Finanzrisiko Scheidung: Darauf müssen Sie bei Trennungen achten

Je mehr Vermögen Eheleute anhäufen oder schon in die Verbindung mitbringen, umso größer das Risiko, dass es im Falle einer Trennung zu einem lange andauernden Streit über die Aufteilung des Vermögens und Unterhaltszahlungen kommt. Das sollten dabei wissen.

Finanzrisiko Scheidung: Darauf müssen Sie bei Trennungen achten

Wenn eine Ehe zu Bruch geht und die Scheidung eingereicht wird folgt in der Regel der Streit um die Aufteilung des Vermögens.

"Bis der Tod euch scheidet" - wer im Standesamt oder vor dem Traualtar steht und den Bund der Ehe eingeht, der wird wohl kaum daran denken, dass das Ende der Beziehung, die in diesem Moment geschlossen wird, oft viel schneller kommen kann als das Lebensende eines der beiden Partner. Ernüchternd mag ein Blick in die Scheidungsstatistik sein: Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Ehe in Österreich geschieden wird, liegt laut der letzten Gesamtscheidungsrate bei gut 37,6 Prozent. Die durchschnittliche Ehedauer bei der Scheidung ist 2020 leicht auf 10,6 Jahre gestiegen. Das mittlere Scheidungsalter beträgt bei Männern 45,5 Jahre und bei Frauen 42,1 Jahre.

Gegen eine Scheidung hilft kein Status. Paare entscheiden sich oft noch nach jahrzehntelang andauernden Beziehungen, getrennte Wege zu gehen. Auch Multi-Millardäre wie das Amazon-Gründerpaar Jeff und MacKenzie Bezos oder Microsoft-Gründer Bill Gates, der im Mai 2021 bekanntgab, sich nach 27 Jahren Ehe von seiner Ehefrau Melinda trennen zu werden. Bei weniger betuchten und weniger prominenten Paaren wird um eine Trennung eben weniger Aufsehen gemacht und normale Paare geben ihre Trennung auch nicht via Twitter bekannt, wie das Bill und Melinda Gates in wortgleichen Statements getan haben (siehe unten).

Das zerrüttete Ende

Melinda Gates hatte in ihrem Scheidungsantrag eine "unheilbare Zerrüttung" als Grund angegeben. Berichten zufolge sollen die Treffen von Bill Gates mit dem Milliardär Jeffrey Epstein der letzte Grund für die von ihr eingereichte Scheidung gewesen sein. Gates hatte Epstein, der 2008 wegen sexuellen Begegnungen mit einer Minderjährigen verurteilt wurde und nach weiteren Vergewaltigungsvorwürfen 2019 in einer Gefängniszelle Selbstmord beging, 2011 kennengelernt und ihn in der Folge mehrmals getroffen.

Mit 2. August 2021 wurde die Scheidung von Bill und Melinda Gates offiziell. Das frühere Ehepaar, das drei volljährige Kinder hat, kann es sich leisten, die Aufteilung des Familienvermögens Anwälten zu überlassen. Das Vermögen der Gates wird auf rund 130 Milliarden Dollar geschätzt, der Großteil davon ist in die Gates Foundation eingebracht. Das frühere Paar wird in den nächsten zwei Jahren ausloten, ob eine weitere Zusammenarbeit möglich ist. In einem CNN-Interview betonte Gates, er hoffe, seine Ex-Frau werde bleiben. Andernfalls werde er sie mit seinem privaten Vermögen auszahlen.


Unterhaltszahlungen

Den bisherigen Partner "auszahlen" - dagegen versuchen sich viele zu wehren. Auf keinen Fall wehren kann man sich gegen Unterhaltszahlungen für Kinder. Diesen steht abhängig vom Alter (bis 5; 6 bis 9 Jahre, 10 bis 14 Jahre und über 15 Jahre) ein prozentualer Anteil des monatlichen Nettoeinkommens zu, in dessen Berechnung auch das 13. und 14. Gehalt einbezogen werden. Über 15 Jahre alten Kindern muss demnach je nach Zahl der Kinder eine Unterhaltszahlung von 15 bis 20 Prozent des Nettoeinkommens gezahlt werden.

Der jeweilige Ehepartner hat ebenfalls Anspruch auf Unterhalt, sondern auch schon während einer aufrechten Ehe. Wird etwa die Haushaltsführung der Ehefrau übertragen, verpflichtet sich der Ehemann ihr gegenüber zu Unterhaltszahlungen. Dieser Anspruch erlischt weder mit der Auflösung des gemeinsamen Haushalts noch mit einer Scheidung. Dabei gilt im Scheidungsfall das Schuldprinzip. Wird im Scheidungsurteil entschieden, dass einer der Ehegatten allein oder überwiegend schuldig ist und ist dieser Ehegatte finanziell dazu in der Lage Unterhalt zu leisten, dann muss dieser dem anderen Ehegatten angemessenen Unterhalt leisten, dessen oder deren eigene Einkünfte nicht ausreichen. Die Höhe des Unterhalts wird anhand der Lebensverhältnisse der Ehegatten bestimmt. Die Höhe des Unterhalts muss angemessen sein, also für die Deckung der angemessenen Bedürfnisse ausreichen.

Hat die oder der Unterhaltsberechtigte kein eigenes Einkommen, so gilt nach der gerichtlichen Praxis, dass sie oder er 33 Prozent des Nettoeinkommens erhalten muss. Hat die oder der Unterhaltsberechtigte ein eigenes Einkommen, so erhält sie bzw. er 40 Prozent des gemeinsamen Gesamtnettoeinkommens, abzüglich des eigenen Einkommens.

Gibt es mehrere Kinder und hat der bisherige Ehepartner auch kein relevantes eigenes Einkommen, so kann es sein, dass ein bisheriger Alleinverdiener die Hälfte des Nettoeinkommens als Unterhaltszahlung abgeben muss - und zwar so lange, bis die Kinder volljährig sind oder ihre Ausbildung abgeschlossen haben - bei Studenten verlängert sich diese Frist bis zum Ende des 25. Lebensjahres - beziehungsweise der Ehepartner wieder eine neue Ehe schließt.

Unterhaltszahlungs-Rechner

Die Ansprüche von Kindern und Ehepartnern können Sie Hilfe des Unterhaltsrechners von www.scheidungen.at berechnen (siehe unten). Sollte der Rechner nicht korrekt angezeigt werden, dann klicken Sie bitte hier.


Treuepflicht

Die Ehepartner sind laut österreichischem Eherecht verpflichtet, eine Zerrüttung der Ehe zu vermeiden. Eine solche Zerrüttung setzt eine Eheverfehlung – zum Beispiel die Verletzung der Treuepflicht – oder ehewidriges Verhalten voraus. Ein ehewidriges Verhalten liegt etwa vor, wenn ein Ehepartner den anderen misshandelt, streitsüchtig ist oder ihm keinen Beistand leistet. Dazu gehört auch die Pflege im Krankheitsfall.

Die Treuepflicht bezieht sich nicht allein auf das Verbot außerehelicher, sexueller Beziehungen. Eine Eheverfehlung aus Verletzung der Treuepflicht kann zum Beispiel auch schon vorliegen, wenn der Ehemann zu einer Kollegin eine freundschaftliche Beziehung unterhält und die Ehefrau mit dieser Verbindung nicht einverstanden ist. Auch das Verheimlichen einer derartigen freundschaftlichen Beziehung vor dem Partner kann als Eheverfehlung gewertet werden.

Rechtlich und finanziell gesehen kann das schwerwiegende Folgen haben, denn hat eine Ehepartner die Ehe durch eine schwere Eheverfehlung schuldhaft so tief zerrüttet, dass die Wiederherstellung nicht erwartet werden kann, so kann der oder die andere auf Scheidung aus Verschulden des Partners klagen. Wer gegen die Treuepflicht verstößt gilt im Fall einer Scheidung üblicherweise als schuldig und ist verpflichtet, in der Folge Unterhalt zu zahlen


Ehevertrag schützt vor Überraschungen

Die Schmerzen, hervorgerufen durch finanzielle Verluste, verursacht durch eine Scheidung, können jedoch schon von vorneherein erheblich eingedämmt werden, wenn zwei Liebende vor der feierlichen Vertragsunterzeichnung am Standesamt ein paar entscheidende Punkte beachten.

Der wichtigste Rat ist, schon vor der Eheschließung einen Ehevertrag abzuschließen, speziell wenn nennenswerte Vermögenszuwächse in einer Ehe absehbar sind oder wenn bereits vor der Eheschließung Besitztümer bestehen. Dabei handelt es sich um einen einfachen Notariatsakt, in dem festgehalten ist, wer im Falle einer Trennung was bekommt, respektive eben worauf im Falle einer Trennung kein Anspruch besteht.

Das Thema ist vielleicht keines über das man vor einer Hochzeit allzu gerne spricht, es lohnt sich aber einen Notar oder Anwalt hinzuzuziehen, der eine klare und sachliche Regelung festhält. Auch wenn Normalbürgern ein Ehevertrag ungewöhnlich erscheint - in vermögenden oder reichen Kreisen sind derartige Verträge sehr weit verbreitet und oft auch sehr strikt und bis ins Detail geregelt.

Detailinformationen zum Ehevertrag sowie einen Muster-Ehevertrag finden Sie etwa auf der Service-Website ehevertrags.info, wobei Notare allerdings zumeist betonen, dass ein Ehevertrag individuell aufgesetzt werden muss, da Standard-Verträge nur den Rahmen für die jeweils individuelle Konstellation bieten.


Aufteilung der Vermögenswerte

Gibt es keinen Ehevertrag, dann tun sich umso mehr Fragen auf, je mehr Vermögen vorhanden ist. Etwa: Was passiert mit der Ehewohnung, der Zweitwohnung, dem Porsche oder der Yacht? Wer glaubt, solche Luxus-Güter nach einer Scheidung behalten zu dürfen, der irrt. Ohne Ehevertrag ist Halbe-Halbe angesagt. Und wie die Aufteilung erfolgen soll, darüber kann man sich trefflich streiten, wenn vorher nichts schriftlich wurde.

Gibt es keine andere vorher getroffene Vereinbarung, so ist die Grundregel bei einer Scheidung, dass die ehelichen Gebrauchsvermögen und die ehelichen Ersparnisse zu gleichen Teilen aufgeteilt werden. Zum Gebrauchsvermögen zählen alle beweglichen und unbeweglichen Werte wie die Ehewohnung und der Hausrat, die Zweitwohnung, Autos, Luxusgüter oder auch beispielsweise Pferde. Die Sparbücher, das Geld im Tresor und das Wertpapierdepot werden sofern nichts anderes vereinbart ist ebenfalls 50:50 aufgesplittet.

Ohne Ehevertrag bleiben einem zur Gänze nur Erbschaften und persönliche Gebrauchsgegenstände wie Schmuck und das Handy oder für berufliche Zwecke benötigte Geräte wie der Computer oder Werkzeuge.


Unternehmenseigentum

Unternehmer können zumindest in einem Punkt aufatmen: Unternehmenseigentum ist von der Aufteilung ausgeschlossen. Eine Firma zählt nicht zu der Masse, die im Falle einer Ehescheidung aufgeteilt werden muss. Das gilt unabhängig von der Größe des Unternehmens.

Wird aber eine Liegenschaft, also beispielsweise ein Gebäude oder eine Ordination, sowohl für das Unternehmen als auch als Ehewohnung genutzt, fällt dem Partner sehr wohl ein Wohnrecht zu. Werden jedoch beispielsweise mehrere Wohnungen vermietet, zählen diese Wohnungen nicht zum Ehevermögen. Wird ein Firmenauto auch privat genutzt, muss das bei der Aufteilung des Ehevermögens berücksichtigt werden.


Der eheliche Wohnsitz

Am meisten und am heftigsten gestritten wird bei einer Scheidung um den ehelichen Wohnsitz, ist der doch oft der relevanteste Vermögenswert.

Ist etwa schon vor der Eheschließung eine Immobilie vorhanden, die später auch dem ehelichen Wohnsitz dient, sollte im Ehevertrag unbedingt vereinbart werden, dass dieser Wohnsitz im Falle einer Scheidung im Besitz des vorherigen Eigentümers bleibt. Doch auch wenn eine solche Vereinbarung getroffen wurde kann sie angefochten werden und es ist nicht in Stein gemeißelt, dass die Vereinbarung hält.


Achtung bei Hypothekarkrediten

Ein besonderes Risiko, dass einer der Partner finanziell auf der Strecke bleibt, stellen Kredite für Eigenheimfinanzierungen dar. Die meisten Paare finanzieren ihren Eigenheim-Traum über einen gemeinsam aufgenommen Kredit. Bei einer Trennung wird die Immobilie dann meist von demjenigen übernommen, der den Wohnsitz behält.

Wenn noch eine hohe Kreditsumme offen ist, sträuben sich Banken häufig, den zweiten Partner aus dem Kreditvertrag zu entlassen. Der Hintergrund ist, dass für die Bank das Ausfallrisiko steigt.

Bleibt der Partner, der den Wohnsitz verlässt, für den Kredit in der Haftung, so schleppt er oder sie diesen im Bonitätsranking mit, und das kann schwerwiegende Folgen haben. Mit diesem Zusatzrisiko hat man nämlich schlechte Karten, einen neuen Kredit zu bekommen oder muss höhere Zinsen in Kauf nehmen. Ohne einen Ehevertrag ist es für beide Partner am gerechtesten, ein Haus oder die Wohnung zu verkaufen und das Geld aufzuteilen.



Take Aways
  • Unterhaltszahlungen an Kinder. Kindern steht abhängig vom Alter (bis 5; 6 bis 9 Jahre, 10 bis 14 Jahre und über 15 Jahre) ein prozentualer Anteil des monatlichen Nettoeinkommens zu, in dessen Berechnung auch das 13. und 14. Gehalt einbezogen werden.
  • Unterhaltszahlungen an Partner.Prinzipiell ist derjenige, der über ein höheres Einkommen verfügt, dazu verpflichtet, dem anderen Unterhalt zu zahlen. Das gilt während der Ehe ebenso wie nach einer Scheidung.
  • Unterhaltsrechner. Die Höhe der Unterhaltszahlung kann mit Hilfe von Online-Tools berechnet werden.
  • Treuepflicht. Im österreichischen Eherecht ist die Treuepflicht verankert. Auch eine freundschaftliche Beziehung zu einer anderen Person, die dem Partner nicht genehm ist, kann als Verstoß dagegen gewertet sein.
  • Ehevertrag. In einem Ehevertrag kann die Aufteilung des Vermögens im Falle des Scheiterns einer Ehe festgehalten werden.

[THEMA]: Rechtsschutz - die D.A.S.-Experten geben Rat

Katharina Körber-Risak

Arbeitsrechtliche Krisentoolbox

Die Pandemie ist nicht vorbei, mit dem Krieg in der Ukraine ist eine noch …

Gewährleistung und Produkthaftung: Wozu Unternehmen verpflichtet sind

Welche Rechte Konsumenten bei schadhaften Produkte und Werken haben, …

Arbeiten im Homeoffice in Österreich – das steht im Gesetz

Wie die gesetzlichen Regelungen für Telearbeit aussehen, von Haftung, …