
Wiens Finanzstadtrat PETER HANKE, zugleich auch "Außenminister" der Stadt, über seine jüngste Asienreise, das Knacken der Zwei-Millionen-Einwohner-Marke und die Zukunft von Metropolen. Und einen Kanzler namens Herbert Kickl.
Herr Hanke, Sie sind ja nicht nur Stadtrat für Finanzen, sondern auch für Internationales zuständig und damit quasi der Außenminister von Wien. Sie waren gerade acht Tage in Seoul und Bangkok beim World Cities Summit Mayors Forum. Was bleibt außer den touristischen Eindrücken von so einer Mission?
Es bleiben die Wirtschaftskontakte. Denn wir sind bereit, weite Wege zu gehen. Und das nicht nur einmal, sondern für mehrere Jahre. In Bangkok haben wir unsere Smart-City-Konzepte präsentiert und uns mit der dortigen Digitalisierungs- und Innovationsagentur ausgetauscht. Wir haben Investoren getroffen, einen Start-up-Wettbewerb durchgeführt und versuchen so, Start-ups im Digitalisierungs-, im IKT- und auch im Nahrungsmittelbereich den Weg nach Europa via Wien schmackhaft zu machen.
Ist in Thailand für die Stadt Wien wirklich etwas zu holen?
Da wir in den vergangenen Jahren das Smart-City-Thema sehr gut bewirtschaftet haben, können wir einer bunten und zugegeben viel größeren Metropole wie Bangkok einiges bieten. Das Thema Klimaneutralität betrifft ja alle großen Städte. Und da gibt es viele internationale Entwicklungen und internationale Experten, die wir, wenn sie nach Europa kommen, in Wien haben wollen. Der Start-up-Wettbewerb der Wiener Wirtschaftsagentur in Bangkok war zum Beispiel ein guter Start.
Hat Wien als mehrfach ausgezeichnete lebenswerteste Stadt der Welt eigentlich Startvorteile in Asien?
Ja. Einerseits ist die Marke Wien aufbauend auf den traditionellen Werten unserer Gesellschaft und unserer Kultur eine global stark aufgeladene Brand. Das ist auch in Bangkok spürbar. Außerdem können wir jungen Menschen mit unserem Ökosystem eine leistbare Struktur bieten. Das ist nicht nur so dahingesagt, sondern wir erfüllen das mit Leben. Unsere Konkurrenten Paris, London, München oder Brüssel sind am Ende des Tages sicher die teureren Städte.
Um es konkret zu machen: Wie viele thailändische Start-ups sollen sich nach dieser Reise in Wien ansiedeln?
Zweistellig sollte diese Zahl schon sein. Viele asiatische Start-ups wagen gerade den Schritt nach Europa, und wir wollen, dass sie von Wien aus den alten Kontinent erobern.
Wien soll also eine Art Europa-Hub für asiatische Start-ups werden?
Die Logik des Standorts Wien spricht dafür. Ganz Europa ist von hier aus in zweieinhalb Flugstunden erreichbar, die Lebensqualität ist hoch, der Universitätsstandort sehr gut, Wohnen leistbar, und auch andere Standortfaktoren wie international versierte Rechtsanwälte oder Steuerberater etc. sprechen für uns. Wien hat hier einen großen Vorteil gegenüber anderen europäischen Städten.
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