Tipps, wie Sie gebrauchten Schmuck und Münzen am besten losschlagen

Wer jetzt sein Altgold verkauft, wird oft über den Tisch gezogen. FORMAT ging auf Mystery-Shopping und erzielte für dasselbe Edelmetall-Konvolut Preise zwischen 344 und 834 Euro.

G oldankauf sofort und gegen Barzahlung verspricht das Plakat vor dem Brillengeschäft Panorama Optik im zweiten Wiener Gemeindebezirk. Beim Testbesuch wirft der Optiker einen prüfenden Blick auf die mit­ge­brach­ten Familienerbstücke. Für drei Rin­ge, eine Goldkette, ein Silberarmband, ein Gold-Collier, eine 500-Schilling-Silbermünze und eine Goldmünze würde er 344 Euro springen lassen. Auf den ersten Blick eine stattliche Summe, auf den zweiten reine Abzocke.

Für die Goldmünze mit Kaiser Franz Joseph gibt es anstelle des aktuellen Marktwertes von 111 Euro nur 42 Euro. Für den 18-Karat-Ehering ohne Punzierung verrechnet der Händler nur den Preis für 14-karätiges Gold. Auf Nachfrage rechtfertigt der Optiker die schlechten Kurse damit, dass der Altgoldkauf nicht sein Hauptgeschäft sei und er sich lediglich an die Preisliste einer Agentur halte, in deren Auftrag er handle. Immerhin sagt er aber, dass man für die 500-Schilling-Silbermünze bei der Münze Öster­reich mehr bekomme.

Wer seinen alten Schmuck bei der erst­besten Gelegenheit versetzt, kann billig abgespeist werden, so das Ergebnis des FORMAT-Mystery-Shoppings. Bei der richtigen Adresse kann man ein Vielfaches lukrieren.

Richtwerte im Internet

Um ein Gefühl für den Wert eines Schmuckstücks zu bekommen, hilft die Homepage der Ögussa. Dort stehen die tagesaktuellen Kurse, die je nach Goldgehalt pro Gramm von der Schmelzanstalt gezahlt werden. In insgesamt sieben Filialen in Österreich nimmt die Gold- und Silberscheideanstalt das alte Edelmetall zurück. Wegen des extrem ­hohen Gold- und Silberpreises gibt es derzeit besonders viel zu tun. Reinhard Walz, Ögussa-Verkaufsleiter: „Vor drei Jahren hatten wir täglich pro Filiale zwischen 30 und 50 Schmuckeinlösungen. Jetzt sind es zwischen 150 und 200 Ankäufe. Besonders beliebt sind Silberbestecke.“

Wer einen angemessenen Preis für sein wertvolles Altmetall erzielen will, ist hier gut aufgehoben. Die Experten prüfen nicht nur die mitgebrachten Stücke auf Echtheit, sondern machen auch darauf aufmerksam, dass man für die Steine nichts zahlen ­könne. Walz: „Mit Steinen können wir nichts anfangen. Was zu uns kommt, wird eingeschmolzen, gereinigt und dann meist an die Industrie verkauft.“

Deshalb gibt es bei der Ögussa keine Vergütung für Edelsteine oder für die ­Arbeit eines besonders schön gefertigten Teils. Diese Schmuckstücke erzielen oft beim Auktionshaus Dorotheum höhere Preise. Ein Vergleich mit einem Collier aus 18-Karat-Gold zeigt den Unterschied. Zwischen dem Optiker in der Taborstraße, der für das Collier gerade einmal 137 Euro hergeben möchte, und dem Bestgebot des Dorotheums, das einen Ausrufpreis von 600 Euro errechnet, liegt eine Differenz von 463 Euro. Bei dem hohen Ausrufpreis des Dorotheums rechnet sich der Verkauf trotz Spesen in Höhe von 20 Prozent. Der reine Goldpreis für das Collier liegt laut Ögussa bei 324 Euro. Ögussa-Schätzmeister Wolfgang Kramarik: „Bei diesem Stück lohnt es sich, die Billanten von einem Juwelier oder Goldschmied ausfassen zu lassen, ­bevor es eingeschmolzen wird.“

Entscheidendes Kriterium für den Verkauf ist die Punzierung, die bei im Inland gefertigten Schmuckstücken meist auf der Innenseite eingraviert ist. Je ­reiner das Goldstück ist, desto höher also der Verkaufspreis. Während für 14-ka­rätiges Bruchgold (Punzierung 585) Anfang der Woche 15,7 Euro pro Gramm ­bezahlt ­wurden, sind es für 18-Karäter (Punzierung 750) schon 20,26 Euro pro Gramm.

Gold im Säuretest  

Es gibt aber auch Goldschmuck, der keine Punzierung hat, etwa weil er in Dubai eingekauft wurde. Dann sollten seriöse Ankäufer eine ­so­genannte „Strichprobe“ machen. Der Schmuck wird an einem schwarzen Schieferstein gerieben. Anschließend werden verschieden starke Säuren aufgetragen. Die Verfärbung zeigt an, wie hoch der Goldanteil ist und ob es sich tatsächlich um das vorgegebene Edelmetall handelt. Das wohl enttäuschendste Ergebnis hatte Ögussa-Schätzmeister Kramarik einem Kunden mitzuteilen, der einen Goldbarren scheinbar günstig über eBay kaufte und ihn zum gestiegenen Goldpreis wieder verkaufen wollte. Kramarik: „Beim Verkauf stellte sich heraus, dass der Barren nicht aus Gold, sondern nur vergoldet war. Wenn Gold beim Ankauf günstiger ist als der Kurs, sollte man prinzipiell misstrauisch sein.“

Auch wenn man Altschmuck über das Netz versilbern will, ist Vorsicht geboten. Mit dem Werbetrick „Briefgold zu Bestpreisen“ wollen Goldankäufer dazu verleiten, Schmuckstücke per Post zu senden. Wenn man dann doch nicht verkaufen möchte, dauert die Rücksendung oft bis zu drei Wochen.

Edelmetall-Verkäufer sind jedenfalls auf der sicheren Seite, wenn sie mehrere Angebote einholen. Ögussa-Verkaufsleiter Walz: „Selbst wenn mit Goldpreisen über den Tageskursen geworben wird, sagt das noch lange nicht, dass wirklich am meis­ten gezahlt wird.“ So lockt etwa der Wiener Juwelier Wiesinger auf seiner Internet­seite damit, die besten Preise Österreichs zu zahlen. Für die sieben Test-Schmuckstücke will der Juwelier einen Gesamt­betrag von 811 Euro bezahlen. Obwohl er auch die Brillanten im Collier extra vergütet, liegt der Preis um 23 Euro unter dem Gebot der Ögussa. Dort ließe der Schätzmeister 834 Euro für die Erbstücke springen.

Carolina Burger

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