KSV-CEO Vybiral: "Wir raten zu größter Vorsicht"

Sanktionen, Compliance-Fragen und Preisexplosionen: Ricardo-José Vybiral, CEO des KSV1870, über die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs auf die österreichischen Unternehmen.

Ricardo-José Vybiral, CEO KSV1870

Ricardo-José Vybiral, CEO KSV1870

trend: Herr Vybiral, der KSV1870 misst und analysiert die Entwicklung die Bonität der heimischen Unternehmen laufend. Wie stark ist denn Österreichs Wirtschaft vom russischen Angriffskrieg auf die Ukraine und den Sanktionen gegen Russland betroffen?
Ricardo-Jose Vybiral: Wir haben zum Ausbruch der kriegerischen Handlungen eine Analyse durchgeführt und sind zum Ergebnis gekommen, dass die unmittelbaren wirtschaftlichen Auswirkungen auf Österreichs Unternehmen eher überschaubar sind.

Das überrascht ein wenig. Es gibt doch zum Beispiel etliche russische Unternehmen, die von Österreich aus ihre internationalen Geschäfte steuern und die nun von den Sanktionen betroffen sind - prominentes Beispiel die Sberbank, die gleich nach dem Beginn des Kriegs Insolvenz anmelden musste.
Das stimmt, abgesehen von den bekannten russischen Banken haben wir aber nur sehr wenige Unternehmen aus Russland, der Ukraine und Belarus identifiziert, die einen protokollierten Sitz, eine Niederlassung oder ein Büro in Österreich haben. Sie sind großteils im Handel tätig. Diese kleine Gruppe ist natürlich von den Sanktionen betroffen.



Die steigenden Preise werden die Inflation weiter treiben.

Und wie steht es um österreichische Unternehmen mit russischen Beteiligungen?
Die Suche nach österreichischen Unternehmen mit einer Kapitalverflechtung im Sinne von Gesellschaftern aus Russland, der Ukraine oder aus Belarus ergab eine Anzahl von rund 450. Der Branchenmix dieser Unternehmen ist breit gestreut: Von den klassischen Handelsunternehmen, Hotellerie/Gastronomie, Immobilien-Entwicklungsgesellschaften reicht der Bogen bis zu Zweckgesellschaften für Infrastruktur. Nachdem es sich überwiegend um in Österreich tätige Unternehmen handelt, wird deren Geschäft nicht zwingend durch Embargos eingeschränkt werden. Nachdem kein Ende der Eskalationen absehbar ist, beobachten wir beide Gruppen verstärkt.

Eine weitere Folge des Kriegs sind teils massive Preissteigerungen. Wie schlagen die auf die heimische Wirtschaft durch?
Die Folgen der massiven Preissteigerung sind anders zu bewerten, denn die schlagen auf alle Unternehmen durch. Aufgrund der hohen Energieabhängigkeit sind insbesondere die Bereiche Transport und Stromerzeugung sowie die produzierenden Betriebe bzw. die Industrie im Allgemeinen in Bedrängnis. Darüber hinaus werden die steigenden Preise die Inflation weiter treiben.

Rechnen Sie aufgrund dessen mit einer steigenden Zahl von Insolvenzen?
Die unklaren Aussichten machen es aktuell sehr schwer, eine seriöse Insolvenzprognose zu treffen.

Ricardo-Jose Vybiral, CEO KSV1870

KSV1870 CEO Vybiral: "Geschäfte mit sanktionierten Unternehmen oder Einzelpersonen können sogar strafbar sein. In diesem Fall raten wir zu größter Vorsicht."

Welche Konsequenzen sehen Sie für die Bonitätsbewertung von Unternehmen besonders betroffener Branchen?
Die Preisexplosionen und die Inflation verursachen den Unternehmen aktuell die größten Schmerzen. Es gibt bei uns laufend Anfragen, ob wir aufgrund der nicht eingepreisten Steigerungen besonders betroffene Branchen nun standardmäßig schlechter bewerten. Das haben wir weder in der Corona-Krise gemacht, noch machen wir es jetzt. Es wäre weder fair noch sinnvoll, einzelne Branchen in Bausch und Bogen „downzugraden“, denn auch innerhalb dieser gibt es teils massive Unterschiede, was die wirtschaftliche Betroffenheit angeht.

Die Branchen-Ratings werden sich also nicht verschlechtern?
Nein, denn eine generelle Herabsetzung der Bonität würde viele Unternehmen abstrafen, die kaum Auswirkungen spüren oder ausgleichende Maßnahmen getroffen haben. Das wäre der Vorschlaghammer. Wir arbeiten mit Präzisionswerkzeugen und halten daher an unserem Bewertungsmodell fest. Das Mittel der Wahl sind engmaschige Einzelfallprüfungen durch unsere Analysten. Im Gegensatz zu anderen Auskunfteien hat der KSV1870 stets ein Team solcher Experten beschäftigt, das Zahlen hinterfragt, individuell prüft und bewertet. Darauf vertrauen wir auch jetzt.



Die Geldwäscheregelung verpflichtet Betriebe, zu prüfen, mit wem sie Geschäfte machen und wer dahintersteckt.

Worauf sollten österreichische Unternehmen, die mit sanktionierten Unternehmen Geschäftsbeziehungen, haben nun achten?
Bereits seit 2017 sind die Betriebe durch die Geldwäscheregelung dazu verpflichtet, genau zu prüfen, mit wem sie Geschäfte machen und wer dahintersteckt. Schon allein deshalb hat sich das Know-Your-Customer-Prinzip mehr und mehr durchgesetzt. Durch die Sanktionen erlangte das Thema jetzt aber eine völlig neue Dimension in der öffentlichen Wahrnehmung. Neben der EU-Sanktionsliste gibt es noch eine Vielzahl von anderen Ländern oder Organisationen, die solche Listen herausgeben.

Bei einer solchen Vielzahl wird es schwierig, alle Compliance-Bestimmungen einzuhalten.
Ich muss zugeben, dass das für Unternehmen wahrscheinlich schwer zu durchblicken ist und eine manuelle Prüfung einen erheblichen Aufwand bedeutet. Daher unterstützen wir die Wirtschaft mit dem ComplianceCheck. Die Daten werden täglich aktualisiert und in unser System eingespielt. Es gibt vier Kategorien im Rahmen von Compliance-Prüfungen, die international gültig sind und weltweit angewendet werden. Personen und Unternehmen, die auf einer Sanktionsliste stehen, werden dann auch als SIP (Special Interest Person) bzw. SIE (Special Interest Entity) bezeichnet, jedoch wird nicht jeder SIP oder SIE automatisch auf einer Sanktionsliste geführt. Auch strafrechtliche Verurteilungen können zur Einordnung zu einem SIP führen. Geschäfte mit sanktionierten Unternehmen oder Einzelpersonen können sogar strafbar sein. In diesem Fall raten wir zu größter Vorsicht.

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