Bonitätsprüfung: So können Ratings verbessert werden

Ratings oder Bewertungen sind entscheidend dafür, ob und zu welchen Konditionen Unternehmen und Privatpersonen Kredite bekommen. Eine Bonitätsüberprüfung ist dafür Voraussetzung. Wie ein Rating aktiv beeinflusst und optimiert werden kann.

Thema: Bonität
Bonitätsprüfung: So können Ratings verbessert werden

ARTIKEL-INHALTSVERZEICHNIS


Was bedeutet das Rating?

Unternehmen, Kunden und Geschäftspartner zu bewerten und ihre Bonität, ihre Kreditwürdigkeit und das Kreditausfallsrisiko richtig und vorausschauend einzuschätzen ist im Geschäftsleben essenziell - egal, ob es sich bei den bewerteten Unternehmen um ein neu gegründetes, kleines Start-up oder um einen seit vielen Jahren bestehenden, multinational operierenden, börsennotierten Konzern handelt.

Banken, Ratingagenturen aber auch Gläubigerschutzverbände erstellen daher laufend Ratings - Bonitätsbewertungen - um die wirtschaftliche Situation von Unternehmen und Privatpersonen einzuordnen. Und das Resultat dieser Bewertungen hat wiederum einen direkten Einfluss auf die wirtschaftliche Tätigkeit. Das Rating beeinflusst nämlich, ob und zu welchen Konditionen ein Unternehmen bei einer Bank Geld bekommt. Ein Rating bestimmt also nicht nur die Kreditwürdigkeit, sondern auch die Rahmenbedingungen bei Zusicherung einer Finanzierung. Je besser die Einstufung ist, desto weniger Zinsen müssen Kreditnehmer zahlen.

Das ist keine Kleinigkeit, denn Bankkredite sind für Unternehmen immer noch die mit Abstand wichtigsten Finanzierungsformen, und bei größeren Kreditsummen können einige Zehntelprozent Zinsaufschlag einen gehörigen Unterschied machen.

Auch Privatpersonen müssen bei Kreditansuchen eine Bonitätsprüfung über sich ergehen lassen. Die im Zuge dieser Prüfung ermittelten Werte zur Kreditwürdigkeit geben in der Folge den Ausschlag für die Vergabe der Kredite und die dafür fälligen laufenden Zinsen.

Ratings von Privatpersonen

Wo Ratings im Alltag die größte Rolle spielen

  • Bankkredit - Kreditaufnahme für Haus-/Wohnungskauf
  • Autokauf - Leasing oder Autokredit
  • Kauf bzw. Leasing von Hard- und Software inklusive hochpreisigen Mobiltelefonen
  • Kauf oder Teilzahlungskredit von Unterhaltungselektronik
  • Reise-Buchungen (Flüge, Pauschalreisen, Hotels)
  • Online-Kauf (bei Kauf auf Rechnung)


Hard Facts der Ratings

Wenn es um Kreditvergaben, Ausdehnung von Kreditlinien oder Investitionen für den Aus- und Umbau oder Modernisierung geht, dann wird die Bewertung und das Rating stets neu erhoben. "Eine objektive und transparente Bonitätsprüfung sorgt für sichere Geschäfte und hält damit den Wirtschaftskreislauf am Leben“, betont Gerhard Wagner, Geschäftsführer KSV1870 Information GmbH.

Einer der Hintergründe ist, dass Kreditvergaben aufgrund der Basel II Kreditrichtlinien entsprechend abgesichert werden müssen. Seit 2007 sind Banken EU-weit verpflichtet, für jeden vergebenen Kredit einen Eigenkapitalanteil zu hinterlegen. Die Höhe dieses Eigenkapitalanteils hängt entscheidend von der Rating-Einstufung der Kreditnehmer ab.

Die Basis dafür sind die Hard Facts. Bilanzen, Jahresabschlüsse, die Eigenkapitalquote, die Umsatz- und Gewinnentwicklung, die Kostenstruktur oder die Rentabilität. Unternehmen sollten diese Key Performance Indicators (KPIs) jederzeit präsentieren können. Was sich nach einem Schlagwort für Analysen börsennotierter Companies liest, ist in der Praxis jedoch keine Hexerei. Die wichtigsten Finanzkennzahlen sind mithilfe von IT-Werkzeugen heute schneller und komfortabler abrufbar als je zuvor. Und oft fordern Banken von Unternehmern kaum mehr, als diese Finanzkennzahlen strukturiert vorlegen zu können.

Wichtige Hard Facts

  • 1. Die Bilanzdaten. Eigenkapital, Anlagevermögen, Vorräte, Forderungen, die Höhe der Liquidität sowie Rückstellungen und Verbindlichkeiten. Sie geben einen ersten Überblick zum Unternehmen.
  • 2. Die Gewinn- und Verlustrechnung. Sie zeigt auf, ob die Erwirtschaftung ausreichender finanzieller Mittel für eine zeitgerechte Kreditrückführung aktuell und zukünftig absehbar ist.
  • 3. Branchenvergleiche. Die Marktsituation der Branche und der erwarteten zukünftigen Entwicklung wird beleuchtet. Und die Position des Unternehmens in diesem Branchen-Universum. Es werden auch Branchen-Ratings erstellt, die Unternehmen je nach der Branche in der sie tätig sind ein höheres oder ein geringeres Kreditausfallsrisiko zuweisen. Der Kreditschutzverband KSV1870 bietet dafür etwa ein „BilanzBranchenRating“ an.

Die Hard Facts können - so eindeutig und aussagekräftig sie auch sind - jedoch von Unternehmen mit noch zusätzlichen Informationen unterlegt werden, die bei sich bei einer Bonitätsprüfung positiv auf das Rating auswirken. Der differenzierte und realistische Blick auf die eigene Finanzgebarung wird von Banken goutiert. Unternehmen können ihr Rating etwa mit einem guten Controlling, und einem straffen Forderungsmanagement entschieden verbessern.

7 Punkte zur Verbesserung der „Hard Facts“

  1. Sorgsame Produkt- und Auftragskalkulation
  2. Zeitnahe Fakturierung
  3. Klare Spielregeln bei Kunden-Kreditlimits
  4. Straffes Mahnwesen: Inkasso, Mahnungen, Exekutionen
  5. Vereinbarung von An- oder Teilzahlungen
  6. Abfrage von Bonitätsauskünften über Auskunfteien (z.B. AKV Europa, KSV1870)
  7. Kritischer Blick auf die Zusammensetzung der Unternehmensfinanzierung, Haftungen, Bürgschaften und Verbindlichkeiten


Soft Facts bei Ratings

Neben den Hard Facts spielen auch „Soft Facts“ eine wesentliche Rolle, um das Rating zu optimieren. Wer zum Beispiel einer Bank über Jahrzehnte als vertrauenswürdiger, zuverlässiger Kunde und Geschäftspartner bekannt ist und auch regelmäßig Kontakt mit der Bank hält, der kann mit einem besseren Rating rechnen als ein neuer, unbekannter Kunde, der mit einer Kreditanfrage an eine Bank herantritt.

Entscheidend sind vor allem auch die handelnden Person des Unternehmens, der Manager und Unternehmer selbst. Die Unternehmen werden daher auch „abgescannt“ und die leitenden Personen nach einem Grobraster beurteilt:

  • Fach- und Branchenwissen: Ist das Management in der Lage, das Unternehmen erfolgreich zu führen?
  • Chancen und Risiken: Werden die Marktentwicklungen und die Konkurrenz realistisch beachtet?
  • Die Leistungsfähigkeit des Unternehmens
  • Die Veränderungsfähigkeit und Veränderungswilligkeit
  • Das Vertrauen

Fazit. Die sprichwörtliche „Hemdsärmeligkeit“ der Unternehmer kommt bei Banken zwar immer noch gut an. Allerdings stehen die Geldgeber auch darauf, dass der innovative Unternehmer auch mit einer gewissen Struktur seine Ziele auf Papier bringt und Führungsinstrumente im Griff hat.


Die Tücken schlechter Ratings

Wer einmal ein schlechtes Rating bekommen hat, bekommt dieses Makel nur schwer wieder los. Die Daten werden zwischen drei und sieben Jahre gespeichert.

Dabei geht es um Daten, die infolge eines Privatkonkurses, gerichtlichem Mahnverfahren, Schlagendwerden einer Bürgschaft, Insolvenz, Sanierung oder Konkurs bzw. laufendes oder gerade abgeschlossenes Konkursverfahren erhoben wurden.

Auch wer verspätet eine Rechnung etwa bei einem Mobilfunkunternehmen zahlt, landet in den Datenbanken der Kreditschützer. Wenn man etwa mehrere Wochen lang auf eine Mahnung einer Rechnung nicht reagiert oder eine offene Forderung unbegründet ignoriert, kann es zu einem Eintrag bei den Kreditauskunfteien kommen. Bis derartige berechtigte Einträge aus den Datenbanken der Gläubigerschützer wieder gelöscht werden, kann es hingegen länger dauern. Grund dafür ist, dass Zahlungsanstände ein wesentliches Kriterium in der objektiven Bewertung durch Kreditauskunfteien darstellen.

„Nach drei Jahren werden Einträge von erledigten Zahlungsanständen automatisch gelöscht“, sagt KSV1870-Bonitätsexperte Günther Fasching. Insolvenzinformationen werden hingegen erst fünf bis sieben Jahre nach der wirtschaftlichen Erledigung automatisch gelöscht.

Was kann man dagegen ungerechtfertigte Einträge tun?

  • Selbstauskunft verlangen. (DSGVO Ar.t 15): Es besteht der Anspruch auf vollständige Auskunft, welche Daten über einen gespeichert sind.
  • Datenrichtigstellung fordern. Stimmen die Daten nicht, muss eine Richtigstellung verlangt werden. Der Betroffene hat das Recht auf Berichtigung. Allerdings liegt die Beweispflicht auch beim Betroffenen.



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