Vortrag ohne Folien: Warum Sie auf PowerPoint verzichten sollten

Vortrag ohne Folien: Warum Sie auf PowerPoint verzichten sollten

Flipchart statt Folien: Menschen überzeugen, nicht Technik.

PowerPoint, Keynote, Prezi und Co – Matthias Pöhm lässt kaum ein gutes Haar an Präsentations-Softwarelösungen. Der Rhetorik-Trainer behauptet, PowerPoint hilft nicht, sondern hindert bei der Kommunikation mit dem Publikum. 3 Tipps vom Profi, für einen starken Auftritt ohne Folien und Beamer.

Meeting im Besprechungszimmer. Das Licht geht aus, der Beamer an. In den folgenden 20 Minuten arbeitet sich der Vortragende an unzähligen Folien ab, prall gefüllt mit Schlagworten, Grafiken und Bulletpoints. Zweidrittel der Zuhörer schaltet schon nach den ersten Minuten ab und widmet sich eigenen Mails und Chats am Smartphone.

„In 95 von 100 Fällen ist PowerPoint für eine Präsentation nicht angebracht“, sagt der selbsternannte Rhetorik-Guru Matthias Pöhm und er ist nicht der Einzige, dem viel zu lange, überladene PowerPoint-Präsentationen auf die Nerven gehen. Gibt es auch zahlreiche Tipps, wie man Folien verschlankt und ausmistet, so geht Pöhm noch weiter und rät allen Vortragenden zur freien Rede oder zu einer Präsentation mit einem Flipchart, denn die Folien-Flut hilft nicht beim Präsentieren, sie hindert sogar.

Seit den 1990ern ist Powerpoint quasi Standard bei allen Präsentationen. Kein Vortrag mehr ohne Folien, die abgespeichert, verschickt, ausgedruckt und verteilt werden, um anschließend meist in einer Schublade vergessen zu werden. Vortragende, die nicht wie Steve Jobs frei von der Leber weg reden können, sehen in den Folien und der Fernbedienung ihren Rettungsanker für die Präsentation vor Menschen.

PowerPoint verhindert Wirkung

Information braucht Aufmerksamkeit, keine Frage. Eine PowerPoint-Präsentation unterstützt den Redner aber nicht, sie konkurriert mit ihm um die Aufmerksamkeit der Zuhörer. Bis auf wenige Ausnahmen weiß der Rhetorikcoach Pöhm aus Erfahrung, dass ein starker Auftritt besser ohne technische Hilfsmittel hingelegt werden kann. "Wenn Sie sich nicht bewegen, können Sie Ihr Publikum nicht bewegen", sagt Pöhm. Wer abseits der Bühne steht und lediglich den Zeigefinger auf der Maus bewegt, wird nur schwer überzeugen können. Denn so ausgefeilt Technik und Software sind, es wird immer der Mensch sein, der Eindruck hinterlässt und überzeugt.

Klassische PowerPoint-Fehler komödiantisch aufgedeckt.

Diese Fehler killen jede Präsentation

  • "Lesen ist Arbeit": Wer Handouts vor der Präsentation verteilt verliert die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer. Texte von Folien abzulesen nennt Pöhm "betreutes Lesen" - für das Publikum langweilig und ein Präsentationskiller.
  • "Je nackter, desto höher die Wirkung": Es gilt die Zwei-Sekunden-Regel. Zeigen Sie Ihre Folie jemandem, der von dem Thema keine Ahnung hat zwei Sekunden lang. Kann der Inhalt der Folie nicht wiedergegeben werden, taugt sie nichts. Für die Präsentation von Fotos ist PowerPoint durchaus angebracht. Steve Jobs hat es vorgemacht, es gilt: Kein Beschriftung, keine Quelle, kein Logo und flächendeckend projizieren.
  • "In der Entstehung liegt die Kraft, nicht im Ergebnis": Komplexe Grafiken überfordern das Publikum. Reduzieren Sie Ihre Aussage auf den Kern und zeichnen Sie simple Balken- oder Tortendiagramme selbst, übersichtlich auf ein Flipchart. Wenn Sie selbst bei der Präsentation zeichnen, nehmen Sie Ihre Zuhörer mit und das Ergebnis entsteht gemeinsam im Raum.

Was spannend ist, Interesse erzeugt und die Leute am Ball bleiben lässt ist erlaubt, alles andere erfüllt schlicht den Zweck einer Präsentation nicht. „Ich will nicht Recht haben, ich will immer nur das beste Ergebnis“, sagt Pöhm. Der Trainer ist kein Dogmatiker, der PowerPoint abschaffen will, lediglich der Zwang und der Rechtfertigungsdruck, wenn man Alternativen benutzt, sollen fallen. Auf der ganzen Welt werden in Unternehmen täglich Milliarden von langweiligen Präsentationen abgehalten, nach wie vor mit der Nummer eins unter den Präsentationssoftware PowerPoint. Pöhm wagt die These, dass Präsentationen, bei denen die Teilnehmer Ihre Anwesenheit im Nachhinein als nutzlos erachten, der weltweiten Volkswirtschaft ein Schaden von monatlich 350 Milliarden Euro entsteht. Der Vortragsexperte gibt zu denken, dass maximal sieben Prozent nach einer langen, faden Präsentation den Zuhörern in Erinnerung bleiben.

Rhetorische Irrtümer

Den Spruch "Ein Bild sagt mehr als tausend Worte" hält Pöhm für einen Mythos. Sprachliche Bilder überzeugen mehr als echte Fotos. Wer mit Worten ein Bild beschreibt und eine Geschichte erzählt, dessen Aussage wird stärker in Erinnerung bleiben, als ein Foto auf der Leinwand. Das No-Go vorzutragen und gleichzeitig den Zuhörern Text zum Lesen zu geben, gründet in einem weiteren Rhetorik-Irrtum, möglichst viele Sinne anzusprechen. Wer zuhört und gleichzeitig liest kann sich jedoch den Inhalt keineswegs besser merken, noch steigert dies die Wirkung der Botschaft. Durch Text auf Folien wird die Aussage vernichtet, das gilt auch für Bulletpoints und Zitate.

Frei Sprechen kann man lernen und wer wichtige Dinge veranschaulichen will, kann auf Flipchart und Filzstift zurückgreifen. Wer Folien zur Erinnerung braucht, kann diese ausdrucken und griffbereit halten. Wer nach der Präsentation die Inhalte verschicken will, kann ebenso auf PowerPoint zurückgreifen. Bei einem Publikum bis zu 200 Personen ist ein Vortrag mit Flipchart kein Problem. Nimmt der Vortrag größere Dimensionen an, empfiehlt Pöhm die Projektion des Vortragenden mit Kamera und Beamer: "die Person wirkt mächtig bis in die letzte Reihe und viel stärker als leblose Folien", weiß Pöhm.

3 Tipps für einen starken Auftritt

Wer als Meinungsführer wahrgenommen werden will, sollte auf folgende drei Punkte achten:

  • Mut zu Pausen: Schweigen auf der Bühne gibt Aussagen die nötige Bedeutung. Pöhm empfiehlt vor und nach wichtigen Botschaften eine kurze Pause einzulegen, damit das Gesagte ankommen kann. Bei schnellem und pausenlosem Reden kommen Aussagen beim Publikum nicht an.
  • Stabile Körpersprache: Nervöses Blinzeln und unruhige Hände machen auch das Publikum nervös und Ihre Aussagen verlieren an Aufmerksamkeit. Eine stabile Körperhaltung und ein starker Blick verleihen Ihrem Auftritt und dem gesagten Inhalt Kraft. Mit Gesten sparsam und bewusst umgehen. Bei Aufzählungen und wichtigen Aussagen können Sie stehende Gesten gezielt zur Akzentuierung einsetzen.
  • Mythos Mimik: Hochgezogene Augenbrauen, erstaunter Blick und aufgesetztes Lächeln schaden Ihrer Glaubwürdigkeit und wirken unnatürlich.

Der selbsternannte Rhetorik-Guru Matthias Pöhm gründete 2011 die Anti-Power-Point Partei (APPP) in der Schweiz. Auch wenn mehr Marketing-Gag als Politikum, kämpft die Partei dafür, dass Mitarbeitern die Benutzung von PowerPoint nicht mehr vorgeschrieben werden kann und Schüler zur Verwendung von PowerPoint nicht gezwungen werden. Bei den Wahlen in der Schweiz 2015 stimmten 4359 Personen für das Parteiprogramm.

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