
Iris Ortner, Chefin des Anlagenbauers IGO Industries, im trend. Interview über die Herausforderungen in der Bauwirtschaft, die wachsende Bürokratie und warum ihr Vater mit bald 80 Jahren die Geschäfte immer noch gemeinsam mit ihr führt.
Manche Experten warnen vor einem Tsunami, der auf die Bauwirtschaft zukommt. Was spüren Sie davon?
Die Bauwirtschaft befindet sich sicher in einer Umbruchphase. Wenn die Konjunktur schwächelt, trifft es natürlich auch die Bauwirtschaft, wobei der Wohnungsbau und da wiederum der private Hausbau besonders betroffen ist. Der Bau hat aber mehrere Sektoren. Und als IGO sind wir mehrheitlich für Industrie und Gewerbekunden tätig und daher bisher weniger betroffen. Außerdem spürt die Bauindustrie Konjunktureinbrüche immer verzögert. Wer einmal seinen Kran aufgestellt hat, baut ihn so rasch nicht wieder ab, sondern versucht, sein Bauprojekt durchzuziehen. Was wir aber schon spüren, ist, dass sich die Auftragseingänge verlangsamen und die Dynamik eine Delle bekommt. Aufträge, die jetzt nicht reinkommen, werden uns in einigen Monaten, vielleicht erst Ende 2024, fehlen.
Wie groß ist diese Delle?
Im Wohnbau sprechen wir von dramatischen Rückgängen von teilweise bis zu 50 Prozent. In der Industrie, der Pharmaindustrie, der Mikroelektronik, dem Fahrzeugbau, wo wir sehr gut aufgestellt sind, wird aber glücklicherweise schon noch investiert. Wir haben volle Auftragsbücher. Da macht sich jetzt unser Fokus auf komplexe Großprojekte bezahlt. Aber Verzögerungen spürt man vereinzelt schon.
Wie viel Ihres Portfolios ist von dem Einbruch betroffen?
Im Wohnbau reden wir von einstelligen Prozentzahlen. Auch bei Bürogebäuden und Hotels läuft es nicht ganz rund. Derzeit ist der Großteil unseres Geschäfts von den Einbrüchen noch nicht berührt. Unser Schwerpunkt liegt auf Industriebauten und Infrastrukturprojekten wie Spitälern.
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