Warum Gold bei Anlegern vor einem Comeback stehen könnte

Vier Faktoren beeinflussen den Goldpreis aus charttechnischer Sicht am meisten, haben Forscher herausgefunden und liefert so auch gute Gründe, warum das Edelmetall vor einem größeren Comeback stehen könnte.

Warum Gold bei Anlegern vor einem Comeback stehen könnte

Langfrist-Anleger in Gold haben schwere Zeiten hinter sich. Seit 2011 ist der Preis für eine Unze Gold um 70 Prozent gesunken. Wer mehr riskierte, hat auch dagegen auch deutlich mehr gewonnen. Der US-Aktienindex S&P 500 hat in der selben Zeit einen Kurszuwachs von 240 Prozent erzielt – und retrospektiv betrachtet ohne große Ausschläge. Investments in Gold glichen dagegen in der Langfrist-Betrachtung einer Achterbahnfahrt. Statt wie viele Gold-Bullen damals erwarteten auf die 2.000 Dollar-Marke zuzusteuern, rauschte der Kurs auf aktuell 1.312 Dollar ab.

2018: Geringer Einfluss durch Verluste beim Dollar
Erst im Vorjahr brachen die Gold-Kurse neuerlich ein, „was angesichts der Fundamentaldaten sehr seltsam war“; erklärt Nitesh Shah, Research-Direktor des Rohstoffspezialisten WisdomTree anlässlich einer Investorenkonferenz in Wien. Am Dollarverlust sei es nur zu einem geringen Ausmaß gelegen. Ein solcher wirkt negativ auf die Entwicklung des Goldpreises aus. Dazu sei der Kursverlust von nur vier Prozent zu gering gewesen, verglichen mit starken Rückgängen in den Jahren davor.

Anlegerstimmung kippte 2018 wie zuletzt 2001 - was damals geschah
„Der wesentlichste Grund für den Kursverlust bei Gold war der Kollaps des Goldsentiments“, glaubt Shah. Die Stimmung unter den Goldanlegern war plötzlich gekippt. Am Future-Markt wurde das Edelmetall massiv abgestoßen. Binnen kurzer Zeit wurden 200.000 Kontrakte auf den Markt geworfen. „Das ist seit 2001 nicht mehr in diesem Ausmaß passiert", so der Goldprofi. Damals zeichnete sich die argentinische Schuldenkrise ab und ein überbewerteter Technologiesektor brach zusammen. Gold reagierte auf darauf allerdings
verspätet. Die Goldkurse stiegen 2002 um 25 Prozent, nach nur zwei Prozent im Jahr 2001.
Zurück zum Vorjahr: Stärker erholt hat sich der Goldpreis dann wieder kurz vor Ende 2018. „Die Trendwende begann am Weihnachtsabend. Der VIX, der Volatilitätsindex des S&P 400, hat an diesem Tag 36 Punkte erreicht und damit den höchsten Stand seit langem. Die Volatilität an den Börsen in den letzten Wochen des Jahres war der Hauptgrund für die Erholung bei der Gold-Positionierung.

Im Vorjahr wurde Gold am Future-Markt aggressiv verkauft. Gegen Ende des Jahres kam, gleichzeitig mit der Beruhigung des Volatilitätsindex VIX, die Erholung.

Goldanstieg auf 1.370 Dollar prognostiziert
Die Gold-Story könnte sich, nach dem langen Auf und Ab, aber zum Guten wenden. Bis Jahresende prognostiziert das Research-Team der Rohstoffexperten von WisdomTree einen Anstieg auf 1.370 Dollar je Unze. Was einem Plus von gut sieben Prozent gleich kommen würde.

Einfluss von Schmuckkäufen in Schwellenländern limitiert
Welche Einflüsse treibt nun Gold? Einer der Argumente, dass der Goldpreis steigt, wenn Indien, die Hochzeitssaison beginnt - dort wird zwischen September und November geheiratet und zu dessen Anlass schenkt man typischerweise Goldschmuck - hält Shaha für stark überzogen. Auch die Auswirkungen, wenn Zentralbanken, wie zuletzt jene Russlands, Gold in größerem Ausmaß zukaufen, hält der Goldprofi für beschränkt.

Welche Faktoren den Goldpreis beeinflussen
Generell gelten für die Entwicklung des Goldkurses folgende Faktoren für maßgeblich: Die Zinspolitik der US-Notenbank, der US-Verbraucherpreisindex, das Barometer für die Entwicklung der US-Inflation, die Entwicklung des Dollars, die Zinsentwicklung der 10-jährigen US-Staatsanleihen und die Anlegerstimmung und deren damit verbundene Positionierung an den Gold-Kontraktmärkten.

Wie sich anderer Asset Klassen in Relation zum Goldpreis verhalten
Daneben gibt es aber auch noch andere Einflussfaktoren, die die Entwicklung des Goldes beeinflussen, wie WisdomTree herausgefunden hat. Nämlich das Verhältnis des Goldpreises zu anderen Asset Klassen. Vier davon sind demnach wesentlich:

1. Das Verhältnis des US-Aktienmarkt S&P zur Entwicklung des Goldpreises
Steigen die Börsen, sinkt der Goldpreis und umgekehrt
Von 2009 bis 2011 stieg der Goldpreis kumuliert um 40 Prozent, der S&P legte in derselben Zeit nur um ein Prozent. Der Trend geht auch die andere Richtung: Von 2011 bis Anfang 2019 legte der US-Aktienindex um 14 Prozent zu, der Goldpreis verlor fünf Prozent.

Aus charttechnischer Sicht könnte bei Gold bald eine Gegenbewegung nach oben stattfinden und der Goldkurs jenem des US-Aktienkurses S&P übertreffen.

Gold könnte US-Aktienkurse bald übertreffen
Nun könnte aber eine Trendwende bevorstehen. Charttechniker erwarten, nachdem das Verhältnis zwischen dem Goldpreis und der Entwicklung des S&P seit 2015 immer weiter gesunken ist, dass sich der Trend bald umkehren dürfte. Demnach könnte Gold US-Aktien in nächster Zeit wieder übertreffen.

2. Das Verhältnis vom Goldpreis zur Entwicklung 10-jähriger US-Anleihen
Generell gilt: Sobald die Zinsen langlaufender US-Staatsanleihen sinken und die Anleger so Kurssteigerungen erzielen, wirkt sich das negativ auf den Goldpreis aus. WisdomTree erwartet, dass die Renditen für 10-jährige Anleihen bis Ende 2019 um nur 25 Basispunkte auf drei Prozent zulegen. "Der hohe Anleihenbestand der Fed wird wahrscheinlich verhindern, dass die Renditen allzu aggressiv steigen", so der Research-Chef. Wenn die US-Notenbank heuer auf Zinserhöhungen verzichtet, werde sich das positiv auf den Goldpreis aus

Goldpreis könnte Renditen von Staatsanleihen wieder übertreffen
In der Vergangenheit verhielt es sich bei der Relation von der Entwicklung des Goldpreises gegenüber 10-jährige US-Staatsanleihen wie folgt: Von 2004 bis 2011 übertraf der Goldpreis 10-jährige US-Staatsanleihen. Dann, von 2011 bis etwa 2014 liefen die US-Staatspapiere besser als Gold. Seit 2014 lässt sich eine starke Bodenbildung beobachten, „es scheint, als würde der Goldpreis wieder US-Staatsanleihen übertreffen", so der WisdomTree-Experte. Da sich die Zinsen nahe historischer Tiefststände bewegen, könnten die nächsten 10 bis 20 Jahren einen ganz anderen Verlauf nehmen und der Goldpreis steigen.

Charttechnisch könnte Gold im Vergleich zur Entwicklung bei US-Staatsanleihen vor einer Trendwende stehen.

3. Verhältnis des Dollars zum Goldpreis
Da der Goldpreis in Dollar notiert, steigt der Goldpreis, wenn der Dollar abwertet. Das hat sich in den Vergangenheit immer wieder bestätigt. So hat der Dollar seit den 1960er Jahren vier Mal deutlich abgewertet, der Goldpreis ist entsprechend gestiegen.

Kommt nach kurzer Dollar-Aufwertung der Absturz?
Die Charttechnik könnte sich eine starke Abwärtsbewegung des Dollar ankündigen. Zumindest charttechnisch kündigt sich eine solche Trendwende auch da an. Zunächst sollte der Dollar aber weiter aufwerten. "Vor allem deshalb, weil der Markt, den Fed Fund Futures nach zu urteilen, zurzeit keine weitere Zinserhöhung zu erwarten scheint", so der Investmentexperte.

Hohe Schulden und sinkender Zinsvorteil
Da andere große Zentralbanken – beispielsweise die Europäische Zentralbank, die Bank of Japan und die Bank of England – aber beginnen, über eine Normalisierung der Geldpolitik nachzudenken, könnten die Zinsunterschiede kleiner werden und der Dollar an Wert verlieren. Außerdem erwarten WisdomTree aufgrund der steigenden Verschuldung in den USA – die durch die aktuellen Steuersenkungen noch erhöht wird – eine Abwertung des Dollars.

4. Verhältnis Inflationsentwicklung zum Goldpreis
Zieht die Inflation an, steigt tendenziell auch der Goldpreis. WisdomTree rechnet in den USA 2019 mit einem Anstieg der Inflationsrate auf 2,3 Prozent. Der Präsident der Philadelphia Fed, Patrick Harker, prognostizierte kürzlich, dass die Inflation in den USA heuer auf 2,1 Prozent steigen wird. Doch noch zeichnet sich das Gegenteil ab.

Bisher war die Entwicklung von Rohstoff- und damit auch des Goldpreises und der Inflationsrate stets miteinander gekoppelt.

Teuerungsrate zuletzt gesunken
So deutet die Entwicklung des US-Verbraucherpreisindex (VPI), ein Indikator für die Entwicklung der Inflation, auf keinen Anstieg der Preise hin. Der Index und damit die US-Inflationsrate ist vielmehr vor kurzem auf den niedrigsten Stand seit zweieinhalb Jahren gefallen. Die Verbraucherpreise lagen im Februar um 1,5 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Experten hatten mit 1,6 Prozent gerechnet. Niedrigere Energiepreise, gefallene Arzneimittelkosten und tiefere Autopreise zählen zu den Hauptursachen des Rückgangs.

Anlegerstimmung hat sich zugunsten von Gold gedreht
Ob steigende Inflation oder sinkender Dollar. Die Forscher von Wisdom Tree rechnet für 2019 in jedem Fall mit einem steigenden Goldpreis. "Die Stimmung in Bezug auf Gold hat sich zum Positiven gewendet", so Shah. Dafür verantwortlich sind das Brexit-Problem, der von den USA ausgelöste Handelskonflikt und der drohende Abschwung der weltweiten Wirtschaft.

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