Hohe Inflation erhöht das Risiko für Privatkonkurse

Der Kreditschutzverband KSV1870 befürchtet angesichts der hohen Inflationsraten einen deutlichen Anstieg bei den Privatkonkursen. Im Sinne der Schuldner als auch der Gläubiger sei eine deutliche Entlastung nötig.

Thema: Bonität
Falle finanzielle Selbstüberschätzung: Die aktuelle hohe Teuerungsrate erfordert einen kontrollierteren Umgang mit den eigenen finanziellen Mitteln.

Falle finanzielle Selbstüberschätzung: Die aktuelle hohe Teuerungsrate erfordert einen kontrollierteren Umgang mit den eigenen finanziellen Mitteln.

Die Corona-Krise haben die österreichischen Haushalte auch dank der staatlichen Hilfsmaßnahmen mehr oder weniger unbeschadet überstanden. Die Insolvenzstatistik des Kreditschutzverbands KSV1870 zeigt zumindest keine nennenswerten Auswirkungen der Pandemie auf die Zahl der Privatkonkurse. "Die Corona-Krise hat bis dato zu keiner massiven Steigerung von Privatkonkursen geführt. Aus heutiger Sicht scheint die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung die finanziellen Auswirkungen der Pandemie gut abzufedern“, erklärt Karl-Heinz Götze, Leiter KSV1870 Insolvenz.

Angesichts der im Jahr 2022 massiv eingetretenen Teuerung - besonders markant bei den Energiepreisen die sich mittlerweile auf viele weitere Sektoren niederschlagen - befürchtet Götze nun aber wesentlich deutlichere Auswirkungen auf die finanzielle Situation der Bevölkerung und somit auch eine steigende Zahl von Privatkonkursen. "Die aktuellen Preisentwicklungen werden die Menschen stärker treffen, insbesondere Personen mit niedrigeren Einkommen", warnt Götze und fordert: "Die Menschen während einer derart gravierenden Teuerungswelle nicht im Regen stehen gelassen werden. Es braucht spürbare finanzielle Entlastung, und zwar jetzt."

Karl-Heinz Götze, Leiter Insolvenz KSV1870

Karl-Heinz Götze, Leiter Insolvenz KSV1870: "Spürbare Entlastung, und zwar jetzt!"

Der Ruf in Richtung Politik ist durchaus im Sinne der heimischen Wirtschaft, die angesichts der sich verändernden finanziellen Lage in der Bevölkerung andernfalls ebenso mit einer steigenden Zahl von Zahlungsausfällen rechnen muss. "Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit vieler privater Haushalte hat sich zuletzt aufgrund von Preissteigerungen und der Inflation massiv verändert. Aufgrund der jüngsten Entwicklungen rechnen wird bei der nächstjährigen Ursachenstatistik durchaus mit Verschiebungen", warnt Götze.

Selbstverschuldete Pleiten

Bei den Österreichern sitzt das Geld nämlich gerne etwas lockerer, wie die Statistik des KSV1870 belegt, und die aktuelle hohe Inflation, die in manchen Bereichen einer regelrechten Kostenexplosion gleichkommt, verlangt einen noch sorgsameren Umgang mit den eigenen finanziellen Mitteln.


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„Persönliches Verschulden“ ist der KSV-Statistik zufolge nämlich mit einem Anteil von 30,2 % die häufigste Ursache, warum Menschen in den Privatkonkurs schlittern. Insbesondere die Überschätzung der eigenen finanziellen Leistungsfähigkeit führt häufig in die finanzielle Sackgasse – sie ist Ursache für jede fünfte Pleite von Privatpersonen in Österreich. Insbesondere was den Konsum betrifft, rät der Insolvenzexperte aufgrund der aktuellen Teuerungswelle daher zur Vorsicht: "Es sind keine Zeiten für unbedachte Handlungen, die schnell zum Zünglein an der Waage werden können. Vor allem für jene, die bereits in den vergangenen Jahren den finanziellen Spielraum ausgeschöpft haben.“

Die zweithäufigste Ursache für Privatkonkurse ist mit 25,4 % eine ehemalige Selbständigkeit. Der aktuelle Analyse des KSV1870 zufolge war hier jedoch erfreulicherweise ein Rückgang zu verzeichnen. Im Jahr 2021 wurden um drei Prozentpunkte weniger private Pleiten infolge einer früheren selbständigen Tätigkeit verzeichnet als im Jahr 2020.

Die weiteren Fakten aus der Analyse: Die Faktoren „Reduktion des Einkommens“ (18,6 %) und „Lebenskrisen“ (12,7 %) waren auch im zweiten Corona-Jahr auf konstantem Niveau für Privatkonkurse verantwortlich. Gefolgt von Arbeitslosigkeit (15,2 %), Scheidung (5,4 %) und Schicksalsschlägen (5,1 %), wozu auch chronische Erkrankungen und die Corona-Pandemie (1,5 %) zählen.


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