Klimawandel: So groß sind die Auswirkungen auf die Wirtschaft

Wirtschaft im Bann des Klimawandels: Wie sich die Erderwärmung auf Produktionsbedingungen auswirkt, welche Branchen und Länder besonders betroffen sind.

Klimawandel: So groß sind die Auswirkungen auf die Wirtschaft

Sinkende Produktivität in bestimmten Branchen und Ländern durch steigende Temperaturen: Einer der Auswirkungen des Klimawandels.

2018 war kein gutes Jahr, zumindest was die Klimaveränderung anbelangt. „Im Vorjahr sind die Temperaturen weltweit signifikant gestiegen. Die Temperaturzunahme wird in den nächsten fünf bis zehn Jahren noch extremer“, prophezeit Jennifer Wu, globale Chefin für nachhaltige Investments von JP Morgan Asset Management. Die Fondsgesellschaft verwaltet für ihre Kunden mehr als zwei Billionen Dollar.

Der Klimawandel belastet nicht nur die Umwelt, sondern auch die Wirtschaft. Die Nachhaltigkeitsspezialisten von JP Morgan haben untersucht, wie sich die Erderwärmung auf Produktionsbedingungen und Unternehmen, die mit den Auswirkungen umgehen müssen, auswirken.


Globale Erwärmung von 1880 bis 2018

NASA-Analyse: Die globale Oberflächentemperatur der Erde war 2018 die vierthöchste seit Beginn der modernen Aufzeichnung im Jahr 1880.


Zur Ausgangslage:
Die Erderwärmung hat zwei Ursachen: Der natürliche Treibhauseffekt durch die Sonneneinstrahlung und der von Menschen erzeugte Treibhausgaseffekt durch CO2 und Methanga (CH4), der Hauptbestandteil von Erdgas.

Treibhausgas-Ausstoß, Wasser- und Landverbrauch bei der Produktion von Nahrungsmitteln
Rinder, Ziegen und Schafe heizen mit ihrem CH4-Ausstoß ebenfalls die Erderwärmung an. Jede Kuh produziert täglich mehrere hundert Liter Methan, das durch Bakterien in den Mägen der Wiederkäuer entsteht. Bei der Erzeugung von Nahrung durch die Zucht von Tieren entstehen zudem, im Vergleich zur Produktion von Pflanzen, deutlich mehr umweltschädliche Emissionen. Die weitaus größten Treibhausgas-Ausstoß pro Hektar verursachen laut dem World Resources Institute bei der Erzeugung von Nahrung sind Rinder. Diese brauchen am meisten Land und Wasser. An zweiter Stelle der Klimasünder bei der Nahrungsmittelproduktion stehen Milchprodukte, wenn auch weit abgeschlagen. Etwas mehr Wasser als Milchprodukte verursacht die Haltung von Hühnern benötigt. Schweine und Fische benötigen, nach Rindern, das meiste Wasser.

Bei der Zucht und Verarbeitung von Rindfleisch entsteht der größte ökologische Schaden, da Kühe unter den Nutztieren die meisten Treibhausgabe ausstoßen, für die Zucht am meisten Land benötigt wird und dafür am meisten Wasser eingesetzt wird. Quelle: World Resources Institut 2019

Temperaturanstieg: Bis 2040 dürfte der Anstieg noch stärker ausfallen als bisher

Beängstigend: Der Temperaturanstieg war in den vergangenen 20 Jahren signifikant und wird laut Prognosen der US-Weltraumbehörde NASA bis 2040 noch schneller von statten gehen als bisher.

Die globale Erderwärmung bringt zahlreichen Veränderungen in der Umwelt mit sich: im Meer, höhere Temperaturen der Böden und der Luft, das Schmelzen der Eiskappen an den Polen, extreme Wetterbedingungen, das Steigen des Meeresspiegels, die Meere werden zunehmend sauer und die Biodiversity, also die Artenvielfalt geht seit den 1970er Jahren deutlich zurück. Seit dem Jahr 2002 sind die Eismassen in Grönland laut Messungen der NASA um 4.000 Gigatonnen zurückgegangen. Seit 2009 kam es zu Wetterlagen, die das Abschmelzen des grönländischen Eises besonders beschleunigten.

Noch nie in der Geschichte ist das Grönland-Eis so stark geschmolzen, wie in den vergangenen 15 Jahren.

Seit den 1970iger Jahren haben Naturkatastrophen stark zugenommen: Quelle: Our World in Data.

Tropische Stürme und Überflutungen: Die finanziell folgenschwersten Naturkatastrophen
Vom Klimawandels betroffen sind viele Bereiche. So geht die biologische Vielfalt in der Tierwelt seit den 1970er Jahren stark zurück. Tropische Stürme verursachen global betrachtet die größten Schäden. Solche Zyklone sind 2018 gegenüber den vergangenen 17 Jahren, in denen der Verlust im Schnitt bei 66 Milliarden Dollar lag, um neun Prozent auf 72 Milliarden Dollar gestiegen. Überflutungen verursachen knapp halb so viel Schäden. Die wirtschaftlichen Verluste durch Fluten betrugen im Vorjahr 37 Milliarden Dollar, was gegenüber dem langjährigen Durchschnitt sogar einen Rückgang bedeutete.

Tropische Stürme und Hochwasser verursachen weltweit die höchsten finanzielle Schäden. 2018 betrugt der Schaden den Zyklone anrichteten 72 Milliarden Dollar.

Naturkatastrophen: Über 4.000 Milliarden Dollar wirtschaftlicher Schaden seit 2000
Umweltveränderungen können sich auf die nationale Sicherheit der betroffenen Staaten auswirken, die Versorgung durch Nahrungsmittel ist mit Unsicherheiten behaftet, Wälder sind durch Feuer und Schädlingsbefall gefährdet, die Gesundheit ist allgemein gefährdet. Und auch Wassermangel und die Zunahme von Schädlingen zählen zu den größten Gefahren durch die Erderwärmung. Insgesamt machten wirtschaftliche Verluste verursacht durch Naturkatastrophen seit dem Jahr 2000 zusammen 4.212 Milliarden Dollar aus. Die meisten so verursachten Schäden sind laut dem Quaterly Bulletin der BOE nicht versichert.

Sinkende Produktivität durch hohe Temperaturen bei Bauarbeitern und Landwirten erwartet
In keiner anderen Region der Welt werden Bauarbeiter 2030 so sehr unter der steigenden Hitze leiden wie in Europa, prognostiziert die International Labour Organisation. Wie bei Bauarbeitern werden auch bei Mitarbeiter in der Landwirtschaft deshalb die Produktivität und damit die Zahl der Arbeitsstunden sinken, so deren Vorhersagen. In den USA dürften laut der weltweiten Studie die Arbeitsstunden im Servicesektor aufgrund der Hitze ebenfalls deutlich zurückgehen.

Bauarbeiter und Landwirte: Die hauptbetroffenen Arbeiter von der Klimaerwärmung in Europa. Ihre Produktivität, dürfte laut Berechnungen der Internationalen Arbeitsorganisation bis 2030, aufgrund weniger gearbeiteter Stunden wegen hoher Temperaturen sinken.

Ab wann die ersten Staaten den Verkauf von Benzinern und Diesel verbieten wollen
Um zu helfen, die Erderwärmung einzudämmen, haben bereits mehrere Ländern beschlossen in wenigen Jahren den Verkauf von konventionell betriebenen Neuwagen zu verbieten. Binnen zwölf Jahren wollen acht Nationen den Verkauf von Autos mit Verbrennungsmotor nicht mehr erlauben. Darunter Österreich, Slowenien, Holland, Irland, aber auch das Riesenreich Indien. Große europäische Länder wie Großbritannien oder Frankreich wollen 2040 folgen.

Österreich geht neben Ländern wie Norwegen oder Indien als gutes Beispiel voran. Autos mit Verbrennungsmotoren sollen in Norwegen ab 2025 nicht mehr verkauft werden, ab 2030 sollen solche Modelle in Österreich, Indien oder Slowenien nicht mehr neu zugelassen werden dürfen.

Energiebranche muss CO2-Ausstoß bis 2050 um 90 Prozent reduzieren
Nicht nur Veränderungen der Wetterbedingungen werden die Geschäft der Unternehmen beeinflussen, auch die politischen Vorgaben, die bis 2050 den CO2 -Ausstoßes deutlich senken wollen und dazu strenge Vorgaben für Unternehmen erlassen haben. Am stärksten muss der Energiesektor den CO2 -Ausstoß senken. Bis 2050 wird laut der internationalen Energieagentur IEA eine Verringerung der Kohlendioxid-Emissionen um fast 90 Prozent gefordert.

Welchen Transmissionsrisiken Unternehmen ausgesetzt sind
Die Transmission der Unternehmen, hin zu einem mit geringerem Schadstoffausstoß und insgesamt besserem ökologischem Fußabdruck, sind jedoch mit Risiken behaftet. Das kann große Veränderungen für den Wert des Unternehmens und höhere Kosten für das laufende Geschäft bedeuten. Risiken können möglicherweise auch Steuern auf Kohlenstoff-Ausstoß und Veränderungen bei der Nachfrage und durch neue Technologien entstehen. Wie hoch die Risiken sind hängt auch davon ab, in welchem Land sich das Unternehmen befindet, welchen Zeithorizont es für die Transmission gibt und die Übereinkommen, wie sehr der Temperaturanstieg gestoppt werden soll.


Fünf physische Hauptrisiken für Firmen:

Um die örtlichen Risiken eines Unternehmens in Folge des Klimawandels festzustellen, sind folgende Fragen zu berücksichtigen:

  • Wo steht das Unternehmen?
  • Wie sind die räumlichen Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter?
  • Wie ist die Supply Chain und das Distributionsnetzwerk aufgebaut?
  • Wie sehr ist das Geschäft von möglichen Umweltveränderungen betroffen?
  • Wie sind die indirekten Auswirkungen des Klimawandels auf das Business?

Auf nachhaltige Unternehmen spezialisierte Aktienfonds

  • Der JP Morgan - Europe Sustainable Equity (ISIN: LU1529808336) hat in den vergangenen zwölf Monaten eine Rendite von 15,2 Prozent erzielt. Mit einem Mix aus großen, mittleren und kleinen Unternehmen zählen derzeit drei große Pharma- und Nahrungsmittelkonzerne zu den größten Positionen: Nestle, Roche, Novartis und Unilever.

  • Der C-QUADRAT GreenStar ESG (ISIN: AT0000A1YH15), wie der JP Morgan Fonds ebenfalls 2017 aufgelegt, schaffte in den vergangenen zwölf Monaten eine Rendite von 16,3 Prozent und zählt damit zu den besten Nachhaltigkeitsfonds. Die USA (66 Prozent) und die Eurozone (12 Prozent) sind aktuell am stärksten gewichtet. Finanzdiensleister und zyklische Konsumgüter sind zusammen mit über 30 Prozent im Depot gewichtet. Das stärkste Gewichte im Fonds hat derzeit Zeotis, ein amerikanischer und größter weltweit agierender Hersteller von Tierarzneimitteln und Impfstoffen für Haus- und Nutztiere. Ein weiteres interessantes Unternehmen im Portfolio ist Ecolab. Ein weltweit führender Anbieter von Produkten und Dienstleistungen im Bereich der industriellen Reinigung und Hygiene für Hotels, Restaurants, Brauereien, Landwirtschaft, Lebensmittelhersteller, Wäschereien, Krankenhäuser und Gebäudereiniger. Beide Aktien sind seit Jahresanfang gut gelaufen.

  • Die Erste Bank bietet den Erste Responsible Stock Dividend (ISIN: AT0000A1QA61) an. Innerhalb der vergangenen zwölf Monate brachte der weltweit veranlagende Fonds 12,9 Prozent. Der Fonds wurde 2017 aufgelegt. Derzeit sind die Branchen Finanzen, Kommunikationsdienstleister und Basiskonsumgüter am stärksten im Fonds vertreten. Kanadische Aktien sind mit 23 Prozent am stärksten gewichtet, gefolgt von Australien und den USA.

  • Wer innerhalb eines Fonds sowohl in Aktien als auch in Anleihen investieren möchte, kann etwa in den Raiffeisen-Nachhaltigkeits-Mix (ISIN: ) veranlagen. Der Mischung besteht derzeit aus Investments in globale Aktien außerhalb der Eurozone (30 Prozent), Unternehmensanleihen (26 Prozent), Europäische Aktien (20 Prozent) und Anleihen aus entwickelten Märkten mit 16 Prozent). Diese Strategie brachte im vergangenen Jahr eine Rendite von 8,6 Prozent.

  • Die Bank Austria startet in kürze mit dem Amundi CPR Climate Action (ISIN: AT0000A28YU4). Der Fonds investiert weltweit in Aktien von Unternehmen, deren Ziel es ist, CO2-Emissionen zu reduzieren und so aktiv die Auswirkungen des Klimawandels zu begrenze. Der Fonds, der zwischen 70 und 90 Aktienanteile halten wird, wurde noch vor Fondsstart mit dem Österreichischen Umweltzeichen zertifiziert. Der Fonds kooperiert für die Aktienauswahl mit CDP, einer global vernetzten NGO und Pionier in Sachen CO2-Transparenz und laut eigenen Angaben führend bei der Erhebung und Offenlegung von Umweltdaten. Unternehmen ohne CDP-Rating (mangelnde Transparenz) oder mit unterdurchschnittlichen Ergebnissen werden ausgeschlossen. Offizieller Fondsstart ist am 18. November 2019.

Kampf gegen den Klimawandel: die Skepsis der Jungen [Umfrage]

Die große trend-Umfrage: wie viele Österreicher in grüne Projekte und …

Arbeits- und Wirtschaftsminister Martin Kocher

Arbeits- und Wirtschaftsminister Kocher: "Kein Grund für Panik"

Arbeits- und Wirtschaftsminister Martin Kocher über die Energiekrise und …

Hohe Energiekosten: Gratisstrom für alle scheint eine gangbare Lösung zur Eindämmung zu sein.

Gratis-Strom: eine "überlegene Handlungsoption"

Das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) hat seinen Vorschlag für ein …

Erste Group CEO Willibald Cernko

Erste Group CEO Willibald Cernko: "Wir sollten uns nicht so fürchten"

Der neue Erste-Group-Chef Willibald Cernko im trend. INTERVIEW über …