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Standort Kärnten: Grüne Technologie mit Tradition

In Kooperation mit Land Kärnten Standortmarketing
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Power von oben. Die 800 Doppelglas-PV-Module auf dem Dach von Sonnenkraft in Kärnten decken drei Viertel der für die Produk­tion benötigten Energie.

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Der Süden Österreichs hat sich zum Green-Tech-Hotspot entwickelt. Der nächste Schritt: ein grenzüberschreitendes Valley mit der Steiermark als Schwungrad der grünen Transformation der Wirtschaft.

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Er startete, als keiner daran glaubte – und mit 500.000 Schilling Minus auf der Bank. Nach seiner Schicht als Produktionsleiter bei Philips in Klagenfurt, wo er für die Produktion von wöchentlich 60.000 Damenrasierern verantwortlich war, werkte der gelernte Schlosser Robert Kanduth in seiner Garage an den ersten Solarthermie-Kollektoren, die Sonnenenergie in nutzbare Wärme umwandeln. Das war 1991. Inzwischen produziert sein Unternehmen GreenoneTec jährlich 1,6 Millionen Quadratmeter Kollektorfläche, exportiert in über 50 Länder und setzt mit 175 Beschäftigten 55 Millionen Euro um. Vor allem ist um das Werk im Kärntner St. Veit an der Glan mit den Solarunternehmen Sonnenkraft und Kioto ein echtes Sun-Valley entstanden.

„Willkommen in der Sonnenstadt St. Veit“, begrüßt denn auch Sonnenkraft-Geschäftsführer Peter Prasser, ein früher Mittüftler von Kanduth, gerne Gäste. Er hat das Unternehmen kräftig ausgebaut: Vergangenes Jahr wurden 8,5 Millionen Euro in den Ausbau der Produktion gesteckt, dadurch können jetzt bis zu 3.000 Photovoltaikmodule pro Tag produziert werden. „Wir bieten innovative Lösungen, damit in erster Linie bereits versiegelte Flächen für die Erzeugung von Photovoltaikstrom verwendet werden können“, sagt Peter Prasser, „mit unseren Doppelglasmodulen können Hallen, Terrassen, Zäune, E-Carports oder auch Fassaden mit Photovoltaikmodulen ausgestattet werden, die nicht nur gut aussehen, sondern Energie liefern und Kosten sparen.“

Wir leben hier in St. Veit an der Glan schon Solarenergie seit über 30 Jahren.

Peter Prasser, Sonnenkraft
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Strom vom Dach.

Und weil ein Unternehmen besonders glaubhaft ist, wenn es seine Produkte nicht nur verkauft, sondern auch selber nutzt, wurde das neue Dach mit 800 Stück Doppelglas-Photovoltaikmodulen bestückt. Das spektakuläre, über das Gebäude hinausragende Flugdach wurde auch mit dem renommierten Solarpreis in der Kategorie „Solares Bauen“ ausgezeichnet.

Das Beispiel des „Sun-Valley“ St. Veit zeigt: Grüne Technologie hat in Kärnten Tradition. Der Aufstiegs Kärntens zum Green-Tech-Hotspot begann mit Sonnenkraft-Pionieren wie Kanduth und Prasser. Doch sie waren nicht die einzigen. Auch das Familienunternehmen Lindner in Spittal an der Drau, ursprünglich als Maschinenproduzent für die Holzindustrie gegründet, hat frühzeitig erkannt, welche Chancen im Umweltthema stecken. Mittlerweile zählt der Oberkärntner Betrieb zu den weltweit führenden Herstellern von Zerkleinerungs- und Recyclinganlagen. Exportiert wird in rund hundert Länder, beschäftigt werden 400 Mitarbeitende. Erst vergangenes Jahr hat das Unternehmen auf über 45.000 Quadratmetern im Gewerbegebiet von Spittal eine neue Firmenzentrale plus hochmoderner, robotergestützter Produktionsanlage errichtet. „Unsere Mission ist es, Abfälle in Wertstoffe zu transformieren“, sagt Geschäftsführer Michael Lackner, „wir produzieren Aggregate, um Müll zu zerkleinern und diesen so aufzubereiten, dass daraus Energie gewonnen werden kann oder ein ­neues Produkt entsteht.“

Globale Technologieführer.

Was Kärnten stark macht, sind nicht nur einzelne Pioniere und Leuchtturmunternehmen. Frühzeitig hat man auf Kooperation gesetzt und sich mit dem 2005 gegründeten steirischen Green Tech Cluster ­verbunden. Die Idee dahinter: die vorhandene Kompetenz durch Austausch und Kooperationen weiter auszubauen. Und das ist absolut gelungen: Über 300 Unternehmen und Forschungseinrichtungen sind Teil dieses Netzwerks und beschäftigen sich intensiv mit Solarenergie, Biomasse, Wasserkraft, Recycling und Kreislaufwirtschaft, rund 20 davon sind globale Technologieführer – und das im Umkreis von einer Fahrstunde.

Der Green-Tech-Hotspot im Süden ­Österreichs hat längst auch internationale Anerkennung erfahren. Bereits vor zehn Jahren wurde der Cluster als Beispiel besonders innovativer Regionalentwicklung ausgezeichnet. Jetzt wurden die Gewinner und Finalisten dieses Wettbewerbs der letzten 15 Jahre – in Summe 300 Initiativen – noch einmal betrachtet, um zu schauen, wie sie sich entwickelt haben. Und wieder wurde der Green Tech Cluster für seine exzellente Arbeit ausgezeichnet und zu einem der „All-Time-Regiostars“ gekürt.

Doch solche Auszeichnungen sind kein Grund, sich auszuruhen, im Gegenteil. Der nächste Schritt zur Weiterentwicklung ist schon gesetzt: Aus dem Green Tech Cluster wird das Green Tech Valley. Das ist mehr als nur ein neues Etikett. Durch die Eröffnung des Koralmtunnels rücken die Kärntner und die steirischen Green-Tech-Betriebe geografisch noch näher zusammen, zudem hat sich das Land Kärnten an dem Netzwerk beteiligt – ein deutliches Signal für den Stellenwert, den grüne Technologie in dem Bundesland hat. Erster gemeinsamer Themenschwerpunkt wird die nachhaltige Erzeugung und Nutzung von Wasserstoff für die Mobilitätswende sein.

Denn klar ist: Die grüne Transformation der Wirtschaft ist die wichtigste Aufgabe der kommenden Jahrzehnte – und ohne entsprechende Technologien wird sie nicht gelingen. „Gemessen an der Wirtschaftskraft Kärntens gibt es im Green-Tech-Bereich eine starke Konzentration, die dem Wirtschaftsstandort eine exzellente Ausgangsposition in der grünen Transformation bietet“, sagt auch Bernhard Puttinger, Geschäftsführer des Clusters und des ­zukünftigen Green Tech Valley.

Kärnten hat im Green-Tech-Bereich eine exzellente Ausgangsposition.

Bernhard Puttinger, Green Tech Valley
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Starkes Wachstum.

Schon jetzt zeigt sich, dass das grüne Valley ein fruchtbarer Boden ist. In den vergangenen zehn Jahren sind die dortigen Green-Tech-Unternehmen verglichen mit den Weltmärkten um 50 Prozent stärker gewachsen. Beschäftigt werden 24.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, fast jeder zehnte davon in der Forschung. Der gemeinsame Umsatz beträgt 6,8 Milliarden Euro. Und das Erfolgsgeheimnis? „Die extrem hohe Kooperations- und Forschungsintensität der Beteiligten und das gute Zusammenspiel von Unternehmen, Forschungseinrichtungen und öffentlicher Hand“, sagt Bernhard Puttinger. Lindner-Geschäftsführer Lackner bestätigt das: „In diesem Zusammenschluss sind viele Unternehmen angesiedelt, mit welchen wir kooperieren und entsprechende Wertschöpfung generieren.“

Ein Beispiel für eine gelungene Zusammenarbeit sind Kompetenzzentren wie das Wood K plus. Aktuell wird dort an ­einem nachhaltigen, biobasierten Bindemittel für Spanplatten geforscht, das die jetzt noch üblichen Formaldehyd-Leime ersetzt (siehe Kasten). Auch das Forschungsinstitut Joanneum Research hat seinen Standort im Lakeside Park in ­Klagenfurt gerade erweitert. Im Fokus: Projekte für klimaneutrale Produktion für Unternehmen mit besonders hohen Emissionen.

Und wenn ein Bundesland ein solcher Green-Tech-Hotspot ist, hat das auch Auswirkungen auf das Land. So hat sich Kärnten vorgenommen, bis 2025 im Bereich Wärme und Strom frei von fossilen Energieträgern zu sein. Schon heute wird Strom aus Kärnten zu hundert Prozent aus erneuerbaren Energien erzeugt, überwiegend aus Wasserkraft. Insgesamt stammt mehr als die Hälfte der verbrauchten Energie aus erneuerbaren Quellen, auch im internationalen Vergleich ein echter Spitzenwert – ideales Umfeld für Green-Tech-Betriebe.

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Kärnten ist auch Vorreiter bei der Nutzung von Wasserstoff. Das Ziel: Bis 2030 sollen 50 wasserstoffbetriebene Busse unterwegs sein. Umgesetzt werden soll das mit den Projektpartnern Infineon Austria, OMV, Postbus und Verbund. Im Kern geht es darum, den bei Infineon bei der Mikrochipproduktion als Nebenprodukt anfallenden Wasserstoff für das Betanken von Bussen aufzubereiten.

© Infineon

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