Austrian Business Check: Ein Aufschwung mit Delle

Der Aufschwung hat einen gehörigen Dämpfer bekommen. Der KSV1870 sieht in seinem halbjährlich durchgeführten Austrian Business Check Herausforderungen für die heimische Wirtschaft. Arbeitskräftemangel, Inflation und Cyber-Risiken sind dabei unmittelbar die größten.

Austrian Business Check: Ein Aufschwung mit Delle

Der Wirtschaftsaufschwung hat in den vergangenen Monaten einen gehörigen Dämpfer bekommen. Was ohnehin von kaum jemand unbemerkt blieb wird nun durch die Ergebnisse des neuen, vom Kreditschutzverband KSV1870 halbjährlich durchgeführten Austrian Business Check, auch durch Zahlen belegt: Im Vergleich zur letzten Erhebung vom August 2021, als 65 % der befragten heimischen Unternehmen die Geschäftslage als positiv bewertet haben, sehen nun nur noch 55 % eine grundsätzlich gute Entwicklung.

Es ist nun kaum mehr die Corona-Pandemie, die den Unternehmern Sorgen bereitet - obwohl es nach wie vor einzelne Branchen gibt, die mit den Spätfolgen der vielfältigen internationalen Beschränkungen und den Lockdowns hadern. Es sind auch weniger die Auswirkungen des russischen Angriffskriegs in der Ukraine, wie man vermuten könnte. Die größten Sorgen bereiten der heimischen Wirtschaft der akute Arbeitskräftemangel, sowie die anziehende Inflation - Preissteigerungen und Lieferengpässe.

Unkalkulierbares Preisrisiko

In beiden Fällen gibt es wenig Aussicht auf eine baldige Entspannung der Lage. "Die Inflation ist gekommen, um zu bleiben", sagt KSV1870 CEO Ricardo-Jose Vybiral, "die Volatilität steigt von Tag zu Tag." Rohstoffpreise und andere Preissteigerungen und somit auch die Gestaltung eigener Preise werden für die Unternehmen daher zunehmend unkalkulierbar. Hinzu kommen die in den vergangenen Monaten massiv gestiegenen Energiekosten, deren weitere Entwicklung besonders auch wegen der starken Abhängigkeit Österreichs von russischem Gas zu einem schwer abschätzbaren Risiko wird.

Befeuert werden die Preissteigerungen durch die Probleme in den Lieferketten, die Verfügbarkeit von Rohstoffen und zur Herstellung eigener Produkte benötigter Teile und Halbfertigprodukte. Die Folge ist, dass in den nach der Pandemie großteils gut gefüllten Auftragsbüchern immer mehr Fragezeichen auftauchen. Dass Termine nicht eingehalten und Projekte nicht abgewickelt werden können. "Die Nachfrage ist weiterhin gut, besonders in der Bauwirtschaft, in der Maschinen- und Metallindustrie und in der holzverarbeitenden Industrie. Die Unternehmen stehen aber zunehmend vor der Frage: Werden wir diese Aufträge auch abarbeiten können?", sagt Vybiral.

Dramatischer Personalmangel

Den Unternehmen fehlen jedoch nicht nur Teile und Rohstoffe. Die größte Sorge der Betriebe ist der akute Personal- und Arbeitskräftemangel, der sich quer über alle Branchen zieht. "Das Top-Thema in der österreichischen Wirtschaft ist der Arbeitskräftemangel", betont daher auch Vybiral.

Der Mangel an Mitarbeitern mit entsprechenden fachlichen Qualifikationen ist auch kein neues Phänomen, hat sich aber infolge der Pandemie weiter verschärft, zusätzliche Branchen ergriffen und ausgehend von Mangelberufen in denen Fachkräfte mit besonderen Ausbildungen und Qualifikationen erforderlich sind sowohl die breite Wirtschaft als auch geringer qualifizierte Ebenen erfasst.

KSV1870 CEO Vybiral

KSV1870 CEO Vybiral: "Die berufliche Ausbildung muss praxisnäher und schneller werden."

Das große Problem dabei ist, dass es kaum schnelle Lösungen gibt. Es wird Jahre dauern, bis die Agenda, die KSV-Chef Vybiral dabei für die Bundesregierung sieht, abgearbeitet ist und sich daraus resultierende Effekte am Arbeitsmarkt zeigen - sofern überhaupt der politische Wille dafür vorhanden ist.

Nach den jahrelangen Aufrufen, dass die Akademikerquote in Österreich gesteigert werden muss, kommt nun die Aufforderung, das Schul- und Bildungssystem moderner und praxisnäher auszurichten, die Lehrberufe zu entstigmatisieren und die Lehre attraktiver zu gestalten. Betriebe müssten wieder mehr Ausbildungsplätze schaffen und sollten dafür vom Staat finanziell unterstützt werden.

Am schnellsten greifen würde noch der Hebel, Menschen aus der Arbeitslosigkeit mit gezielten Schulungsmaßnahmen für neue Aufgaben zu qualifizieren und sie zurück ins Berufsleben zu holen. Auch die Entbürokratisierung und Vereinfachung der Möglichkeit, Mitarbeiter aus Nicht-EU-Ländern zu beschäftigen - Stichwort Rot-Weiß-Rot-Karte - könnte etwas Druck vom Arbeitsmarkt nehmen. Allerdings steht Österreich dabei im Wettbewerb mit den übrigen EU-Ländern, wo es ähnliche Fachkräfte-Problematiken gibt.

Digitalisierung vorantreiben

Mittel und Wege um den Arbeitskräftemangel zu entschärfen bietet auch die Digitalisierung, bei der Vybiral österreichweit noch große Potenziale sieht - besonders wenn es darum geht, Produktions- und Arbeitsprozesse zu digitalisieren, digitale Vertriebskanäle zu schaffen oder auch im Bereich des Back-Office Maßnahmen zur Steigerung der Effizienz zu setzen.


Zwei Drittel der Unternehmen ignorieren die reale Cybergefahr.

Diese und weitere Maßnahmen werden dringend notwendig sein, denn die Prognosen der Statistik Austria indizieren, dass sich das verfügbare Arbeitskräftepotenzial in den kommenden Jahrzehnten weiter reduzieren wird, wenn sich die Bevölkerungsentwicklung konstant fortsetzt wie das in den vergangenen Jahrzehnten der Fall war. Demnach würde sich die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter in Österreich von 2020 bis 2030 von 4,582 Millionen um rund 150.000 auf 4,434 Personen reduzieren und im folgenden Jahrzehnt weiter auf 4,343 Millionen zurückgehen.

Ein Pferdefuß der Digitalisierung ist, dass als Begleiterscheinung auch die Anforderungen an die IT-Security-Systeme laufend zunehmen. Und dabei sieht KSV-Chef Vybiral die heimischen Unternehmen noch weit in der Bringschuld: "Zwei Drittel der Unternehmen ignorieren weiterhin die reale Cybergefahr. Dabei nimmt die laufend zu. Die Zahl der Anzeigen wegen Internetkriminalität ist deutlich gestiegen und das Risiko wird weiter zunehmen. Auch die Ukraine-Krise hat die Cybergefahr gesteigert."

Trotz der vielfältigen Risiken und Probleme, die auf der Wirtschaft lasten, kommt der KSV1870 jedoch zum Schluss, dass die österreichischen Unternehmen weitgehend solide aufgestellt sind und in der Vergangenheit recht ordentlich gewirtschaftet haben. "Ein KSV1870 Rating von durchschnittlich 352 bedeutet eine geringe Ausfallwahrscheinlichkeit und ist in Zeiten einer globalen Pandemie und eines Krieges, der die Weltwirtschaft maßgeblich beeinflusst, ein zufriedenstellendes Ergebnis“, erklärt Gerhard Wagner, Geschäftsführer der KSV1870 Information GmbH.

Das aktive Forderungsmanagment gehört zu den Pflichten eines jeden Unternehmens.

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