Investieren in Wohnimmobilien: Soft Facts als Zünglein an der Waage

Ein Investment in eine Wohnimmobilie ist eine höchst persönliche Sache, denn abgesehen von den Hard Facts wie dem finanziellen Rahmen sind dabei eine Reihe von Soft-Facts entscheidend, die auch Philosophen beschäftigen.

Thema: Investieren in Immobilien
Geborgenheit im Eigenheim

Geborgenheit im Eigenheim: In seiner ursprünglichen Form bedeutete das Wort "Wohnen" einst "im Frieden bleiben, zufrieden sein und geschützt sein".

ARTIKEL-INHALT


Eine Entscheidung für ein Investment in eine Wohnimmobilie ist in den meisten Fällen eine, die für viele Jahre, wenn nicht gar für ein ganzes Leben lang getroffen wird. Dabei sind natürlich grundsätzlich eine Reihe von Hard Facts entscheidend. Dazu gehören der Preis der Immobilie und die Bonität des Käufers ebenso wie die geografische Lage der Immobilie und die Infrastruktur - etwa die Verkehrsanbindung.

Diese Hard Facts sind jedoch nicht alleine entscheidend. Sie geben zwar den Rahmen vor, in dem ein Immobilieninvestment getätigt werden kann, die tatsächliche Kaufentscheidung wird dann jedoch von etlichen Soft Facts bestimmt, und deren Bedeutung ist für die Einzelnen so unterschiedlich wie Menschen nun einmal sind.


Soft Facts bestimmen die Auswahl der Immobilien

Doch die Begriffe "Sicherheit, Vertrautheit und Geborgenheit" haben wiederum für jeden eine individuelle Bedeutung. Das Mobiliar und die persönlichen Gegenstände, die in eine Wohnung oder in ein Haus gebracht werden, sind dabei ebenfalls wichtig, können aber auch nur ein Verstärker einer Grundstimmung sein, die eine Immobilie vermittelt.

Entscheidend ist vielmehr das Gefühl, das eine Immobilie vermittelt. Ein Gefühl, das oft schon beim ersten Betreten der Räume vorhanden ist und das - ohne in die Welt der Esoterik zu verfallen - eine behagliche oder eine eher unbehagliche Stimmung verursacht.

Ob dabei jemanden etwa eine Raumaufteilung oder eine Lichtstimmung zusagt oder nicht, und man deshalb in eine Immobilie einziehen möchte oder eben doch weiter nach einem geeigneteren Objekt sucht, das liegt an der individuellen Einstellung und der Bedeutung, die diesen Parametern beigemessen wird.


Es werde Licht: der Anfang des Wohnens

Die lange Zeit mysteriösen Steinkreise in der Höhle von Bruniquel im Südwesten Frankreichs sind nach heutigem Forschungsstand die älteste von Menschenhand gebaute Konstruktion der Welt. Und damit das älteste Zeugnis eines zumindest zeitweise sesshaften Wohnens.

Errichtet wurden die rund 350 Meter im Inneren einer Tropfsteinhöhle gelegenen Kreise vor rund 176.500 Jahren von Neandertalern, den Vorläufern des Homo Sapiens. Das verwendete Baumaterial waren abgebrochene Stalagmiten. Forschungen haben nun ergeben, dass sie den Neandertalern dazu dienten, das Innere der Höhle zu beleuchten. Wobei sie als Brennmaterial Knochen von großen, erbeuteten Säugetieren verwendeten, die aufgrund der geschickten Konstruktion der Kreise nahezu rauchfrei verbrannten. Das Innere der Höhle, in der auch im Winter erträgliche Temperaturen herrschten, dürfte mit Fellen und Häuten der Tiere ausgekleidet gewesen sein.


Der Beginn des Wohnens in der Geschichte des Homo Sapiens

Nach Ansicht von Wissenschaftlern wurden die Menschen in der Zeit des Neolithikums (Jungsteinzeit) sesshaft und haben ihre nomadisierende Lebensweise aufgegeben. Diesen Umbruch markierte der Übergang vom Menschen als Jäger und Sammler zum Bauern und nahm ihren Ausgang im Vorderen Orient, heute als Naher Osten bezeichnet. Die Menschen begannen unter anderem aufgrund des damaligen Klimawandels sesshaft zu werden und Vorratsspeicher und Unterkünfte zu bauen. In Jordanien wurden 11.000 Jahre alte Gebäude, die als Kornspeicher eingestuft wurden, gefunden. Es waren die Ursprünge des sesshaften Wohnens in eigens errichteten Gebäuden.

Innerhalb von 3.000 Jahren wurden die Menschen von nomadischen Jägern und Sammlern zu sesshaften Bauern, die begannen, das umliegende Land zu kultivieren und zu nutzen. Sie begannen zu töpfern, fingen mit der Tier- und Pflanzenzucht an und wurden schließlich zu einer Agrargesellschaft.

Das sogenannte keramische Neolithikum, in dem Keramik gebrannt wurde, war zwischen 8.000 und 5.500 vor Christus. Dauerhaft sesshaft wurden die Menschen im Präkeramischen Neolithikum ab etwa 8.800 vor Christus. Die Vorratshaltung wurde erforderlich, um die Pflanzen für den Verzehr haltbar zu machen, und Saatgut für die nächste Saison auf Vorrat zu halten. In der Anthropologie wird diese Phase auch als "Neolithische Revolution" bezeichnet.

Die letzte Eiszeit bis 9.700 vor Christus davor überlebten die Menschen als Jäger und Sammler. Die Natur bot ausreichend tierische und einige pflanzliche Ressourcen.


"Wohnen" philosophisch betrachtet

Zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein!

Mit diesen Worten schließt Johann Wolfgang von Goethe sein Gedicht "Osterspaziergang". Und - obwohl aus dem Zusammenhang gerissen - treffen diese Worte das Wohnen und seine Bedeutung für die Menschen geradezu ideal. Zuhause ist man dort, wo man sich wohl fühlt, wo man so sein kann, wie man will.

Der deutsche Philosoph Martin Heidegger sagte einst: "Mensch sein heißt wohnen". Es sei eine instinktive Tätigkeit des Menschen seit Anbeginn der Zeit. Heidegger sagte auch, dass das Wohnen der Grundzug des Seins ist. Dabei geht es nicht nur darum, an einem bestimmten Ort zu verweilen.

Die Bedeutung geht wesentlich tiefer. In seiner ursprünglichen Form bedeutete das Wort "Wohnen" einst "im Frieden bleiben, zufrieden sein und geschützt sein". Die eigenen vier Wände wurden immer schon als Schutz vor Schaden und Bedrohung gesehen.

Wohnen bedeutet für viele auch Ungestörtheit und Individualität. In seiner eigenen Wohnung bzw. im eigenen Haus, kann man sich völlig frei entfalten und ungestört machen, wozu man Lust hat. Weitere wichtige Faktoren, die zu Hause eine große Rolle spielen, sind die Selbstdarstellung, die Selbstbestimmung und die Unabhängigkeit.

Hat man nicht das Gefühl, in einer Immobilie unabhängig und selbstbestimmt leben zu können, dann verliert diese massiv an Attraktivität. Wobei die Vorstellungen von einem solchen unabhängigen und selbstbestimmten Leben wieder höchst individuell sind.

Wohnen: Ein Ort an dem man verwurzelt ist

Der deutsche Philosoph und Pädagoge Otto Friedrich Bollnow wiederum verbindet mit dem Begriff Wohnen, dass man an einem bestimmten Ort zu Hause ist und mit diesem Ort verwurzelt ist. Er behauptet auch, dass man einen Ort, an dem man sich geborgen fühlt, benötigt, um als Mensch überhaupt leben zu können. Wenn der Mensch einen solchen Ort nicht zur Verfügung hat, an dem er "Wohnen" kann, ist er im "irgendwo" verloren. Philosophisch betrachtet, kann man sagen, dass das Wohnen, das ganze Leben eines Menschen beeinflusst.



Wenn ein Mensch keinen Ort zum "Wohnen" hat, ist er im "irgendwo" verloren

Philosoph Otto Friedrich Bollnow


Welche Bedürfnisse "Wohnen" stillt

Wie auch in vergangenen Epochen befriedigt das Wohnen auch heutzutage zahlreiche, wenn nicht sogar die meisten Bedürfnisse. Die Menschen sehnen sich nach Sicherheit, Vertrautheit und Geborgenheit. All dies können die eigenen vier Wänden bieten. Wohnen bedeutet für viele auch Ungestörtheit und Individualität. In der eigenen Wohnung oder im eigenen Haus, kann der Mensch sich frei entfalten und tun, wonach ihm gerade ist. Zu Hause kann man so sein wie man ist oder auch so darstellen, wie man sein möchte. Der Mensch ist dort im besten Fall unabhängig und selbstbestimmt.


Selbstverwirklichung in den eigenen vier Wänden

Für den deutschen Philosophen Bollnow gibt es drei essenzielle Punkte, die erfüllt sein müssen, damit sich ein Mensch beim Wohnen auch selbst verwirklichen kann.

  • 1. Geborgenheit. Jeder Mensch muss sich einen Eigenraum der Geborgenheit schaffen. Wenn ihm das nicht gelingt, bleibt er ein ewig Heimatloser und dadurch auch Haltloser.

  • 2. Abkapselung vermeiden. Erfüllung kann ein Mensch laut Bollnow dennoch nur erreichen, wenn er sich bei aller Geborgenheit im Eigenheim nicht von der Außenwelt abkapselt. Es ist entscheidend, die Außenwelt voll in das Leben zu integrieren, denn nur durch die Spannung zwischen Wohnen und Leben in der Außenwelt, kann ein Mensch erfüllt sein.

  • 3. Bindung. Der Mensch baut eine emotionale Bindung sein Zuhause auf. An die vertraute Umgebuung, Gegenstände und deren Platz. Dennoch sollten sich die Menschen laut Bollnow nicht allzu fest an den Wohnsitz binden. Vertrauen in die Außenwelt aufbauen und diese selbst zu einem Wohlfühlort werden lassen. Nur wenn das erfüllt ist, kann seiner Ansicht nach der individuelle Wohnort auch ein Ort der Zufriedenheit und Selbstverwirklichung sein.


Buchtipps

Mensch und Raum

Das Standardwerk "Mensch und Raum" von Otto Friedrich Bollnow für Architekten gibt Anleitung, wie man Räumen gestaltet, die glücklich machen. Es soll den Menschen lehren, dass er im wahrhaften Wohnen sein menschliches Wesen verwirklicht. Die Wohnung oder das Haus wurde dann im besten Sinn gestaltet, "wenn sich der Mensch darin niederzulassen vermag, ohne sich zu versteifen, wenn er Wurzeln zu fassen unternimmt, ohne sich abzukapseln, und wenn er schließlich sich anzuvertrauen lernt, ohne sich selbst preiszugeben", so die Frankfurter Allgemeine Zeitung in ihrer Buchrezension.


Sein und Wohnen: Philosophische Streifzüge zur Geschichte des Wohnens

Diese philosophischen Betrachtungen verdeutlichen, dass das Wohnen keine beliebige Tätigkeit neben den anderen ist, sondern einen zentralen Faktor in unserem Leben einnimmt. Der Mensch benötigt einen Raum der Geborgenheit und dies zeigt sich auch in der individuellen Gestaltung jeder einzelnen Wohnung. Wohnen bedeutet Wohlfühlen und so spiegelt jeder Mensch sein Innerstes in den eigenen vier Wänden wider. Wohnen in all seinen Formen hat gleichzeitig etwas Triviales und Existentielles.


Projekt Menschwerdung: Streifzüge durch die Entwicklungsgeschichte des Menschen.

Die Geschichte des Wohnens ist auch eine Frage des Geschmacks ihrer Zeit und damit der Mode,der technischen Errungenschaften, des sozialen Status und des künstlerischen Ausdrucks.

"Die Veränderung der Wirtschaftsform begannen im Vorderen Orient, in China, Nordafrika oder später in Mittel- und Südamerika war ein über mehrere Jahrtausende ablaufender Prozess, dessen Unumkehrbarkeit erst spät feststand", so Gerd Weniger in seinem Buch.


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