Werner Rydl – der Mann hinter dem Ibiza-Video?

Werner Rydl

Werner Rydl, 62: Steht er hinter dem Ibiza-Video?

Als einer der größten Steuerbetrüger Österreichs wurde Werner Rydl zuweilen als „Staatsfeind Nr. 1“ tituliert. Im Gespräch mit dem trend erklärt er jetzt, dass er das Ibiza-Video bezahlt habe. Nur ein Selbstdarsteller oder hatte er tatsächlich die Finger im Spiel?

Wer hat das Ibiza-Video beauftragt? Wer hat die ziemlich aufwändige Aktion finanziert? Seit einem Monat, seit die Zusammenkunft von H.-C. Strache und Johann Gudenus mit einer falschen Oligarchen-Nichte in der Villa auf Ibiza öffentlich wurde, sind das oft gestellte Fragen. Bislang blieben schlüssige Antworten darauf aus. Möglicherweise könnte die Causa nun aber eine ebenso überraschende wie skurrile Wendung nehmen.

Ein Informant wies den trend darauf hin, dass ein gewisser Werner Rydl beim Ibiza-Video seine Finger im Spiel habe. Rydl, 62, ist kein Unbekannter. Er stand im Zentrum eines der größten Steuerhinterziehungs-Skandale der österreichischen Geschichte. Der zuweilen als „Staatsfeind Nr. 1“ titulierte Mann kontrollierte ab den 1980er-Jahren ein weit verzweigtes Firmengeflecht und kündigte der Republik gegenüber bereits 1989 ein „Steuerembargo“ an, um gegen die „systemische Korruption“ in Österreich zu protestieren, wie er es nannte. Die Behörde tat ihn als Spinner ab, doch Rydl machte durch nicht abgeführte Umsatzsteuern im Laufe der Jahre ein Vermögen. 1995 setzte er sich nach Brasilien ab, wo er über vier Jahre in Haft saß.

"Erkläre meine Urheberschaft"

Vom trend kontaktiert, behauptet Rydl nun tatsächlich, das Ibiza-Video finanziert zu haben, nicht aber der Auftraggeber gewesen zu sein. Er legte auch eine mit 25. Mai 2019 datierte Eingabe an die Staatsanwaltschaft vor, die er als Selbstanzeige bezeichnet und wo es heißt: „Betreffend des in der Öffentlichkeit aktuell diskutierten Strache-Videos erkläre ich hiermit meine Urheberschaft“ (siehe Faksimile). Die Entstehungskosten gibt er in dem Papier mit 264.377 Euro an. Und Rydl hat auch noch die Chuzpe, die Urheberrechte an die österreichische Bundesfinanzverwaltung zu übertragen. Seine Begründung: „Ich bin der Republik 10,5 oder elf Millionen Euro schuldig und gebe festgestellte Guthaben gerne immer an die Finanzbehörde weiter, speziell wenn’s einen Österreich-Bezug dazu gibt.“

Die Echtheit der Eingabe konnte der trend nicht verifizieren, da der Sprecher der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft schon die Frage, ob sie wirklich eingegangen sei, als Detail in einer laufenden Ermittlung qualifizierte und seine Antwort deshalb auf den Satz beschränkte: „Ich sage nicht Ja, ich sage nicht Nein, nur: kein Kommentar.“ Angeblich wurde Rydl aber bereits telefonisch von den Ermittlern befragt.

Kontaktmann Ramin M.

Rydl behauptet, seine Kontakte seien über den Wiener Rechtsanwalt Ramin M. gelaufen, der über seinen Rechtsbeistand Richard Soyer eine Involvierung in die Ibizagate-Affäre – „ein zivilgesellschaftlich motiviertes Projekt“ – bereits zugab. M. ließ eine diesbezügliche Anfrage des trend unbeantwortet. Auch Richard Soyer reagierte nicht. Bei Anruf in jenem Detektivbüro, in dem der ebenfalls in die Causa verstrickte Detektiv Julian H. tätig war, hieß es, der Name Rydl sei dort nicht bekannt.

Er selbst stellt die Story so dar, dass er 2013 über Ramin M. mit „einer Gruppe“ in Kontakt kam, der er dann regelmäßig Aktionen finanzierte. „Es geht um gesellschaftlich hochstehende, politisch oder wirtschaftlich relevante Persönlichkeiten, die in das Wirtschaftsgeschehen der Republik massiv involviert sind und dadurch auch in die systemische Korruption.“ Es habe sich rasch herumgesprochen, dass er an solchem Material interessiert sei und „Cash zahlt“. Er habe nie Projekte in Auftrag gegeben, „sondern ich kaufte nur fertige Sachen, so zum Beispiel dieses Strache-Video über sieben Stunden“. Rydl sagt, dass die Übergabezeit mehrere Monate betragen hat, weil nach und nach Passagen angeboten wurden. „Ich hab den Preis entschieden, und wenn’s für mich glaubwürdig war, dann hab ich gezahlt – und Original her!“

Seine gekauften Urheberrechte an dem Ibiza-Video seien missbraucht worden, erklärt Rydl, er habe keine Erlaubnis zur Weitergabe erteilt, konnte aber nicht ermitteln, wer genau dafür verantwortlich ist. „Aus meiner Sicht war speziell die FPÖ-Seite natürlich relevant. Den Rechtsradikalismus in Österreich halt ich ja immer schon für was Fatales, wie die Geschichte zeigt. In dem Moment, wo Strache Kanzler wird, hätte ich von mir aus beauftragt, dass das veröffentlicht wird.“

Die Ermittler müssen und werden nun herausfinden müssen, ob Rydl tatsächlich in die Ibiza-Affäre verwickelt oder ob er nur ein Selbstdarsteller ist.


Den vollständigen Artikel finden Sie in der trend-Ausgabe 25/2019 vom 19. Juni 2019
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