Erneubares Gas: Energiewende ohne Tausch der Gasheizung

Die Regierung will ab 2040 klimaneutral sein und dafür das Heizen mit fossilem Gas verbieten. Statt die Gasheizung zu tauschen könnte man auch auf Biogas umsteigen.

Erneubares Gas: Energiewende ohne Tausch der Gasheizung

Ökogas ist für die Regierung derzeit kein Thema. Förderungen für Biogas sind daher nicht geplant, Innovationen und Investitionen laufen daher nur langsam an.

Viele, die mit Gas heizen, stellen sich schon auf ein teures Umrüstung auf ein alternatives Heizsystem etwa mit Pellets ein. Plant die österreichische Regierung doch das Land bis 2040 klimaneutral zu machen. Umweltschädliches Heizen mit Erdgas soll danach unter anderem nicht mehr erlaubt sein.

Heizungstausch teuer und aufwendig
Von dieser Maßnahme betroffen sind 900.000 Haushalte. Das entspricht 22 Prozent des Energieverbrauchs in Österreich (siehe Grafik). Ein Umstieg auf alternative Heizquelle wie Nah- oder Fernwärme, Biomasse oder Wärmepumpen wird für private Haushalte zwar seit Kurzem mit bis zu 5.000 Euro gefördert, kostspielig und zeitaufwendig ist ein solcher Tausch dennoch. Speziell Eigentümer von Mehrparteienhäusern trifft eine solche Umstellung hart, geht für viele eine solche Umstellung des Heizsystems doch mit einer umfangreichen Sanierung großer Häuser einher, die finanziell erst einmal gestemmt werden müssen.

Mehr als ein Viertel des österreichischen Energiebedarfs wird derzeit noch mit fossilem Gas gedeckt.

Tausch überflüssig
"Eine Gasheizung gegen eine alternative Heizquelle zu tauschen, ist nicht nötig", meint Michael Mock, Geschäftsführer des Verbandes der Fachverband der Gas- und Wärmeversorgungsunternehmungen (FGW). Es würde nämlich reichen, in die bestehenden Anlagen Biogas einzuspeisen. „Erneuerbares Gas hat zu 100 Prozent die gleiche chemische Zusammensetzung wie Erdgas“, so die Begründung des Gasexperten. Ebenso kann Wasserstoff in Gasheizung eingespeist werden, wenn das technisch auch ein komplexerer Vorgang ist und in bestehende Anlagen nicht zu 100 Prozent eingespeist werden kann. Von beiden alternativen Energiequellen können jedoch schon jetzt zehn Prozent des Brennstoffes problemlos in eine Gasheizanlage beigemischt werden.

Hersteller werben mit „Green Gas ready “
Wie Studien belegen, ist auch die Qualität des Gases mit jener des Erdgases vergleichbar. Mock: „Mit grünem Gas ist die Energiewende für Besitzer von Gasheizungen am einfachsten zu schaffen.“ Eine neue Heizung damit nicht nötig. „Die gängigen neuen Gasthermen sind sowohl für den Betrieb mit Erdgas als auch mit erneuerbarem Biomethan oder Wasserstoff ausgelegt.“ Geräte, die den sogenannten ÖVGW- Normen entsprechenden, dürfen seit Anfang des Vorjahres auch den Sticker „green-gas-ready“ tragen. Die Energiewende in Form von alternativem Gas soll laut Vertretern der Gaswirtschaft schrittweise stattfinden. Die eingespeisten Mengen an erneuerbaren Gasen und Wasserstoff wird langsam angehoben. „Kunden werden nicht einmal merken, wenn sie mit grünem Gas ihre Gasheizung betreiben oder Warmwasser aufbereiten“, sagt Michael Haselauer, Präsident von der Österreichischen Vereinigung für das Gas- und Wasserfach (ÖVGW).

Industrie könnte Gasheizungen mit Wasserstoff betreiben
Nicht nur die Heizanlagen von Wohnhäusern können mit Biogas ausgestattet werden. Gleiches ist auch für Anwendungen in der Industrie möglich. „Große Unternehmen wie die Voest dürften beim Betrieb ihrer Prozesse aber komplett auf die Einspeisung von Wasserstoff umsteigen“, prognostiziert Mock.


Biogas - die grüne Alternative

Daraus besteht Biogas
Die Grundstoffe für das dafür nötige Biomethan sind vielfältig und reichen vom Bioabfall über jenem von Holz bis zu tierischen Ausscheidungen und Klärschlamm. „Biogas kann aber auch vollkommen ohne die Verwendung von Pflanzen und Holz auskommen und ist zudem regional gut herstellbar“, so Mock vom Verband der Gasversorger.

Grünes Gas in bestehenden Leitungen
Wenn auch nicht der gesamte Bedarf durch heimisches Biogas gedeckt werden könnte. Für die Menge Gas, die sämtliche privaten Haushalte in Österreich benötigen, das sind je nach Witterung pro Jahr etwa 1,3 bis 1,5 Milliarden Kubikmeter Gas, könnte die Produktion von grünem Gas locker im Inland erzeugt werden, schätzt Mock. Um aber auch den Bedarf an erneuerbarem Gas für die Industrie zu decken, das wären um rund fünf Milliarden Kubikmeter mehr, wird jedoch deutlich mehr vom ökologisch einwandfreien Gas benötigt. „Dieses könnte jedoch problemlos über die bestehenden Gasleitungen in großen Mengen importiert werden“, so der Experte.

Wasserstoff aus Afrika für Gasheizungen in Europa?
Ähnlich ist die Situation in Deutschland. Dort lotet die Regierung bereits das Potenzial für den Import von Ökostrom, der in Wasserstoff oder Biogas umgewandelt werden soll und dann nach Europa transportiert wird, bereits aus. So könnte etwa in Westafrika Sonnenenergie für die Umwandlung in Wasserstoff erzeugt werden. „Damit könnte der Wasserstoffbedarf in Europa 100 Mal gedeckt werden“, so Mock.

Ein Projekt, dessen Umsetzung nach Schätzungen des Gasverbandes rund 20 Jahre in Anspruch nehmen dürfte. Dafür müsste man zunächst allerdings in den jeweiligen Ländern in die Infrastruktur für alternative Stromerzeugung investieren.

Verlustfreier, unterirdischer Transport
Einer der Vorteile von Speichergas: Es kann praktisch verlustfrei transportiert werden. „Beim Transport von Biomethan kommt es auch nicht wie beim Strom zu Streitigkeiten mit Umweltschützern gegen geplante 360 kV-Hochspannungsleitungen. Gas fließt unterirdisch“ wirbt Mock für das erneuerbare Gas.

Forschungsprojekt mit Austro-Beteiligung
Derzeit betreibt die RAG Austria, das größte Gasspeicherunternehmen Österreichs, gemeinsam mit nationalen und internationalen Partnern ein Wasserstoff-Projekt. Aus Sonne und Wind soll künftig in der Ukraine Wasserstoff hergestellt und für den saisonalen Bedarf in Österreich und Bayern gespeichert werden. „Dieses Infrastrukturprojekt ist nötig, um die Energieversorgung in Europa in Zukunft zu sichern“, sagt Markus Mitteregger, CEO der RAG Austria AG. Von dort aus kann das grüne Gas durch die bestehenden Gaspipelines nach Österreich fließen.


Diese Versorger bieten Biogas

Schon jetzt können umweltbewusste Kunden grünes Gas in ihr Gasheizsystem einspeisen lassen. Eine Reihe von Gasversorgern bietet bereits entsprechende Biogas-Tarife, dazu zählen die EVN, Wien Energie, Energie Steiermark, die Energie AG Oberösterreich, easy green energy, Linz Gas und die oekostrom AG. Wenn die Biogasproduktion sich in Österreich derzeit auch noch in Grenzen hält. Laut österreichischem Kompost & Biogas Verband, dieser vertritt alle Biogasanlagenbetreiber, sind derzeit etwa 300 Biogasanlagen in Betrieb. Die meisten befinden sich in Nieder- und Oberösterreich und der Steiermark. Hier gibt es eine Liste der Biogasanlagen die derzeit in Österreich ins Gasnetz einspeisen:


Förderung und Abnahmegarantien als Anreiz gefordert
Um den Absatz von Biogas in Gang zu bringen und bis 2024 klimaneutral zu werden,„brauchen wir nicht nur eine Strom-, sondern auch eine Gaswende“, so Peter Weinelt, Obmann des Fachverbands Gas Wärme (FGW). Die heimische Gaswirtschaft sei bereit, sofort mit der Umstellung der Gasversorgung zu beginnen. „Was wir jetzt brauchen, sind Anreize zur Förderung von grünem Gas. Technologieverbote dagegen bremsen Innovationen.“ Vielleicht gibt es dann nicht nur ein Ökostromgesetz, sondern auch ein Ökogasgesetz. Doch ein solches ist derzeit nicht absehbar und damit wohl ebenso wenig, ob sich das alternative Gas tatsächlich großflächig durchsetzen kann.

Take Aways
  • Gasheizung: Erdgas kann durch Biomethan und Wasserstoff ersetzt werden, erneuerbares Gas hat die gleiche chemische Zusammensetzung wie Erdgas.
  • Für die Erzeugung von grünem Gas wird Bioabfall, tierischer Abfall, Klärschlamm oder Holzabfall benötigt.
  • Alte Geräte müssten nicht ersetzt werden, Ökogas kann in den bestehenden Leitungen transportiert werden.
  • Ein großflächiger Einsatz erfordert allerdings den Aufbau einer Infrastruktur.

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