ersparnis von 39 Euro oder 34 Prozent. Hochgerechnet auf eine Jahresleistung von 10.000 Kilometer wäre die Treibstoff-Ersparnis somit bei dem zum Testzeitraum durchschnittlichen Diesel-Preis von 1,15 Euro pro Liter und einem durchschnittlichen Strompreis von 18 Cent pro kWh eine Ersparnis von 173 Euro. Beim aktuellen Diesel-Preis von rund 1,30 Euro läge die Differenz bereits bei 195 Euro.

Tanken mit Strom ist um 34 Prozent billiger als Diesel. Zum Erhebungszeitraum betrug der Spritpreis für ein Dieselauto 1,15 Euro pro Liter. Bei der getrackten Strecke von 2.250 Kilometer ergab das gegenüber dem Preis für die dafür nötigen Stromladungen eine Ersparnis von 39 Prozent. Beim aktuellen Spritpreis von rund 1,30 Euro (Stand: 31.10.2018) wäre die Ersparnis noch höher.

Am eindeutigsten ist die Ersparnis beim C02 -Verbrauch. Dieser ist der Ökoschlitten naturgemäß weit im Vorteil. Beim Elektroauto ist dieser fast null, während der Audi über die gemessene Distanz 260 Gramm C02 hinausgeblasen hat. Ob die Rechnung damit aufgeht, muss jeder für sich selbst beurteilen.

Klarer Sieger Elektroauto: Ein Audi A4 Diesel stößt laut den Berechnungen von TÜV Austria, konservativ gerechnet, auf über 2.000 Kilometer 260 Gramm Kohlenstoffdioxid aus. Die Emission eines Elektroauto ist extrem niedrig.

Energiebilanz spricht für ein Elektroauto
Der Test zeigt, dass ein Elektroauto nur halb so viel Energie benötigt wie ein Mittelklassewagen mit Dieselantrieb.

Wer ein Elektroauto fährt, spart gegenüber einem Audi A4 auf einer Strecke von über 2.000 Kilometer 58 Prozent Energie. Zur Erklärung: Mit genormten Umrechnungsfaktoren kann der Energieinhalt von Diesel pro Liter berechnet werden. Hochgerechnet auf den Verbrauch ergibt sich der Energieverbrauch in kWh. Der Energieverbrauch des Diesel-Fahrzeuges wurde dabei sehr konservativ gerechnet, da als Berechnungsbasis nur der vom Hersteller angegebene Normverbrauch von 4,38 l je 100 km herangezogen wurde.

Top-Empfehlung der Experten aufgrund der Streckenanalyse: Nissan Leaf
Die Ergebnisse sprechen für einen Umstieg. Doch welches Modell wählen? TÜV Austria weiß auch da Rat. Die Empfehlung erfolgt anhand des Streckenprofils, einer ähnlichen Größe des Autos, als das man bereits besitzt und der passenden Leistung der E-Modelle. Die Topempfehlung des TÜV wäre der neue Nissan Leaf 2 mit 150 PS. Der schafft laut nicht ganz realistischem Messzyklus NEFZ pro Stromfüllung 350 Kilometer. 98 Prozent der Fahrten würde der Kompaktwagen problemlos schaffen. Zweitgereiht ist der 120 PS starke Hyundai Ioniq Elektro, der bis zu 240 Kilometer am Stück schaffen soll. Als Dritter wird der BMW i3 (170 PS) genannt. Der ist mit einer Alltagsreichweite von 200 Kilometer ausgestattet und kommt mit 95 Prozent Streckenabdeckung nicht ganz so gut weg.

Schwachpunkt: Hohe Anschaffungskosten
Bleibt als letzte Hürde der Preis, noch immer ein Schwachpunkt der Elektroautos. So kostet das Kompakt-E-Auto Nissan Leaf 2 bereits in der billigsten Ausstattungsvariante 35.600 Euro. Der im Test zum Vergleich herangezogene Audi A4 kostet zwar bereits in der günstigsten erhältlichen Variante mit 41.570 Euro deutlich mehr, ein konventionell betriebener VW Golf wird aber bereits ab 20.090 Euro angeboten, während sein E-Pendant erst an 39.390 Euro erhältlich ist. Das umweltverträgliche Auto kostet damit fast doppelt so viel. Der BMW i3, eines der Luxusgeschöpfe unter den E-Vehikeln, ist in einer ähnlichen Preisliga zuhause. Er kostet mindestens 38.860 Euro.

Immerhin lindert der Staat lindert die Kosten ein wenig: Bis Ende des Jahres werden private E-Autokäufe mit 4.300 Euro gefördert, für Firmen gibt es 3.000 Euro.

Selbst wenn die Förderung nicht verlängert werden sollte: Die Zeit arbeitet für das C02 -freie Fortbewegungsmittel. Die Kosten für Batterien haben sich in fünf Jahren gedrittelt und sinken weiter, die Reichweiten steigen. Für den Chef des Raiffeisen-Fuhrparkmanagments, Eggner, sind Fahrprofilanalysen wie die des TÜV geeignet, Kunden die nach wie vor bestehende "Reichweitenangst" vor Elektroautos zu nehmen: "Damit können wir die nächste Phase der Elektrifizierung einleiten."

Auto & Mobilität

Große Qualitätsunterschiede bei Wallboxen für Elektroautos

Auch beim Wolfgangseer Advent sollte man als Autofahrer ein paar Faustregeln fürs Punschtrinken beachten.

Auto & Mobilität

Wie viel Punsch und Glühwein Autofahrer trinken dürfen

Auto & Mobilität

Alkotest: So beeinträchtigen 0,5 und 0,8 Promille die Fahrtüchtigkeit