Web3: Reale Geschäftschancen in virtuellen Welten

Mit dem Web3 und den Metaverses wird derzeit ein Innovationssprung im Internet eingeleitet. Experten sehen große Chancen und mahnen, die Entwicklung nicht zu verschlafen.

Thema: Executive Education
Web3 und Metaverse: Reale Geschäfte in virtuellen Welten

Web3 und Metaverse: Reale Geschäfte in virtuellen Welten

Web3? Was ist das? Sollen, ja müssen wir hier dabei sein oder ist es bloß ein neuer Hype, der bald wieder vergessen ist?

Die Antwort darauf scheint klar. Denn obwohl es noch keine endgültige Definition des Next-Generation-Internet gibt und noch viele Fragen offen sind steht fest: Das Web3 eröffnet eine völlig neue Ebene der Vernetzung und der Interaktion im virtuellen und digitalen Raum – und damit auch des digitalen Wirtschaftens. Mit neuen Chancen, aber auch neuen Risiken für Unternehmen.

Und es ist entscheidend, dass sich Unternehmen und Führungskräfte rechtzeitig mit den Möglichkeiten des neuen Internets auseinandersetzen. „Web3 hat so wie seinerzeit E-Mail und später Social Media das Potential, unsere Wirtschaftswelt zu revolutionieren – mit neuen Kundenerlebnissen, virtuellen Marktplätzen und neuartigen Business-Modellen. Darauf müssen Unternehmen und vor allem auch Führungskräfte entsprechend vorbereitet sein“, sagt Barbara Stöttinger, Dekanin der WU Executive Academy, wo Führungskräfte im neuen Online-Lehrgang „Web3 und Metaverse“ nun an das neue Internet und dessen Möglichkeiten herangeführt werden. Gemeinsam mit den Gastlektoren, der Rechtsanwältin Tullia Veronesi von Schoenherr Attorneys at Law und Heinz Popovic, CEO von WINWEST, wird Giesswein kompakt und übersichtlich über die unternehmerischen Chancen und rechtlichen Rahmenbedingungen des Web3 informieren.

„Mit dem Workshop wollen wir die Führungskräfte auf die Vorteile, Risken und Wirkmechanismen des Web3 vorbereiten. Ihnen konkrete Anwendungsmöglichkeiten in ihren Unternehmen aufzeigen und dabei auch rechtliche und unternehmerische Rahmenbedingungen beleuchten", erklärt der Digitalökonom Martin Giesswein, Entwickler des Programms. So können die Entscheider herausfinden, ob und wie sie sich engagieren sollen.“


Vom Web 1.0 zum Web3

Um zu verstehen, welche Vorteile das Web3 bringt und welche Chancen es für Unternehmen eröffnet, muss man einen Blick zurück in die Geschichte des Internets werfen.

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Web 1.0

Von Beginn der 1990er Jahre an wurde die ursprünglich im US-Militär begründete Technologie des World Wide Web der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. In der Internet-Steinzeit wurden Websites noch statisch und zentral von Unternehmen angelegt und befüllt und konnten von den Besuchern lediglich durchsucht und gelesen werden.

E-Mails und Formulare waren die einzigen Möglichkeiten der Interaktion in dem noch jungen Medium, in dem es dann mit Netscape als Browser und AltaVista als Suchmaschine erste Unternehmen gab, die einen breiteren Bekanntheits- und Benutzergrad erreichten.

Web 2.0

Ab etwa 2005 hat sich das World Wide Web durch eCommerce- und Social-Media-Plattformen massiv zu verändern begonnen. Das Web 2.0, das bis heute state-of-the-art ist, entstand. Neu war User-generated-Content. Bilder, Musik, Videos Apps, befeuerten das zweite Internet. Die Plattform-Ökonomie etablierte sich: Unternehmen traten als Vermittler auf, Kundendaten wurden zur neuen Währung.

Daraus entstanden Oligopole aus wenigen globalen Tech-Giganten im Bereich Werbung und Suchmaschinen (Google), Social Media (Facebook/Instagram, LinkedIn, Twitter), Apps (Google Play Store, Apple App Store) und Entertainment (Netflix, YouTube, Spotify). Wegen fortschreitender Konzern-Übernahmen (z.B. Facebook übernahm Instagram und WhatsApp, Microsoft kaufte LinkedIn) wird die Wirtschaftsmacht auf immer weniger Konzerne reduziert.

Mehr als die Hälfte aller weltweiten Webseitenzugriffe erfolgt im heutigen Netz über mobiles Internet via Smartphones. Und das mobile Internet wird ebenfalls von zwei großen Playern und deren Betriebssystemen dominiert. Apples iOS mit einem Anteil von rund 25% und Googles Android mit einem Anteil von rund 70%.

Web3

Der Begriff Web3 ist ein nicht eindeutig definierter Sammelbegriff für Technologien wie 3D-Spieleumgebungen, smarten Brillen, Künstlicher Intelligenz, Gestik- und Sprachsteuerung, digitalen Zwillingen sowie neuen Organisationsformen (Dezentralized Autonomous Organizations) und Web3 Geschäftsmodellen.

Eine wesentliche Rolle im Web3 spielt die vielen Anwendungen zugrundeliegende Blockchain-Technologie. Die Blockchain funktioniert wie eine öffentliche, dezentrale Datenbank, die Nutzer-Transaktionen in chronologischer Reihenfolge transparent erfasst und in Datenblöcken („Block“) kettenartig („Chain“) aneinanderreiht und dabei verschlüsselt. Giesswein: "So können Informationen und digitale Wertschöpfung zwischen Usern ohne Zwischenperson transferiert werden."

Metaverse: Immersiv in 3D

Als Unterkategorie des Web3 können die sogenannten Metaversen gesehen werden. Die Virtual Reality eröffnen eine eigene, virtuelle 3D-Welt, in der die User ihre Avatare durchnavigieren und Dienstleistungen, Konsumgüter und Erlebnisse konsumieren können.

Das von Facebook – nunmehr Meta – gegründete Metaverse namens „Horizon Worlds“ bietet den Usern – wie etwa bei Minecraft - die Möglichkeit, eigene Welten zu bauen, Konzerte zu besuchen und gemeinsam für reale Projekte zu arbeiten. „Das Beratungsunternehmen PWC lädt Kandidaten ein, den Recruiting- und Assessmentprozess als Avatare zu bestreiten. Neben den Kostenersparnissen geht es auch darum, die Attraktivität als Arbeitgeber bei digitalaffinen Zielgruppen zu steigern“, sagt der Digitalökonom. Viele große Unternehmen haben bereits Schritte gesetzt um als Marke im Web3 präsent und auffindbar zu sein und erzielen erste Web3-Umsätze.


Metaversen als Marktplätze für Branchen

Finanzbranche

Mit den Kryptowährungen wie Ethereum oder Bitcoin entstand ein alternatives Finanzsystem, dass ohne Banken und Staat auskommt. Der Crash der Kryptobörse FTX hat den Kryptowährungen einen gehörigen Dämpfer verpasst. Doch die Entwicklung geht weiter.

Die ambitionierten Projekte arbeiten an einem geringeren Stromverbrauch der Blockchains (Proof of Stake). Risikokapitalgeber haben – angeführt vom Venture Capital Unternehmen Andreessen Horowitz – zudem das Web3 selbst als spannendes Betätigungsfeld als Investoren entdeckt und im Jahr 2021 rund bereits 30 Milliarden US-Dollar in Krypto- und Blockchainfirmen investiert.

Kunst & Kultur

Kunstwerke, Konzerttickets oder digitale Kleidungsstücke für Avatare sind digitale Güter – also mehr oder weniger Kopien analoger Produkte in der virtuellen Welt – kurz „NFT“ (non-fungible Tokens): digitale Kunst kann als NFT auf virtuellen Auktionen gehandelt bzw. ersteigert werden. Ein Beispiel ist die Cartoon-Sammlung „Bored Ape Yacht Club“, die Bildchen werden zurzeit mit einem durchschnittlichen Preis von jeweils 130.000 gehandelt. Der größte NFT-Marktplatz, auf dem digitale Güter gehandelt werden, ist derzeit OpenSea, der potentiell wohl größte Web3-Konkurrent von Amazon.

Immobilienbranche

In den Metaversen werden auch digitale Grundstücke in virtuellen Welten verkauft: sie existieren nicht real, ihre Kosten aber schon. Im Decentraland etwa kann man mit der Kryptowährung Mana digitale Grundstücksparzellen kaufen – die in begehrten Lagen schon mal umgerechnet 200.000 Euro kosten können. Metaversen ziehen also auch hier reale Investoren und Spekulanten an.

Entertainment- & Konsumbranche

Das Metaverse zielt auf Virtual Reality Erlebnisse und Begegnungen bzw. soziale Interaktionen ab, gleichzeitig sind auch Product- und Brand-Placement für Marken sehr interessant. Immer mehr globale Marken zieht es in die virtuelle Welten auf Kundenfang: Nike stattet die Avatare der User im Nikeland auf der Spieleplattform Roblox aus, die Luxusmarke Gucci gestaltete ebendort eine virtuelle Gartenausstellung und verkaufte eine limitierte Edition an digitalen Produkten – die von Usern sogar deutlich teurer weiterverkauft wurden als sie im echten Leben wert waren. Die Sportmarke Adidas verkaufte auf dem größten Online-Marktplatz für NFT digitale Kleidungsstücke für Avatare im Metaverse.


Ein Blick in die digitale Zukunft

„Wir erleben ein Einsickern der Web3 Technologien in unseren Alltag – das ist der Zeitpunkt wo alle, insbesondere aber die B2C Firmen, sich mit den Möglichkeiten der zukünftigen Userinteraktionen auseinandersetzen sollten“, betont Martin Giesswein. Er schätzt, dass sich das Surfen im bisher üblichen World Wide Web via Smartphone und Bildschirm dem Ende zuneigt: „Wir werden uns in den nächsten fünf bis zehn Jahren im virtuellen oder augmentierten realen Raum bewegen - so wie wir heute nicht ohne Mobiltelefon aus dem Haus gehen.“

Bis 2030 sollen in Metaversen laut Einschätzung des Beratungsunternehmens McKinsey rund fünf Billionen US-Dollar an Wertschöpfung generiert werden. Auch neue Arten von Jobs gibt es dort. „Die Betreiber bauen kleine Volkswirtschaften“, sagt Barbara Stöttinger: „Man kann in Computerspielen Geld verdienen (Play-to-earn Modell), wenn man virtuelle Tiere aufzieht oder andere Spieler trainiert. Auch wenn vielen von uns diese Anwendung seltsam erscheint, folgt sie dennoch klassischen Wirtschaftsdynamiken - und sie wächst.“

Web3-interessierten Führungskräften rät Giesswein: „Einfach ausprobieren. Legen Sie sich ein Kryptowallet an, borgen Sie sich eine virtuelle Brille aus oder testen Sie ein Recruiting mit virtuellem Onboarding. Erst wenn man im Kleinen hineinschnuppert, kann man fürs Unternehmen eine fundierte Entscheidung treffen.“

Und Stöttinger warnt vor einem Fehler, der schon einmal passiert ist: „Die damalige Geschwindigkeit der Verbreitung des Web 2.0 hat viele, insbesondere in Europa überrascht. Wir sollten nicht in fünf Jahren erneut bereuen, auch die Chancen des Web3 verschlafen zu haben.“

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