Schnee und Glatteis: Was ein Allradantrieb wirklich bringt

Bei Schneechaos und Glatteis können Autos mit Allrad-Antrieb angeblich alles besser. Ist das wirklich so? Schafft es ein Allradler aus einem stark eingeschneiten Parkplatz mühelos heraus? Wie gut greift der Antrieb von vier Rädern bei Schnee und Matsch und wie leicht lässt sich ein 4x4-Antrieb auf Eis zum Stehen zu bringen?

Schnee und Glatteis: Was ein Allradantrieb wirklich bringt
Schnee und Glatteis: Was ein Allradantrieb wirklich bringt

Schneefahrbahn und Allradantrieb - eine pefekte Symbiose?

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Bei einem Auto mit einem Vierrad-Antrieb ist es wie mit einer Versicherung. Man braucht sie nur selten, aber es beruhigt sie zu haben. Doch leistet der um doch ein paar tausend Euro teurere Antrieb tatsächlich, dass, was er bei Matsch, Schnee oder Glatteis verspricht? Schließlich funktionieren Autos, die nur von einer Achse gezogen werden, das Jahr über doch recht gute Dienste.

Was ist ein Allradantrieb?

Vier angetriebene Räder bringen doppelt so viel Kraft auf die Straße als ein 2WD-Auto. Je mehr angetriebene Räder, umso besser die Traktion. Zudem wird ein Auto mit Allradantrieb sowohl gezogen als auch geschoben.

So verhält sich ein Allradantrieb bei Schnee

Hilft Allrad-Auto bei Schnee beim Ein- und Ausparken?

Wie stark der Unterschied von einem Allradantrieb zu einem 2-Radantrieb ist, merkt man besonders im Vergleich zu einem Heckantrieb. Vor allem letzterer scheitert meist schon an kleinen Mengen Schnee, die es zu überwinden gilt. Generell wird jedoch, wer vor hat sein stark eingeschneites Auto aus einer Parklücke zu manövrieren, mit einem konventionellen 2-Rad-Antrieb Mühe haben ohne fremde Hilfe herauszukommen. Beim Ein- und Ausparken von Autos, die unter Schneemassen feststecken, zeigt der Allrad seine Wirkung.

Wie gut kommt ein Allrad-Antrieb auf Schneefahrbahn voran?

Auf nicht geräumten Straßen ist ein 4x4-Antrieb mühelos unterwegs. Auch für all jene, die in der Früh aus dem Haus müssen, bevor der erste Schneepflug gefahren ist, zeigt sich der Allrad von seiner nützlichen Seite. Natürlich kann man sich auch mit einem Vierrad-Antrieb im Schnee festfahren. Das Freikommen ist aber wesentlich einfacher.

Was bringt Allrad beim Bergauf fahren bei Schnee?

Steigungen verlieren mit einem Allrad ihren Schrecken. Wer verschneite Bergstraßen benutzt, wird seinen 2WD-Antrieb wahrscheinlich spätestens dann verfluchen, wenn er beim Hinauffahren anhalten muss oder gar stecken bleibt. Wer einmal "hängt" kommt meist nicht mehr oder nur sehr schwer vom Fleck. Mit einem herkömmlichen Antrieb kann es sogar schon bei einer leichten Steigung oder einem abschüssigen Weg Probleme geben.

Mit Anhänger im Winter oder bei Matsch ist Allrad unerlässlich

Wer viel mit Anhänger fährt und mit größeren Lasten unterwegs, sollte unbedingt ein Fahrzeug mit Vierrad-Antrieb wählen, nicht nur bei winterlichen Fahrverhältnissen. Die erste nasse Wiese mit einem Campingwagen zeigt einem oft ziemlich deutlich, dass die Entscheidung richtig war, sich ein solches Modell zuzulegen.

So reagieren Allradfahrzeuge auf glatten oder nassen Straßen

Allrad: Nicht viel Grip auf glatten Straßen

Bei Eis, auf dem das Auto, wesentlich schwerer zum Rollen zu bringen ist, ist der Allrad zwar im Vorteil. Die Chance, dass eines der angetriebenen Räder doch noch auf eine halbwegs griffige Stelle trifft, ist doppelt so groß wie bei Front- oder Hecktrieblern. Ein Allrad fährt auch auf glatter Straße viel ruhiger. Trotzdem sind gerade auf Eis auch diesen Modellen Grenzen gesetzt. Wer Kurvenfahren und Bremsen auf Eis oder bei Aquaplaning selbst schon in der Praxis erlebt hat oder das bei einem Fahrtechnikkurs ausprobiert, wird in solchen brenzligen Situationen kaum einen Unterschied zwischen Vier- oder Zweirad-Antrieb merken. Es geht in beiden Fällen wie auf Schienen dahin und man ist nur noch Passagier. Der Situation angepasstes Tempo fahren, ist daher unumgänglich.

Ketten sind bei Fahrzeugen mit Allradantrieb bei Schneefahrbahn meist nicht nötig.

Sind trotz Allrad Ketten nötig/Pflicht?

Auch das mühselige Anlegen von Ketten bleibt einem mit einem Allradfahrzeug meist erspart. Bei Fahrten auf einer Alpenstraße wird man häufig am Straßenrand mit dem Hinweisschild "Kettenpflicht" ermahnt, doch in vielen Fällen prangt gleich noch ein weiteres mit der Aufschrift "Ausgenommen Allrad mit Winterreifen" darunter. Wer keines der vorgeschriebenen Kriterien erfüllt und trotzdem versucht den Berg mit seinem 2WD-Auto hinaufzukommen, muss mit einer
saftigen Strafe rechnen.

So funktioniert die 4x4-Technik bei Elektroautos

Bis vor wenigen Jahren war diese Antriebsform den Verbrennern vorbehalten. Da der Allradantrieb die Reichweite bei E-Autos vielfach minimiert, haben Autohersteller lange Zeit davon abgesehen und erst um das Jahr 2018 im größeren Stil begonnen, den- 4-Radantrieb in E-Autos zu verbauen. Allradantriebe von E-Autos können bei manchen Modellen auch nur gerade einmal 50 Prozent der Kraft auf die Hinterachse verteilen, wobei Drehzahlunterschiede zwischen den vorderen und hinteren Rädern notwendig sind, damit die Kupplungen schließen.
Der Elektroantrieb wirkt auch anders als die bei einem Verbrennungsmotor. Es ist jedoch kein aufwendiger Antriebsstrang mehr nötig. Die Technik für den Allrad bei E-Autos lässt sich vielmehr über die Anzahl der Motoren steuern. Statt nur ein Motor können zwei, drei oder gar vier zum Einsatz kommen, über die sich die Kraftverteilung gut steuern lässt.

Das Tesla Model 3 verfügt beispielsweise für Schneefahrten über einen Spezial-Modus zum Anfahren. Während der Fahrt schaltet die Elektronik um und regelt den Schlupf an den vier angetriebenen Rädern weg. Dadurch bleibt das Model 3 selbst auf Eis und Schnee stabil. Dafür hat das Fahrzeug in dieser Situation aber weniger Kraft. Der Allradantrieb kann auch abgeschaltet werden, was bei anderen Modellen oft nicht der Fall ist. Der Kia EV6 hat beispielsweise einen eigenen Snow-Modus, bei dem das Anrollen behutsamer erfolgt, kappt aber auch gleichzeitig die Kraft.

Warum trotz Allradantrieb gute Winterreifen nötig sind

Selbst ein Allrad-System hilft nur wenig, wenn das Auto mit schlechten Winterreifen oder gar mit Sommerreifen ausgestattet ist. Sonst kommt man mit dem Auto zwar den Berg hinauf, ist aber beim Bergabfahrten kaum zu bremsen. Denn bergab hat der Allradantrieb keinen Vorteil gegenüber einachsig angetriebenen Fahrzeugen, es kann sogar etwas gefährlicher sein. Das liegt an dem oft gröberen Reifenprofil der Offroader und auch am höheren Eigengewicht. Je schwerer ein Fahrzeug, umso schwerer lässt es sich bremsen.

Die Nachteile eines Allrad-Antriebs

- Der Antrieb kostet mehr. Wohl der größte Nachteil sind die höheren Kosten. Bei Premiummodellen sollte man im Schnitt mit gut 4.000 Euro mehr rechnen.
- Der Spritverbrauch ist höher. Im Schnitt muss man mit zehn bis zwanzig Prozent höheren Tankkosten rechnen. Denn der Antriebsstrang braucht mit seiner zusätzlichen Technik mehr Gewicht und nagt deshalb an der Leistung. Die gleichmäßige Verteilung der Antriebskraft auf alle Räder erfordert nämlich ein zusätzliches Getriebe, Antriebswellen und eine weitere Kupplung.
- Höherer Verschleiß der Bremsen. Das Fahrzeug ist schwerer als ein Front- oder Heckantrieb, es braucht deshalb auch mehr Kraft beim Bremsen.

Vorteile eines Allradantriebs auf normalen Straßen

Aber auch im normalen Straßenbetrieb bietet der Allradantrieb Vorteile: Allein das Anfahren gelingt besser und müheloser als beispielsweise bei so manchem Fronttriebler. Schließlich verteilt sich die Leistung auch dann auf vier Räder. Das schont Mechanik und Reifen und sorgt zudem für kraftvolles Vorwärtskommen.

Zwei Arten von Allrad-Systemen

Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Arten von Allrad. Am einfachsten ist die mechanisch zuschaltbare zweite Achse. Eine Lösung, die im Zeitalter der Elektronifizierung allerdings weiter im Aussterben begriffen ist und meist nur noch in großen Pick-Ups eingebaut wird. In Tests von Autozeitschriften schneiden diese jedoch meist am besten ab.

Fazit Allrad-Antrieb

Allrad-Antrieb ist zwar in der Anschaffung als auch im Betrieb teurer, ist aber bei Eis, Schnee und jenseits asphaltierter Straßen, dem Zweiradantrieb überlegen und schont damit die Nerven und das Blech. Vor allem wer häufig auf steilen oder nassen Bergstraßen unterwegs ist, erspart sich so unnötiges Risiko einzugehen. Und schon wenn es nur ein bisschen geschneit hat, kann ein kleinerer Hügel sonst leicht zum nervtötendem Verhängnis werden. Auch auf lockerem Untergrund, wie auf durchweichten Wald- oder Wiesenwegen, ist ein allradbetriebenes Auto die bessere Wahl.

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