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Daniel Brühl spielt Karl Lagerfeld: "Kein Ego-Bullshit"

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Daniel Brühl zollt Karl Lagerfeld seine Hochachtung
©APA/APA/dpa/Carsten Koall
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"Das ist wahrscheinlich die kultigste Figur, die ich je gespielt habe", sagt Daniel Brühl. "Natürlich ist man sich dessen bewusst und muss die Stimmen in seinem Kopf unterdrücken, die einem sagen, dass es schiefgehen könnte", lacht er im Gespräch mit der APA. In der neuen Serie "Becoming Karl Lagerfeld", die nun auf Disney+ zu sehen ist, schlüpft der Deutsche in die Rolle des Modeschöpfers.

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"War das nicht der Typ aus 'Good Bye, Lenin!'?" soll Karl Lagerfeld über Daniel Brühl nach einem Fotoshooting in Berlin gesagt haben. Und nachdem er den Film gesehen hatte: "Oh, ich mag den Typ." Als dieser "Typ" ist der inzwischen 45-jährige Schauspieler wahrscheinlich noch vielen in Erinnerung. Mit der Tragikomödie von Wolfgang Becker gelang ihm 2003 der internationale Durchbruch. Er selbst hätte vor mehr als 20 Jahren vermutlich nicht gedacht, dass er eines Tages den Designer selbst spielen würde. Aber diese flüchtige "sehr denkwürdige Begegnung", sagt der sympathische Brühl, hat "wahrscheinlich auch einen Einfluss auf seine Entscheidung" gehabt, diese Serie zu machen.

Der französische Sechsteiler, der auf dem Roman "Kaiser Karl" von Raphaëlle Bacqué beruht, erzählt vom Aufstieg des Modezaren in den 1970er Jahren. Wir lernen Lagerfeld nicht als den berühmten Mann mit getönter Sonnenbrille, fingerlosen Handschuhen und weißem Pferdeschwänzchen kennen, sondern wir begegnen ihm, als er für das Modehaus Chloé arbeitet, bei seiner Mutti (Lisa Kreuzer) wohnt und seinen Platz in der Pariser Modewelt sucht. Er hat zu Beginn der Serie sogar einen Vollbart! Er ist noch nicht die Haute-Couture-Ikone, die viele von uns aus den Medien kennen, sondern ein preußischer Prêt-à-Porter-Designer, der um die Anerkennung seiner französischen Kollegen kämpft. "Da war er nun, der 'kleine deutsche Söldner'", sagt Brühl, "der viele Türen und Fenster öffnete und frische Luft durch Paris wehen ließ".

Daniel Brühl hat bereits bekannte Persönlichkeiten wie Niki Lauda verkörpert ("Rush"), eine Figur, die ganz weit weg von dem ist, was er sonst spielt, aber die Rolle des Karl Lagerfeld war eine ganz neue Herausforderung für ihn. Er macht seine Sache ganz wunderbar, aber natürlich hat er sich auch Sorgen gemacht. "Man muss das einfach über Bord werfen und es angehen", lächelt er. Er sei mit "viel Bewunderung, Respekt und Empathie an diese Figur herangegangen". Was der 2019 verstorbene Lagerfeld wohl zu seiner Interpretation gesagt hätte, will er sich aber lieber nicht ausmalen. "Er hätte wahrscheinlich einen sehr lustigen, ironischen Kommentar abgegeben", sagt er. "Aber ich möchte mir eigentlich lieber nicht die Frage stellen, ob er die Serie und mich gutheißen würde."

Der charismatische Modeschöpfer stilisierte sich selbst zum Mythos. Daniel Brühl interessiert sich für den Menschen hinter dem Fächer, mit dem er so gerne herumwedelte (und den er nach Drehschluss behalten durfte). "Wir alle haben unsere Schattenseiten", sagt der Schauspieler. "Manche von uns verstecken es einfach besser." Wir sehen, wie Lagerfeld mit einer Essstörung, Eifersucht und Minderwertigkeitskomplexen kämpft. Egos fliegen und fallen. "Mode hat nichts mit Frauen zu tun", sagt er eingebildet an einer Stelle. "Ein Modedesigner ist nur ein Spiegel für die Frau, die er einkleidet", kontert Marlene Dietrich (Sunnyi Melles) in einer anderen Szene. Mit körperlicher Nähe hat er ein Problem. Also hüpft seine große Liebe, der adelige Playboy Jacques de Bascher mit seinem ärgsten Konkurrenten Yves Saint Laurent (Arnaud Valois) ins Bett. Es gibt auch eine sehr manipulative Seite an diesem Serien-Karl.

"Die Fehler und die negativen Seiten machen es für mich erst zu einem vollständigen, menschlichen Bild", erklärt Brühl. "Man muss sich die Frage stellen: Was hat diese Person durchgemacht? Das ist das, was mich interessiert: die Widersprüche und die Komplexität einer Figur."

Im Grunde erzählt die von Gaumont produzierte erste Staffel (ob es eine zweite gibt, steht noch aus) die Geschichte dieses komplizierten Menschen als tragische Amour fou zwischen Karl Lagerfeld und Jacques de Bascher, hervorragend gespielt von dem kanadischen Schauspieler Théodore Pellerin. "Es war Liebe auf den ersten Blick!", erzählt Brühl über die Begegnung mit seinem Serienpartner. "Chemie ist etwas, das passiert oder nicht", sagt er, "aber nach ein paar Minuten hatten wir beide das Gefühl, dass wir zusammen etwas Interessantes schaffen würden - und so war es auch. Ein enormes Maß an Vertrauen, Großzügigkeit, Aufgeschlossenheit, keine Hemmungen, kein Ego-Bullshit."

(Das Gespräch führte Marietta Steinhart/APA)

(S E R V I C E - )

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