Selbstständigkeit als Hauptursache für Privatkonkurse

Selbstständigkeit als Hauptursache für Privatkonkurse

Privatkonkurs: Wenn der Traum von der Selbstständigkeit zum Alptraum wird.

Selbstständige sind mit großem Abstand am meisten gefährdet für einen Privatkonkurs. Unternehmer haben außerdem im Fall einer Pleite weit höhere Schulden angehäuft als Personen, die sich mit Konsumentenkrediten überschuldet haben. Die sechs Hauptursachen für Privatkonkurse.

Ehemalige Unternehmer, die mit ihrem Unternehmen pleite gegangen sind, haben bedeutend höhere Schulden angehäuft als angestellte Privatpersonen. Einfacher Grund: Die unternehmerischen Verbindlichkeiten wie Umsatzsteuer, Abgaben an die Sozialversicherungsanstalt oder Gebietskrankenkassen, sind zum Teil geradezu "in den Himmel gewachsen", wie der KSV mitteilt.

Im abgelaufenen Jahr 2018 haben 10.054 Personen Privatkonkurs angemeldet, was einer Steigerung von 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet. 2017 waren es nur 6.921 Menschen, die ihre Schulden nicht mehr zahlen konnten (siehe Grafik, unten) .

Fast ein Drittel der Privatkonkurse entfielen im Jahr 2018 auf ehemalige Unternehmer (32 Prozent). Jede fünfte Insolvenz war auf private Gründe zurückzuführen (19,9 Prozent) und somit der zweithäufigste Grund für den Privatkonkurs. Die Schuldner überschätzen hier häufig ihre finanzielle Leistungsfähigkeit, schlechter Umgang mit Geld sowie Spekulation und "verantwortungslose Lebensführung" zählen hier ebenso zu den Hauptursachen.

Jeder neunte dieser Gruppe verspricht sich mit Umschuldungskrediten die finanziell angespannte Lage zu lösen, was aber die Einnahmen-/Ausgabensituation nicht verändert. „Umschuldungskredite schaffen nur kurzfristig und nur scheinbar Normalität, denn das Ausgabenverhalten wird so nicht verändert und der Finanzcrash wird damit letztlich unvermeidbar“, analysiert Hans-Georg Kantner, Leiter der Insolvenz. Tendenziell finden sich in diesem Bereich Schuldner mit eher niedrigem Einkommen.

Job weg, Frau weg, Geld weg

Die dritthäufigste Ursache sind Einkommenseinbußen (18,4 Prozent). Vor allem verursacht durch Arbeitslosigkeit können laufende Zahlungen, wie etwa Kreditverbindlichkeiten für Wohnraum, nicht mehr begleichen können. Mit diesem Bereich verknüpft ist auch die „Reduktion des Einkommens“, der oftmals prekär beschäftige Personen trifft.

„Persönliche Probleme“ rangierten auf dem vierten Platz der Hauptursachen für den Privatkonkurs. Dazu zählt nicht selten Suchtverhalten, wie Glücksspiel, Drogen- und Medikamentenkonsum. Dies führt einerseits zu schuldenfinanzierten Ausgaben, aber gleichzeitig tendiert auch auch die eigene Leistungsfähigkeit gegen Null (12,9 Prozent). Die Betroffenen in diesem Bereich haben laut Kreditschutzverband dennoch "eine sehr hohe Bereitschaft", ihre finanziellen Probleme zu regeln.

Auf Rang fünf der Pleiteursachen rangieren die Lebenskrisen (11 Prozent). Schicksalsschläge - wie etwa Scheidung, Unfall oder Krankheiten - werden dabei als Hauptgründe genannt, die zur Überschuldung führten. Auf Rang sechs folgen die Lasten der Familie (6 Prozent). Konkret geht es dabei um Haftungsübernahmen von Angehörigen, Unterhaltspflichten sowie Pflege von Angehörigen, Schwangerschaft aber auch Karenz, die eine Überschuldung zur Folge hat.

Die Entschuldung der Unternehmer

Eine Entschuldung insolventer Unternehmer war in den vergangenen schwierig bis fast unmöglich. Vor allem die hohen Schulden waren laut KSV kein Billigkeitsgrund für das Unterschreiten der 10-Prozent-Mindestquote.

„Viele der ehemaligen Unternehmer waren in einer Situation gefangen, in der es weder ein Vor noch Zurück gab. In der Regel haften sie mit ihrem Privatvermögen. Durch die Entschuldung wird ihnen beruflich wie privat ein Neustart ermöglicht“, sagt KSV1870 CEO Ricardo-José Vybiral

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