Das kommt beim Tod eines Unternehmers auf die Erben zu

Das kommt beim Tod eines Unternehmers auf die Erben zu

Kleine und mittelständische Unternehmen kann der Tod des Unternehmers besonders aus der Bahn werfen, wenn die Nachfolge nicht geregelt ist.

Der Tod eines Unternehmers stellt die Erben vor große Herausforderungen. Was nach dem Tod des Erblassers passiert, was potentielle Erben dürfen und was zu tun ist erklärt der St. Pöltner D.A.S. Partneranwalt Georg-Friedrich Lugert.

Wenn ein Unternehmer stirbt, kann das die gesamte Firma ins Wanken bringen. Besonders heikel ist die Situation in kleinen und mittelständischen Unternehmen, wo die Führung meistens in den Händen einer einzigen Person liegt. Stirbt diese ohne die Nachfolge geregelt zu haben, ist das Chaos perfekt – ein Umstand, der in der Praxis gar nicht so selten vorkommt.


Eigentümerwechsel mit weitreichenden Konsequenzen
Speziell wenn der Verstorbene sein Unternehmen bis zuletzt geführt hat, stehen die Hinterbliebenen vor einer Reihe familiärer, betrieblicher und rechtlicher Entscheidungen.

Wenn das Unternehmen nicht aufgelöst, sondern fortgeführt werden soll, haben diese Entscheidungen oft weitreichende Auswirkungen. Denn es kommt nach dem Tod des Unternehmers zu einem Wechsel in der Unternehmensleitung und des Eigentümers.
Georg-Friedrich Lugert von der St. Pöltner Rechtsanwaltskanzlei „Das Beratungshaus“ und Partneranwalt der D.A.S. Rechtsschutz AG erklärt, was auf die Erben zukommt und worüber sich Erblasser bewusst sein sollten.

Was der Notar zu tun hat
Nach dem Ableben eines Einzelunternehmers wird ein Verlassenschaftsverfahren eingeleitet. Für dieses Verfahren wird ein Notar zum Gerichtskommissär bestellt. Dieser stellt fest, ob es ein Testament oder andere letztwillige Verfügungen gibt. Der Notar erhebt den ungefähren Wert des Vermögens und der Verbindlichkeiten des Nachlasses und verständigt die Behörden wie etwa das Finanzamt und die Gewerbebehörde.

Potentielle Erben können Verlassenschaft benützen
Potentielle Erben, die einen Erbanspruch nachweisen können und das Erbe auch antreten, haben gemeinsam das Recht, das Verlassenschaftsvermögen zu benützen, das Unternehmen zu verwalten oder die Verlassenschaft zu vertreten – soweit das Gericht nichts anderes anordnet. Die Veräußerung von Gegenständen erfordert jedoch eine gerichtliche Genehmigung, sofern das – wie zum Beispiel der Verkauf von Waren – nicht zum ordentlichen Wirtschaftsbetrieb zählt.

Erben steigen in die Verträge des Verstorbenen ein
Nach Beendigung des Verlassenschaftsverfahrens wird vom Gericht ein Einantwortungsbeschluss erlassen. Darin wird festgehalten, wer zu welcher Quote Erbin oder Erbe ist. Die Erben werden dadurch Rechtsnachfolger des Erblassers. Sie steigen in sämtliche Verträge des Unternehmens wie etwa Liefer- und Mietverträge und Arbeitsverträge ein. Die Einantwortung führt dazu, dass die Erben den Verlassenschaftsgläubigern, Pflichtteilsberechtigten und etwaigen Vermächtnisnehmern persönlich haften.

Wann Erben trotz bedingter Erbantrittserklärung voll haften
Wird das Erbe nur bedingt angetreten, also eine bedingte Erbantrittserklärung abgegeben, beschränkt sich diese Haftung auf die Höhe des aktiven Nachlassvermögens. Wenn das Unternehmen jedoch von einem oder mehreren Erben nach Einantwortung über die drei Monate hinweg hinaus fortgeführt wird, haften diese auch im Falle einer bedingten Erbantrittserklärung unbeschränkt für die Schulden, die mit dem Unternehmen verbunden sind.

Um eine unbeschränkte Haftung auszuschließen, müssen die Gläubiger entsprechend informiert werden. Entweder in Form einer Eintragung in das Firmenbuch, einer verkehrsüblichen Bekanntmachung oder einer anderen entsprechenden Mitteilung an die Gläubiger.

Verlassenschaftsvertreter wird zum Geschäftsführer
Noch am Todestag des Unternehmers entsteht für die Verlassenschaft ein sogenanntes Fortbetriebsrecht und somit für den Verlassenschaftsvertreter die Möglichkeit, das Gewerbe auszuüben. Er tritt somit in die Funktion des gewerberechtlichen Geschäftsführers ein und muss das der Gewerbebehörde umgehend melden.
Wenn aber mit der Ausübung des Gewerbes eine Gefahr für Leben oder Gesundheit von Menschen verbunden ist, muss ein geeigneter Geschäftsführer mit einem entsprechenden Befähigungsnachweis bestellt werden.

Wer nach der Einantwortung den Betrieb führen darf
Nach der Einantwortung geht das Recht des Fortbetriebs auf bestimmte Angehörige, wie Ehegatten, eingetragene Partner oder (Wahl-)Kinder und deren Nachkommen über. Dieses Recht kann auch mehreren Personen gemeinsam zustehen. Voraussetzung ist, dass der Betrieb aufgrund des Erbrechtes, eines Vermächtnisses oder einer Schenkung ganz oder teilweise auf die betreffenden Personen übergeht.
Erben Kinder, dürfen diese den Betrieb nur bis zum Ablauf des 24. Lebensjahres ohne Gewerbeberechtigung führen. Danach muss eine eigene Gewerbeberechtigung erlangt werden oder ein gewerberechtlicher Geschäftsführer bestellt werden.

Bisher angestellte Erben müssen Versicherung wechseln
Waren die Erben bisher im Unternehmen angestellt, endet spätestens mit der Einantwortung die Pflichtversicherung nach dem ASVG. Wenn sie den Betrieb fortführen, müssen sie sich daher umgehend bei der GSVG pflichtversichern. Ist das etwa wegen der damit verbundenen Kosten nicht gewünscht, muss binnen eines Monats ab Einantwortung auf das Fortbetriebsrecht verzichtet werden.

Bis wann bei Tod durch Unfall die Versicherung informiert werden muss
War der Tod des Unternehmers auf einen Arbeitsunfall oder eine Berufskrankheit zurückzuführen, ist die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt binnen fünf Tagen zu verständigen und ein Antrag auf Hinterbliebenenrente zu stellen. Darüber hinaus gilt es zu prüfen, ob Ansprüche auf Witwen- oder Waisenpensionen bestehen.

Diese Steuern können anfallen
Wird mit dem Unternehmen eine Liegenschaft vererbt, fällt für die Erben Grunderwerbsteuer an. Zudem ist zu beachten, dass bei Unternehmen die laufenden steuerlichen Verpflichtungen ab dem Todestag weiterhin zu erfüllen sind. Hierzu zählen etwa Umsatzsteuervoranmeldungen und Vorauszahlungen oder lohnabhängige Abgaben und Beiträge.
Im Hinblick auf die Einkommensteuer ist zunächst zu entscheiden, ob das Unternehmen weitergeführt werden soll. Falls der Betrieb aufgegeben oder veräußert werden soll, können aufgrund des Todes des Unternehmers Steuerbegünstigungen in Anspruch genommen werden.

Unterschiedliche gesellschaftsrechtliche Regelungen
Bei einer GmbH fällt lediglich der Geschäftsanteil des Verstorbenen (und damit die Position des Gesellschafters) in die Erbmasse. Gleiches gilt für einen Kommanditanteil an einer Kommanditgesellschaft (KG), soweit im Gesellschaftsvertrag nichts anderes vereinbart ist.

Wann eine Gesellschaft aufgelöst wird
War der Verstorbene dagegen Komplementär einer KG oder Gesellschafter einer Offenen Gesellschaft (OG), wird die Gesellschaft grundsätzlich aufgelöst. Die Erben haben aber Anspruch auf eine Abfindung. Nur im Fall einer entsprechenden Regelung im Gesellschaftsvertrag, bleibt die Gesellschafterstellung eines oder mehrerer Erben erhalten („Nachfolgeklausel“), wobei mit Zustimmung der anderen Gesellschafter auch ein Kommanditanteil verlangt werden kann.

Fehlt eine Nachfolgeklausel, haben die verbleibenden Gesellschafter einer OG oder KG die Möglichkeit, die Fortsetzung der Gesellschaft samt Erben zu beschließen. War der Verstorbene bei einer dieser Gesellschaftsformen der gewerbliche Geschäftsführer, ist binnen sechs Monaten ein neuer Geschäftsführer zu bestellen.

Vorsorge ist essentiell
Unternehmer sind gut beraten, sich frühzeitig Gedanken über eine Nachfolge zu machen und entsprechende Vorkehrungen zu treffen. Neben einem Testament gibt es auch Möglichkeiten, die Unternehmensnachfolge durch eine vorweggenommene Erbfolge zu regeln, wie etwa die Übergabe zu Lebzeiten oder auf den Todesfall, die Gründung einer Gesellschaft oder einer Privatstiftung. So kann für den jeweiligen Einzelfall Vorsorge getroffen werden und im Ernstfall bleibt die Leitung der Firma in sicheren und guten Händen.

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Dr. Karl-Renner-Promenade 10
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Telefon: +43 (0) 2742 - 707070
Telefax: +43 (0) 2742 - 707074
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