Ex-Basketballer Herbert Haselbacher - Hotelier mit Sportsgeist

Ex-Basketballer Herbert Haselbacher - Hotelier mit Sportsgeist

Power Couple. Herbert Haselbacher plant, entwickelt und baut. Seine Ehefrau Andrea zeichnet für das Interieur der Hotels verantwortlich.

Herbert Haselbacher ist ein Hidden Champion. Der Ex-Basketballer zog in den vergangenen Jahrzehnten eine internationale Hotelkette auf, die er jetzt unter dem Luxusbrand Almanac vereint. Häuser in Wien, Budapest, Prag und Zagreb eröffnen 2019.

In den 70ern war er ein Top-Basketballspieler: mit UBSC Vienna wurde er elfmal österreichischer Meister. Er spielte im European All-Star Team und gehörte zehn Jahre lang dem Nationalteam an. Sportsgeist zeigt Herbert Haselbacher, 66, auch heute noch - wenn auch in einer anderen Branche. Der Mann entwickelt, errichtet und betreibt seit vielen Jahren Hotels im Luxussegment (u. a. das Radisson Blu Style in der Herrengasse, Radisson Blu Palais Hotel am Parkring, das Radisson Blu Alcron in Prag oder das Esplanade in Zagreb). Und: er ist auch Inhaber der City-Golfund Country-Club-Golfplätze Wienerberg und Richardhof. Sein Investment in den vergangenen drei Jahrzehnten: 300 Millionen Euro. Derzeitiger Immobilienwert: rund 800 Millionen Euro.

Jetzt hat sich der öffentlichkeitsscheue Mann dazu entschlossen, alle Hotelimmobilien in seiner WSF Group unter dem eigenen Luxusbrand Almanac zu einen. "Plan ist es, innerhalb der kommenden fünf Jahre eine feine Gruppe von 20 Almanac-Hotels in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika zu kreieren", so Haselbacher. In dieser operativen Struktur sollen nicht nur die eigenen Hotels, sondern auch Hotels von Dritteigentümern integriert werden.

Im November wurde bereits das erste Almanac in Barcelona eröffnet. Nur wenige Schritte von der Plaça de Catalunya und den Ramblas entfernt befindet sich das Boutiquehotel mit 91 Zimmern und Suiten, dem Restaurant "Linia", Rooftop-Bar und Pool. Haselbachers Geschmack trifft offenbar den Zeitgeist. Denn dem trendigen Haus in Barcelona, designt vom chilenisch-spanischen Innenarchitekten Jaime Beriestain, wurde jüngst der Prix Versaille in der Kategorie "bestes Design-Hotel Europas" verliehen. Beriestain wird auch für das Almanac Vienna (das ehemalige Radisson Blue am Parkring 14) verantwortlich zeichnen, das Ende 2019 in Wien eröffnet wird.

In das Haus am Ring, an dem auch der in Monaco lebende Geschäftsmann Jamal Kaddaj beteiligt ist, kommen 122 Zimmer und Suiten, ein Spa und ein Concept Store. Neben dem Hotelbetrieb sind zwölf Luxusapartments mit Concierge-und Hotelservice geplant. Der Preis für die Suiten: 30.000 Euro pro Quadratmeter. Zeitnah sollen auch die Almanacs Budapest, Prag und Zagreb eröffnen. Ein Projekt in Moskau und eines in Sankt Petersburg stehen kurz vor der Realisierung.

Die dynamische Entwicklung bei den Übernachtungen in Wien spielt Haselbacher jedenfalls in die Hände. Laut WienTourismus soll die Zahl der Übernachtungen bis 2020 auf 18 Millionen steigen, was ein Plus von drei Millionen gegenüber dem Rekordjahr 2017 bedeuten würde. Hotelexperten sind überzeugt, dass zusätzliche Gäste nur mit dem Bau neuer Hotels beherbergt werden können.

Es kommen deshalb etliche neue Häuser auf den Markt beziehungsweise haben jüngst eröffnet: ob das Teddy Kollek Haus mit 162 Serviced Apartments am neuen Hauptbahnhof, das Ruby Lissi am Fleischmarkt, das Roomz im Prater, das Andaz am Belvedere, das Mooons-Hotel am Wiedner Gürtel, das Post Palais von Michael Tojner oder Bernd Schlachers Motto Hotel.

STYLISH IN BARCELONA. Das Entree des Hotels Almanac ist offen und modern gestaltet. Architekt war Jaime Beriestain.

Doch wie kommt ein Basketballspieler auf die Idee, ins Hotelbusiness einzusteigen? Wie so oft führte der Zufall Regie: Während der aktiven Zeit als Basketballer schloss Haselbacher sein Wirtschaftsstudium ab. Kurz darauf wurde ihm die Geschäftsführung des 1984 gegründeten Bosei-Hotels am Wienerberg angeboten, das ursprünglich als Zentrum für Budo-Sport (z. B. Judo, Kendo oder Karate) und kulturelle Events von der Tokai-Universität, Japan, betrieben wurde. Obwohl Haselbacher damals noch ein Greenhorn in Sachen Hotelmanagement war, vertrauten die Japaner dem Spitzensportler.

Die drei Säulen

Die Übung gelang. 1991 baute er sein eigenes Business auf und gründete die WSF Group. Sein erstes Projekt war die Erschließung des damals weitgehend brachliegenden Areals am Wienerberg, er entwickelte den City und Country Golfclub mit Neun-Loch-Kurs am Wienerberg und den Richardhof in Gumpoldskirchen sowie das Arion City Hotel.

WEITBLICK. Die Zimmer mit Blick auf die Plaça de Catalunya und die Flaniermeile Ramblas vereinen Komfort und modernste IT-Technologie.

Das Konzept von Haselbacher steht auf drei Säulen: Teamgeist, gute Kalkulation und Weitblick. Sein Team ist die Familie. Tochter Tina ist wie Ehefrau Andrea (ebenfalls eine ehemalige Basketballspielerin) ausgebildete Innenarchitektin. Die beiden zeichnen für das Interieur in den Hotels verantwortlich. "Der gesamte Design-und Einrichtungsprozess wird bei uns inhouse gemacht." Sohn Patrick studiert Betriebswirtschaft und arbeitet ebenfalls bereits im Familienbetrieb mit.

Die Familie Haselbacher hat insgesamt ihre Geschäftspolitik neu ausgerichtet. Anstatt drei Prozent Base Fee und rund acht Prozent Incentive Fee an internationale Hotelbetreiber zu zahlen, betreibt sie die Häuser nunmehr in Eigenregie. Managementverträge, die Haselbacher noch mit Rezidor in Prag oder Radisson in Wien hat, laufen aus. Die Häuser werden dann in Almanac umbenannt.

Ans Aufhören denkt Sportsmann Haselbacher freilich noch lange nicht. Er brütet gerade über einem neuen Golfprojekt in Güssing, das bereits in der Widmungsphase ist. Er bleibt immer am Ball, auch privat, wenn er mit seinem Racket den Tennisball schlägt.

RELAX-ZONE. Rooftop mit Pool lädt zum Entspannen ein.


Die Geschichte ist im trend 25/2018 am 22. Juni 2018 erschienen

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