Private Equity: Eine Branche erwacht langsam

In Österreich führen private Beteiligungen an Unternehmen (Private Equity) und Risikokapital ein Schattendasein. Auf der Jahrestagung der Austrian Private Equity and Venture Capital Organisation (AVCO) zeigte sich jedoch, dass die Branche langsam zum Leben erwacht.

Private Equity: Eine Branche erwacht langsam

Das Wiener Technologieunternehmen TTTech hat den steinigen Weg vom Start-up zum Börsenkandidaten geschafft - einer der ganz wenigen österreichischen Neugründungen. Die Hightech-Schmiede spielt in Fragen der Sicherheit für selbstfahrender Autos weltweit in der obersten Liga. Der Umsatz des auf Soft- und Hardware-Datenplattform bewegt sich mittlerweile im Jahr in dreistelliger Millionenhöhe. Geld aufzutreiben, um es bis dorthin zu schaffen, ist allerdings gerade in Österreich, eine echte Kunst.


Es braucht große Investoren. Davon gibt es in Österreich nur sehr wenige.

Die ersten Wachstumsschritte zu finanzieren mit Hilfe von Business Angel und Fonds, wie jenem der Innovationsagentur, sind noch machbar. Danach wird es aber mühsam. Größere Finanzierungen sind oft nur schwer aufzustellen. „Es braucht große Investoren. Davon gibt es in Österreich aber nur sehr wenige“, weiß TTTech-CEO Georg Kopetz, der auf der Jahrestagung der Austrian Private Equity and Venture Capital Organisation (AVCO) sprach. Wagniskapital, also Risikokapital zur Finanzierung eines unternehmerischen Vorhabens und Private Equity, die private Beteiligung von Investoren an Unternehmen: Beides Finanzierungsformen an denen in Österreich ein großer Mangel und Bedarf besteht.

Ausländische Investoren dominieren
Es sind meist ausländische Investoren, allen voran aus den USA, die vielversprechende kleinere und mittlere Firmen mit hohem Wachstumspotential und guten Idee finanzieren. Die erste Venture-Capital-Finanzierung erhielt TTTech damals denn auch von JP Morgan, einer US-Investmentbank.

Lange Anlauflaufzeit, ungeduldige Investoren
Der Weg vom Start-up zu einem größeren Unternehmen ist weit, viele davon sind lange nicht profitabel. „Gerade bei Tech-Neugründungen dauert die Inkubationszeit nicht selten an die zehn Jahre“, meint Kopetz. Sein Unternehmen, TTTech wurde auch bereits 1998 gegründet. Ein anderes erfolgreiches Wiener Unternehmen, der Onlinemarketing-Spezialist Emarsys, wurde jüngst vom Software-Konzern SAP um viele Millionen Euro übernommen. Gegründet wurde der Newsletter-Profi allerdings schon vor knapp 20 Jahren. Für viele Investoren zu lange. Kopetz:„ In den USA werden viele Unternehmen finanziert, selbst wenn sie über Jahre nicht profitabel sind. Diesen Zugang zu Investments haben die Europäer nicht. Anleger hier verstehen nicht die Notwendigkeit durchzuhalten und wollen nach dem Einstieg gleich im nächsten Jahr Gewinne sehen, obwohl das Unternehmen erst in der Entwicklungsphase ist.“

Es gibt aber noch ein weitere Hürde, sowohl für innovative junge und mittelständische Unternehmen, die Geld brauchen, als auch für deren Kapitalgeber: „In Österreich fehlt es an den Kapitalmarktstrukturen und Rahmenbedingungen, und damit auch an professionellen Kapitalverteilern“, erklärt Rudolf Kinsky, Präsident der Avco.

Konzept für Private-Equity-Fonds mit staatlicher Haftung in der Schublade
So existiert laut dem Verband bislang de facto kein extern finanzierter Private Equity Fonds und nur eine Handvoll Venture Capital Fonds. Zudem investieren die österreichischen institutionellen Anleger - mit wenigen Ausnahmen - kaum in lokale Wagniskapitalfonds. Um diese Lücke zu füllen, hat AVCO nun einen Dachfonds für Österreich vorgeschlagen. Entwickelt wurde dieser, damit auch risikoaverse institutionelle Investoren wie Pensionskassen, Versicherungen, Vermögensverwaltern in die Assetklasse Venture Capital und Private Equity zu erleichtern. Diese machen bisher kaum Risikokapital für Jungunternehmen locker. Um das zu gewähren, will Avco, dass der Staat für einen Teil des eingesetzten Kapitals eine Ausfallsgarantie stellt. Das Konzept für einen solchen privatwirtschaftlich geführter Austrian Growth Fund liegt fertig in der Schublade und kann bei einer Zusage der Regierung jederzeit umgesetzt werden.

Private Equity: Neue Mittelstandsfinanzierung von RBI und C-Quadrat
Doch vor kurzem wurde der seit Jahren siechenden Private-Equity-Branche von anderer Seite unerwartet Leben eingehaucht. Alexander Schütz, Vorstand und Gründer des Asset Managers C-Quadrat und die Kommerz- und Investmentbank RBI haben gemeinsam den Austrian Growth Capital Fund lanciert. Ein Finanzierungsvehikel für wachstumsstarke mittelständische Unternehmen. Ziel ist es bis zu 200 Millionen Euro einzusammeln. „Es gibt kaum Private-Equity-Investoren mit lokaler Präsenz am Standort Wien“, so Alex Schütz, Vorstandsvorsitzender von C-Quadrat über den Austrian Growth Capital Fund. Schütz selbst ist an verschiedenen Unternehmen beteiligt. Sein Fokus liegt auf FinTechs, Internet- und Techunternehmen ebenso wie etwa auf Beteiligung im Life-Science-Sektor.


Kredite sind wegen zu geringer Eigenkapitalquote oft schwer zu bekommen, eine Hürde für die Expansion.

Stadt Wien will mit Beteiligungsfonds bei 80 Unternehmen einsteigen
Auch die Stadt Wien mischt seit kurzem mit ihrem "Stolz auf Wien Fonds" am Beteiligungssektor mit. Stadtrat Peter Hanke will bis zu 100 Millionen Euro mobilisieren und damit vor allem durch die Pandemie angeschlagene Unternehmen, wie in der Hotellerie und Gastronomie stützen. "Stolz auf Wien" erwirbt dabei bis zu 20 Prozent der Anteile um maximal eine Million Euro, nach sieben Jahren soll der Ausstieg erfolgen. Zu den Co-Investoren zählen bisher Privatinvestoren wie Hanspeter Haselsteiner, Immobilienfirmen wie die Immofinanz und die S Immo, Stiftungen und die Raiffeisen Landesbank Steiermark. Hanke kennt die Probleme wachstumsstarker Unternehmen: "Kredite sind wegen zu geringer Eigenkapitalquote oft schwer zu bekommen, das ist eine Hürde für die Expansion."

Venture-Capital-Fonds der RBI seit zwei Jahren am Start
Die RBI hat bereits Erfahrung mit Einsatz von Wagniskapital, hat sie doch 2018 mit dem Elevator Ventures Fonds - spezialisiert auf die osteuropäische Start-ups - bereits ein Vehikel dafür auf den Markt gebracht. Die RBI agiert dabei als Ankerinvestor, andere Investoren sollen sich ebenfalls engagieren und das Portfolio so laufend vergrößern. Das Risikokapital soll vor allem Fin-Tech-Neugründungen zugute kommen, die „für die Entwicklung unserer Bankgeschäftes in den nächsten drei bis fünf Jahren interessant sein könnten“, erläutert Maximilian Schausberger von Elevator Venture auf der Avco-Konferenz. Zum Fondsstart hat die RBI selbst 25 Millionen Euro für Direktinvestitionen investiert.


Gerade in Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs ist damit eine hohe Rendite erzielbar.

Die Branche scheint jedenfalls in Bewegung zu kommen. Gerade in Zeiten der Pandemie und vor allem für die Zeit danach gilt ein solches finanzielles Engagement als wichtiges Instrument, um das Wachstum kleinerer und mittlerer Unternehmen anzuschieben. Private-Equity-Investor Schütz und Mitgründer des Austrian Growth Capital Funds: „Es fehlt an professionellem Kapital mit dem gerade in Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs eine hohe Rendite erzielbar ist."



WKÖ-Präsident Mahrer: "Lockdown-Schließungen sind skandalös"

Wirtschaftskammer Präsident Harald Mahrer kritisiert die Schließungen in …

Die Fussl-Chefs Ernst (links) und Karl Mayr: "Eigentlich dürfte es uns so gar nicht geben."

Fussl Modestraße - das unmögliche Modehaus

Kein Webshop, keine Influencer, keine Wegwerfmode: wie FUSSL MODESTRASSE …

Corona-Härtefallfonds: Antragsfrist läuft

Ab sofort können Anträge für den neuen Corona-Härtefallfonds eingebracht …

Mozartkugel-Hersteller Salzburg Schokolade ist in Konkurs

Der Süßwarenhersteller Salzburg Schokolade mit Sitz in Grödig, der unter …