High-Tech-Konzerne auf Schrumpfkurs: Zehntausende Mitarbeiter werden gekündigt

Viele Jahre lang schien es bei den Tech-Giganten der Welt nur anhaltendes Wachstum zu geben. Die Krisen zwingen die Amazon, Google, Meta, Microsoft & Co. nun, Strategien anzupassen und sich von zehntausenden Mitarbeitern zu trennen.

Die Kündigungswelle in der High-Tech Branche hält an. Zigtausende Mitarbeiter werden freigesetzt.

High-Tech-Branche unter Druck: Große Visionen alleine sind nicht genug. Sie müssen sich auch rechnen.

Die langen Listen der in der IT- und Hightech-Branche gesuchten Mitarbeiter sind Legende. In den vergangenen Jahrzehnten schien bei den internationalen Tech-Companies der Bedarf an neuen Mitarbeitern fast unendlich zu sein. Im Wettbewerb um die - nicht nur - besten Köpfe waren die Unternehmen bereit, selbst Berufseinsteigern außergewöhnlich hohe Gehälter zu zahlen und den Beschäftigten obendrein auch noch eine Fülle von Benefits anzubieten.

Doch die anhaltenden Krisen haben dem Durst der Tech-Branche nach neuen Mitarbeitern ein jähes Ende bereitet. Nachdem die Geschäfte in der Pandemie florierten, macht das von Inflations- und Rezessionssorgen geprägte derzeitige Marktumfeld vielen Firmen schwer zu schaffen. An der Börse stehen Tech-Aktien besonders stark unter Druck - der Branchenindex Nasdaq fiel im vergangenen Jahr um 33 Prozent.

Die Folge ist, dass immer mehr Highflyer der Vergangenheit den Rotstift ansetzen müssen, ihre Strategien überdenken und zigtausende Mitarbeiter entlassen.

  • Amazon. Anfang Jänner 2023 kündigte Amazon CEO Andy Jassy an, dass in dem Konzern 18.000 Stellen gestrichen werden müssen. Auch bei Amazon ist das der erste größere Personalschnitt seit der Gründung des Unternehmens im Jahr 1994. Jassy räumt auch gleichzeitig mit einigen Spielwiesen des Unternehmens auf. Der Konzern wird sich in der nächsten Zeit auf seine gewinnbringenden Kerngeschäfte konzentrieren und andere Aktivitäten zurückstellen.

  • Google. Bei den IT-Giganten stehen 12.000 Stellen auf dem Spiel. Das sind rund 6 % der Belegschaft. Google plant außerdem die Einführung eines Ranking-Systems Bewertung der Leistung der Mitarbeiter. Leistungsschwache Mitarbeiter sollen dadurch identifiziert und könnten in der Folge gekündigt werden. Firmenchef Sundar Pichai schrieb in einer Mail an die Mitarbeiter: "Ich übernehme die volle Verantwortung für die Entscheidungen, die uns hierher geführt haben." Nach dem "dramatischen Wachstum" in der Pandemie habe man "in einer anderen wirtschaftlichen Realität als heute" die Belegschaft aufgebaut. Auch bei Google besinnt man sich auf die Kernkompetenzen. Dazu gehört der Fokus auf die Entwicklung von Lösungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI).

  • Meta. Anfang November 2022 hat Meta, die Konzernmutter von Facebook, Instagram und WhatsApp, angekündigt 11.000 Stellen streichen zu müssen. Der Stellenabbau bedeutet den größten der Firmengeschichte und trifft rund 13 Prozent der gesamten Belegschaft. Bei Meta sind die Ursachen aber zum Teil auch hausgemacht. Der Konzern hat sich bei seiner Metaverse-Wette grob und den dabei anfallenden Kosten grob verschätzt. Rality Labs, die Meta-Sparte, die an der Umsetzung des Metaverse arbeitet, hat im vergangenen Jahr rund 10 Milliarden Dollar versenkt. Zudem hat sich Meta wie viele andere Companies der Branche vom Wachstum in der Corona-Pandemie zu überbordenden Investitionen verleiten lassen.

  • Microsoft. Mitte Jänner 2023 reagiert auch der Technologie-Riese Microsoft auf das rückläufige Geschäft. Bis Ende März sollen rund 10.000 Stellen abgebaut werden. Microsoft CEO Satya Nadella erklärte, dass die "Kostenstruktur mit den Umsätzen in Einklang" gebracht werden müsse und dass der Einschnitt "schwierig, aber notwendig" sei.

  • Salesforce. Beim Business-Software-Spezialisten Salesforce müssen ebenfalls tausende Mitarbeiter ihre Schreibtische räumen. Zehn Prozent der Mitarbeiter, mehr als 7.000 werden laut CEO Marc Benioff das Unternehmen verlassen müssen. Als Grund dafür gab Benioff an, dass Kunden bei ihren Kaufentscheidungen zurückhaltender geworden sind. Als Folge hat das Unternehmen eine radikale Umstrukturierung eingeleitet, die im Jahr 2023 Kosten zwischen 1,4 und 2,1 Milliarden Dollar verursachen wird.

  • Twitter. Ebenfalls im November 2022 kündigte Twitter an, dass rund 3.700 Mitarbeiter - etwa die Hälfte der gesamten Belegschaft gekündigt werden müssen. Neo-Eigentümer Elon Musk erklärte, dass jedem entlassenen Mitarbeiter eine Abfertigung in der Höhe von drei Monatsgehältern angeboten wurde.

Die Liste lässt sich noch fortsetzen. Auch der Streaming-Anbieter Netflix hat im Jahr 2022 mehrmals hunderte Mitarbeiter entlassen. Und in der nicht zuletzt durch den Kollaps der Krypto-Börse FTX unter Druck geratenen Krypto-Branche sowie in weiteren Unternehmen der Tech-Branche werden die Rotstifte angesetzt.

Die Tech-Branche und die Stars des Silicon Valley, die traditionelle Unternehmen dank ihres Erfolgslaufs und ihrer unkonventionellen Methoden teilweise steinalt aussehen lassen haben, müssen sich in der Rezession der harten Realität der Wirtschaft stellen. Auch die mitunter extrem großzügigen Mitarbeiter-Benefits werden evaluiert. Und Berufseinsteiger sowie Job-Hopper werden künftig nicht mehr so einfach zu ihren Traumgehältern kommen.

Die Party ist noch nicht vorüber. Nach den fetten Jahre ist es in der High-Tech-Branche an der Zeit, die Gürtel enger zu schnallen und sich der Realität zu stellen.

Öl- und Gaspreishoch bescheren der OMV Milliardengewinne

Der Öl-, Gas- und Chemiekonzern OMV, an dem die Republik Österreich über …

IMMOunited2GO zeigt Grundbuch- und Kaufvertragsinformationen sowie Daten zu Neubauprojekten in der unmittelbaren Umgebung an
Das Grundbuch österreichweit mitnehmen: IMMOunited launcht „IMMOunited2GO“

Die neue App für iOS- und Android-Smartphones bietet vor Ort …

RBI-Vorstandschef Johann Strobl
Raiffeisen Bilanz: Gewinn in Russland vervierfacht

Die Raiffeisen Bank International (RBI) hat im Jahr 2022 blendend …

ZUR PERSON: Martin Butollo ist seit 2013 Country-CEO der Commerzbank in Österreich. Nach seinem Studium an der Wiener Wirtschaftsuniversität und der Pariser HEC trat Butollo bei PricewaterhouseCoopers ein und wechselte dann nach Frankfurt, wo er bei der Dresdner Bank und der Commerzbank Bankerfahrung sammelte.
„Glaube an Innovationskraft und Resilienz“

Die EU wird strenge Nachhaltigkeitsregeln für die Kreditvergabe …