Geldanlage: Wenig Wissen, viel Unsicherheit

Finanzbildung ist in Österreich keine Erfolgsstory. Ein TREND.TALK zu den Konsequenzen daraus – und wie man es besser machen kann.

(vlnr) Johanna Mayer, Jungunternehmerin | Joachim Seebacher, Swiss Life Select | Arne Johannsen, Wirtschaftsjournalist | Sonja Ebhart-Pfeiffer, Verband Financial Planners

(vlnr) Johanna Mayer, Jungunternehmerin | Joachim Seebacher, Swiss Life Select | Arne Johannsen, Wirtschaftsjournalist | Sonja Ebhart-Pfeiffer, Verband Financial Planners

TREND.TALK zum Thema "Geldanlage"

Joachim Seebacher, Swiss Life Select

Zinsen, Rendite, Inflation – viele Österreicher können mit diesen Begriffen wenig bis gar nichts anfangen. Macht vielleicht auch gar nichts, nicht jeder muss sich mit dem Fachchinesisch der Finanzmärkte auskennen. Allerdings: "Wer ein selbstbestimmtes Leben führen will, zudem nun einmal eine gewisse finanzielle Unabhängigkeit gehört, muss sich mit seinen privaten Finanzen beschäftigen “, betont Joachim Seebacher, Geschäftsführer des Finanzdienstleisters Swiss Life Select, “und dazu gehört ein Basis-Finanzwissen.”


Wer ein selbstbestimmtes Leben führen will, muss sich mit seinen privaten Finanzen beschäftigen.

Joachim Seebacher, Swiss Life Select

Wie es darum in Österreich bestellt ist, war Thema eines aktuellen TREND.TALK. Pointierter Titel: “Von Fonds und anderen Tieren”. Studien etwa der OECD zeigen, dass jeder fünfte Österreicher über kein ausreichendes Finanzwissen verfügt, um etwa den Zusammenhang zwischen hoher Inflation und Geldentwertung zu verstehen. “Hinzu kommt, dass sich viele Menschen hilflos fühlen, weil sie einfach nicht wissen, wie sie zum Beispiel auf die steigende Inflation konkret reagieren können, welche Handlungsmöglichkeiten sie haben”, weiß Prof. Bettina Fuhrmann, Vorständin des Instituts für Wirtschaftspädagogik an der WU Wien, aus eigenen Untersuchungen. Ihr Befund zum Thema Finanzbildung in Österreich: “Da ist noch viel Luft nach oben.”


Beim Finanzwissen der Österreicher ist noch viel Luft nach oben.

Prof. Bettina Fuhrmann, Wirtschaftsuni Wien

Johanna Mayer, Jungunternehmerin

Zusätzliches Problem: Laut einer Befragung für den Österreichischen Bankenverband sind 75 Prozent überzeugt, sich gut mit Finanzen auszukennen. Wenig Wissen in Kombination mit Selbstüberschätzung - das klingt gefährlich. Was aber tun, um das zu ändern? “Wichtig ist es, überhaupt Aufmerksamkeit und Bewusstsein für das Thema zu schaffen, egal, ob in der Schule, in der Lehre oder beim Studium”, sagt Johanna Mayer, als Jungunternehmerin mit eigener Agentur für Nachhaltigkeitsberatung. Sie gehört zu der Generation, die nach abgeschlossener Ausbildung im Job gestartet ist und erstmals auch die finanziellen Möglichkeiten hat, über Geldanlage und Vorsorge nachzudenken. “In meinem Freundes- und Bekanntenkreis sind die Finanzen ein Thema. Wir wissen, dass es mit der staatlichen Pension für uns nicht so rosig ausschaut und Selbstverantwortung notwendig ist. Aber das auch umzusetzen, das ist die große Herausforderung. Da ist wenig Wissen und viel Unsicherheit”, sagt Mayer.


Wir wissen, dass es mit der staatlichen Pension für uns nicht so rosig ausschaut. Aber diese Erkenntnis auch umzusetzen, das ist die große Herausforderung.

Johanna Mayer, Jungunternehmerin

SONJA EBHART-PFEIFFER, Vorstandsmitglied des Verbands Financial Planners

Finanzberater Seebacher bestätigt diese Beschreibung. “Den meisten Menschen ist die Pensionsproblematik bewusst, aber die wenigsten tun etwas dagegen. Diese Kluft zwischen kognitiver Einsicht und rationalem Handeln wollen wir durch unsere Beratung schließen.” Ganz ähnlich die Tipps von Sonja Ebhart-Pfeiffer, Vorstandsmitglied des Verbands Financial Planners, der sich für eine hohe Qualität in der Finanzberatung engagiert: “Sich Informieren und gemeinsam mit einem qualifizierten Berater einen Finanzplan erstellen, der den eigenen Wünschen und Möglichkeiten entspricht, das sind entscheidende Schritte.”


Sich informieren und gemeinsam mit einem qualifizierten Berater einen Finanzplan erstellen, das sind entscheidende Schritte.

Sonja Ebhart-Pfeiffer, Verbands Financial Planners

Worüber sich die Diskussionsrunde einig war: Die Schule sollte sich dem Thema Finanzbildung stärker annehmen. “Ein eigenes Schulfach ‘Wirtschaft’ wäre wünschenswert”, betont Johanna Mayer. WU-Professorin Fuhrmann unterstützt das, “zumal die Schülerinnen und Schüler großes Interesse vor allem an Geldfragen haben, wie unsere Untersuchungen zeigen. Ein solches Angebot wäre auch ein Gebot der Fairness gegenüber den Jugendlichen, bei denen wirtschaftliche Fragestellungen Zuhause kein Thema sind.”

Nicht zuletzt Bitcoin und andere Kryptowährungen haben das Interesse junger Menschen am Thema Geldanlage geweckt, zumal der Zugang zum Finanzmarkt dank Online-Plattformen und Apps so einfach ist wie noch nie – mit entsprechenden Gefahren. Sonja Ebhart-Pfeiffer: “Ich sehe es positiv, wenn sich junge Menschen mit Geldanlage beschäftigen. Aber wenn man sich vorher nicht ausreichend informiert, kann da gerade bei spekulativen Anlagen auch einiges schiefgehen.”

Immerhin: “Corona hat nicht nur die Sparquote erhöht - mangels Möglichkeiten, Geld auszugeben -, sondern auch dazu geführt, dass sich viele Menschen Gedanken über Geldanlage gemacht haben”, sagt Joachim Seebacher, “das Interesse ist gestiegen, das merken wir in unseren Beratungsgesprächen.”


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