Georg List: "Moderne Autos sind Software auf Rädern"

Georg List, Strategiechef der AVL List, im trend. Interview über Software im Auto, Cybersecurity und das Metaverse als Treiber der Entwicklung - sowie AVL als Arbeitgeber.

Georg List, Strategiechef AVL List

Georg List, Strategiechef AVL List

trend: Würde AVL heute neu gegründet, hätte es eher ein S wie Software im Namen als ein V wie Verbrennungsmotor, oder?
Georg List: Ein interessanter Punkt! Zunächst war die Software ja im Dienst der Hardware, jetzt ist sie so mächtig, dass sie fast on Top ist. Das erlaubt es noch besser, den User in den Mittelpunkt zu rücken. Tatsache ist, dass Autos heute schon Software auf Rädern sind. 3.000 der 10.700 Mitarbeiter bei AVL sind bereits Softwerker. Und der Anteil steigt, denn noch immer sind die einzelnen Softwareeinheiten nur sehr sequenziell miteinander verbunden. Kennen Sie den deutschen Komiker Otto Waalkes?

Natürlich.
Es gibt diesen Kult-Sketch von Waalkes, in dem er erklärt, wie die Organe des Körpers miteinander sprechen: Ohr an Großhirn, Großhirn an alle, Milz an Großhirn usw. So ähnlich kommunizieren die bis zu 100 Steuerungseinheiten in einem Auto bisher miteinander. In Zukunft gilt es, sie viel besser zu vernetzen und zu synchronisieren.

Was ist die Rolle von AVL als unabhängiger Entwickler zwischen den Autoherstellern?
Manche OEMs, etwa Tesla, wollen am liebsten alles selber machen, andere sourcen gezielt aus. Das war ja schon beim Motor so. Für manche Hersteller war das stets das Herz des Fahrzeugs, und deshalb kamen externe Entwickler kaum in Spiel. Dieses Verhältnis hat sich über Jahrzehnte eingerüttelt, das wird auch bei der Software der Fall sein.

Software steckt nicht nur im Antrieb, sondern ist auch essenziell für das Infotainment-System, das immer wichtiger wird. Kann ein Unternehmen, das aus der Motorentwicklung kommt, in diesem Bereich reüssieren?
Fahrerassistenzsysteme, kurz ADAS, sind schon ein wichtiger Schritt dorthin. Ich kümmere mich um den Fahrer, ich monitore ihn, teilweise ersetze ich ihn.

Wie weit geht das?
Für die Produktentwicklung ist das Metaverse bereits jetzt Tatsache. Wir haben hier in Graz einen Simulator, der ein Auto auf dem Prüfstand ansteuern kann. Von demselben Prüfstand aus haben wir auch schon ein E-DTM-Fahrzeug auf dem Österreichring von einem Fahrer in Graz steuern lassen.

Sind das nicht eher Showcases?
Warum sollten diese Dinge nicht auch irgendwann zum Konsumenten kommen? Es macht intuitiv Sinn. Wir werden mit Augmented Reality fahren. Oder es wird eben eine Entertainmentfunktion eingeblendet. AVL wird aber nicht der Bespaßer am Frontend sein, wird also keine Medieninhalte liefern, sondern als Ermöglicher im Hintergrund bleiben. In diesem Fall hat Software überhaupt noch einmal eine andere Wertigkeit. Cybersecurity und das Metaverse spielen also für die Mobilität eine Rolle und sind riesige Treiber von Software.

Hardware wird eine Commodity?
Das sagen viele, ich glaube nicht daran. Sie würden nicht glauben, was derzeit in die Weiterentwicklung des Elektromotors, einer 120 Jahre alten Entwicklung, geht. Und da spreche ich noch gar nicht von Brennstoffzellen und Wasserstoff.

Warum sollte ich als Softwaretalent zu AVL gehen, und nicht zu Google oder Tesla?
Warum bleiben die Mitarbeiter, die wir haben? Weil wir ein sehr breites Themenprofil haben: Batteriemanagementsystem und Simulationssoftware, ADAS und Cloudlösungen etc. Bei großen Unternehmen ist das schwieriger. Aber es ist nicht nur die Breite, sondern auch die Abwechslung: Einmal etwas für einen chinesischen Hersteller machen, dann wieder für einen Sportwagenproduzenten oder ein Start-up. Drittens ist es der Raum für Innovation, den wir unseren Mitarbeitern geben. Leute erkennen, dass sie bei uns wirklich neue Dinge machen können.

Welche Profile suchen Sie am dringendsten?
Es kommen jetzt einige neue Elektronik-Architekturen, quasi die Vorstufe zur Software. Da suchen wir sehr intensiv nach Architekten. Natürlich auch Datenspezialisten und Experten für künstliche Intelligenz (KI).

Sprechen Sie gezielt Quereinsteiger an?
Nicht alle unserer 3.000 Softwerker sind gelernte Softwarespezialisten. Intern haben wir die Veränderungsbereitschaft gut analysiert und genutzt. Extern ist es schwierig. In neuen Technologien ist es allerdings anders. Da kommen Leute aus dem Bereich KI und sagen: Ich habe mit Automotive zwar nichts am Hut, aber ADAS ist so cool, das schaue ich mir einmal an.


ZUR PERSON.

GEORG LIST leitet die Unternehmensstrategie von AVL List. Der studierte Maschinenbauer (ETH Zürich) war davor u. a. 16 Jahre für die Unternehmensberatung Booz &Company tätig.


Das Interview ist der trend. PREMIUM Ausgabe vom 8. Juli 2022 entnommen.

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