Wie Österreichs Wirtschaft und Haushalte jetzt Energie sparen sollen

Die Energiesparkampagne "Mission 11" soll die Österreicher zum sorgfältigeren Umgang mit Energie und zum Sparen bringen. Durch einfache Maßnahmen könnte der Energieverbrauch um 11 Prozent reduziert werden.

Thema: Nachhaltigkeit
Wie Österreichs Wirtschaft und Haushalte jetzt Energie sparen sollen

Unkompliziert, ohne viel Geld in die Hand zu nehmen und ohne nennenswerte Einbußen in der Lebensqualität Energie sparen - mit einfachen Verhaltensmaßnahmen sollen die Österreicher dazu bewegt werden, ihren Beitrag dazu zu leisten, dass der Energieverbrauch im Land reduziert und damit die Abhängigkeit von russischem Gas verringert wird.

Ob in Privathaushalten, Büros oder in produzierenden Betrieben - überall soll es zu einem bewussteren Einsatz von Energie kommen. Das wird bedingen, dass man sich im Winter 2022/23 in Österreich und in ganz Europa etwas wärmer anziehen muss. Der EU-Gasnotfallplan hat für öffentliche und kommerzielle Gebäude und Büros ein Absenken der Temperatur auf 19 Grad vorgesehen.

Auf 19 Grad sollen Privathaushalte die Temperatur gar nicht reduzieren müssen, aber "Dreh klein, spar ein – senke die Heiztemperatur um zwei Grad" ist einer der Slogans, mit denen Energieministerin Leonore Gewessler im Rahmen der Kampagne "Mission 11" die Österreicher dazu bewegen will, Energie zu sparen.

Viele weitere einfache Maßnahmen wie die Fenster abzudichten, den Gefrierschrank abzutauen oder die Energiesparprogramme bei Waschmaschine und Geschirrspüler zu nutzen, beim Kochen einen Deckel auf den Topf zu geben oder schlichtweg das Licht und elektronische Geräte abzuschalten, wenn sie nicht benötigt werden können den Berechnungen der österreichischen Energieagentur zufolge dazu beitragen, dass 11 Prozent des gesamten österreichischen Energiebedarfs eingespart werden.


Mission 11 Energiespartipps

Die Energiespartipps der "Mission 11".

Die Energiespartipps der "Mission 11".

Energie sparen beim Heizen

  • Zimmertemperatur. Die Temperatur über die gesamte Heizperiode um 2 Grad senken reduziert die Heizkosten um jährlich zwölf Prozent.
  • Heizkörper freihalten. Wärme wird vor allem über Luftzirkulation im Raum verteilt. Heizkörper sollten daher nicht mit Möbeln oder Vorhängen verdeckt sein.
  • Heizkörper entlüften. Luft im Heizkörper verhindert die richtige Zirkulation des Heizwassers und senkt die Wärmeabgabe.
  • Fenster abdichten. Undichte Fenster verursachen einen mindestens 10% höheren Energieverbrauch. Dichtungsbänder reduzieren den Wärmeverlust.
  • Stoßlüften. Drei Mal täglich Stoßlüften statt Dauerkippen verhindert das Abkühlen der Wände und spart 5% Energie.
  • Türen schließen. Türen zu unbeheizten Räumen schließen spart weitere 5% Energie.
  • Temperatur absenken. Wenn niemand zu Hause ist die Temperatur absenken und die Heizung kurz vor dem Nachhausekommen mit einem programmierbaren Thermostat einschalten.
  • Luftfeuchtigkeit. Feuchtere Luft lässt uns Temperaturen als wärmer empfinden, und spart somit Energie. Pflanzen oder Luftbefeuchter helfen, die ideale Luftfeuchtigkeit von 30 bis 55 Prozent zu erreichen.

Energie sparen im Bad

  • Kürzer duschen. Die durchschnittliche Duschzeit in Österreich beträgt fünf Minuten. 1 Minute weniger spart 20 Prozent Energie.
  • Duschen statt Baden. Eine volle Badewanne verbraucht mindestens die doppelte Menge Wasser wie ein durchschnittlicher Duschgang.
  • Sparduschkopf. Spart bis zu zehn Liter Wasser pro Minute.
  • Temperatur reduzieren. Mit etwas niedrigerer Temperatur duschen reduziert den Energiebedarf und tut der Haut gut.
  • Kaltes Wasser. Zum Zähneputzen oder Händewaschen, reicht kaltes Wasser oft aus. Bis es sich erwärmt hat, ist der Vorgang meist beendet, und das warme Wasser kühlt unverwendet in der Leitung aus.

Energie sparen mit Elektronik

  • Standby deaktivieren. Viele elektronische geräte laufen dauerhaft auf Standby. Eine schaltbaren Steckerleiste oder ein Netzschalter spart bis zu zehn Prozent Energie.
  • Waschen und spülen. Waschmaschinen und Geschirrspüler nur voll beladen unf mit Eco- bzw. Energiesparprogramm verwenden.
  • Beleuchtung. LED-Lampen haben eine 15- bis 20-fach höhere Lebensdauer als Glüh- oder Halogenlampen und sparen rnd 90 Prozent Strom.
  • Büro. Laptops und Tablets verbrauchen weniger Strom als Desktop-PCs.

Energie sparen beim Kühlen

  • Defrost. Gefrierschrank regelmäßig abtauen. Eine Eisschicht von 5 Millimeter erhöht den Verbrauch um 30 Prozent.
  • Kühlschrank befüllen. In einem leeren Kühlschrank wird Luft gekühlt, die beim Öffnen entweicht. Das verbraucht viel Energie. Ein gut gefüllter Kühlschrank spart daher Energie.
  • Abdichten. Dichtungen des Kühlschranks regelmäßig kontrollieren und bei Bedarf austauschen.
  • Einfrieren. Zum Tiefkühlen genügen –18 Grad.
  • Kalt zu kalt. Einen Kühlschrank nicht neben eine Wärmequelle stellen. Speisen auskühlen lassen bevor sie in den Kühlschrank kommen.

Energie sparen beim Fahren

  • Öffentliche Verkehrsmittel. Ein Wechsel auf öffentliche Verkehrsmittel spart 78 Prozent Energie.
  • Fahrrad. Fahrrad fahren bringt den Energieverbrauch auf null und ist gesund. 19 Prozent aller Autofahrten sind zudem kürzer als 2,5 Kilometer und können einfach mit dem Fahrrad ersetzt werden.
  • Runter vom Gas. Tempo 100 km/h auf Autobahnen und 80 km/h im Freiland spart rund 24 Prozent Kraftstoff.

Weitere Energiespartipps finden Sie auf klimaaktiv.at


Strom sparen, Gas sparen

Grundlos werden die Österreicher nicht zum Energie- und Stromsparen aufgerufen. "Die Situation ist ernst", betont Wirtschafts-und Arbeitsminister Martin Kocher. Die hohen Energiepreise, vor allem der hohe Gaspreis, belasten Haushalte und Unternehmen enorm. Die Regierung setze zwar Maßnahmen zur Abfederung der Teuerung, aber es müsse alles getan werden, um sparsam mit Energie umzugehen. "Jeder Prozent Strom, den wir einsparen, hilft natürlich, Gaskraftwerke seltener zu brauchen", so Kocher. Die Energiesparkampagne versuche daher, das Bewusstsein zu stärken, dass "jeder und jede mit seinem Verhalten etwas bewirken kann".

Vor allem im Winter ist es in Österreich nötig, für den Energiebedarf zusätzlich Gaskraftwerke in Betrieb zu nehmen, doch die Gaskraftwerke könnten bei einem Lieferstopp aus Russland eines Tages stillstehen - selbst wenn die Gasspeicher aktuell zu rund 70 Prozent gefüllt sind. "Die Maßnahmen klingen vielleicht ein bisschen banal, man weiß vieles, aber ob man es im Alltag wirklich umsetzt, ist eine andere Frage", betont Barbara Schmidt, Generalsekretärin von Oesterreichs Energie, der Interessenvertretung der österreichischen E-Wirtschaft.

Die Basis der Energiesparkampagne bildet eine Untersuchung der Österreichischen Energieagentur AEA. Diese beschäftige sich "seit 40 Jahren mit Energiesparen, 39,5 Jahre davon hat es niemanden interessiert", sagt AEA-Geschäftsführer Franz Angerer. Im letzten halben Jahr habe sich vieles verändert. Die Energieagentur hat im Auftrag der Regierung geschätzt, wie viel Energie im Privatbereich kurzfristig eingespart werden kann. Dazu habe man sich verschiedene Musterhaushalte angeschaut und unterschiedliche Einsparmöglichkeiten bewertet. Demnach könnten mit den empfohlenen Maßnahmen in den Bereichen Strom, Wärme, Mobilität und Warmwasser insgesamt 11 Prozent des derzeitigen Energieverbrauchs eingespart werden.

Weitere Energiesparmaßnahmen

Neben der Energiesparkampagne arbeite die Regierung auch an mittel- und längerfristigen Maßnahmen zum Energiesparen, darunter etwa das Energieeffizienzgesetz. Auch ein Paket von verbindlichen Maßnahmen wird aktuell im Klimaministerium ausgearbeitet. Unter anderem wird dabei auch ein österreichweites Verbot von Heizschwammerln in der Gastronomie geprüft. In Graz tritt dieses bereits mit Jahreswechsel beschlossen. Dann laufen die Genehmigungen für den Betrieb von Outdoor-Heizungen aus. Neue werden nicht erteilt, sofern die Energie-Frühwarnstufe aktiv ist.

Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) sieht weiteres Einsparpotenzial im Bereich der Mobilität und fordert etwa niedrigere Tempolimits und die Abschaffung von Steuerbegünstigungen für Firmenwagen mit Verbrennungsmotoren. Der ÖAMTC wiederum will nicht durch Tempolimits, sondern durch Maßnahmen wie einer Umstellung der Ampelschaltung auf eine "Grüne Welle", mehr Homeoffice oder der Förderung von Fahrgemeinschaften Treibstoff sparen.

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