Handwerker und ihre Tricks: 12 Tipps für den Umgang mit Professionisten

Handwerker und ihre Tricks: 12 Tipps für den Umgang mit Professionisten

Fleißige Handwerker: Gesucht, geschätzt und vielbeschäftigt.

Irgendwann kommt für jeden der Tag, an dem er einen Handwerker braucht. Die Vorstellungen dabei sind klar: Die Sache soll schnell und sauber erledigt werden und auch noch günstig sein. Das kann man nicht immer erwarten.

Fast jeder hat so seine ganz speziellen Erlebnisse mit Handwerkern: Vom Installateur, der verspricht, im Winter die kaputte Heizung in drei Tagen zu reparieren, über den Elektrotechniker, der im Geschirrspüler eine neue Ablaufpumpe einbaut, obwohl die alte nur verlegt war, bis zum Fliesenleger, bei dem die neuen Fliesen nach drei Monaten von der Wand fallen. Egal ob Professionist oder Pfuscher - kommen die Handwerker ins Haus, gilt das oft als Bedrohung für Geld und Geduld der Bewohner. Die folgenden Tipps sollen helfen, Nerven und Kosten zu sparen.

1. Wie viel verlangen Handwerker für ihre Arbeit im Schnitt?
Das hängt von der Berufsgruppe ab. Nach einer Erhebung der Arbeiterkammer Wien verlangen Elektriker einen Stundensatz von durchschnittlich rund 69 Euro. Als Mindestarbeitszeit werden im Schnitt 28 Minuten verrechnet, auch wenn nur 15 Minuten gearbeitet wird. Der Stundensatz für einen Glaser beträgt im Durchschnitt 66 Euro. Konsumenten müssen für eine Glaser-Facharbeiterstunde inklusive einer viertel Stunde Wegzeit und Fahrkosten im eigenen Bezirk mit 58 bis 124 Euro rechnen.
Eine Monteursstunde eines Gas-Wasser-Installateurs kostet knapp 67 bis 82 Euro. Der Thermen-Werkskundendienst hat einen Stundensatz von 67 bis 98 Euro. Alle geprüften Werkskundendienste verrechnen zusätzlich eine Fahrtkostenpauschale - im Schnitt 70 Euro innerhalb Wiens und der Wiener Umgebung bis 25 Kilometer. Eine Installateur-Notdienststunde kostet 60 bis 95 Euro. Wer den Notdienst am Sonntag ruft, muss mit 153 bis 246 Euro rechnen.
Gerade auch bei Fahrtkosten sollte man sich genau erkundigen, was verrechnet wird. Besonders teuer wird es bei Notfällen am Wochenende oder am Feiertag. Zum Stundensatz kommen meistens Fahrtkosten oder eine Fahrzeugpauschale hinzu. Wird die Bezirksgrenze zwischen Kunden und Betrieb überschritten, erhöht sich der Preis weiter. Wer einen Notdienst ruft, zahlt noch kräftiger - je nachdem, ob dieser außerhalb der Betriebszeiten, am Sonn- oder Feiertag kommt.

2. Wie viel darf für die Wegzeit verrechnet werden?
Der Unternehmer kann seine Preise selbst festlegen. Und so wird für die Wegzeit meist der normale Stundensatz verlangt. Es empfiehlt sich also, einen Handwerker in der Nähe zu suchen oder einen mit einer Wegpauschale. Am Telefon gleich die Kosten dafür erfragen und Betrag und Auskunftsperson notieren.

3. Dürfen die Arbeitszeiten zu ganzen Stunden aufgerundet werden?
Der Elektrogerätetechniker kommt, schraubt 20 Minuten am Herd herum und stellt eine Rechnung über eine Stunde aus. "Wir runden immer auf, g’nä Frau.“ Zu bezahlen ist nur die tatsächliche Arbeitszeit. Aufgerundet darf höchstens auf eine viertel Stunde werden. Die Rechnung nur unterschreiben und bezahlen, wenn die Arbeitsaufzeichnung mit der tatsächlichen Arbeitszeit übereinstimmt.

4. Muss man auch bezahlen, wenn die Reparatur nicht gelingt?
Legen Sie bei der Auftragserteilung am Telefon fest, dass der Handwerker mit seinem Besuch die Sache auch erledigt. Die Antwort: "Ja die Therme wird repariert“, ist eine vertragliche Zusage. Dann schuldet der Handwerker nach den gesetzlichen Bestimmungen den Erfolg. Wenn er im Zuge der Reparaturarbeiten draufkommt, dass er die notwendigen Ersatzteile doch nicht bei sich hat, muss für den Besuch nicht bezahlt werden.
Wichtig ist, dass bei Auftragserteilung das Gerät mit Baujahr und Typenbezeichnung genau beschrieben wird. Je besser man im vorhinein bei der Auftragserteilung die Leistung beschreibt und dokumentiert, desto weniger leicht kann sich der Handwerker dann herausreden: "Das Modell XY ist ja so selten, da haben wir nie die Ersatzteile gleich mit.“ Reinhard Kainz, Geschäftsführer der Bundessparte Handwerk der WKO stellt jedoch klar: "Wenn im Vorhinein die Anforderungen für die Reparatur genau beschrieben worden sind und der Handwerker kann sie dann trotzdem nicht ausführen, muss der Kunde das nicht bezahlen.“

5. Muss ein zweiter Handwerker bezahlt werden?
Der Installateur kommt mit einem jungen Lehrling, der ihm den Werkzeugkoffer trägt und ihm Zange und Schraubenschlüssel reicht. Dazwischen schickt der Meister den Lehrling zum Auto, um die Ersatzteile zu holen. Auf der Rechnung stehen die Arbeitsstunden von zwei Professionisten. Die Bundesinnung Bau der WKO dazu: "Der Kunde muss das natürlich nicht bezahlen.“ Reparaturen an Thermen, Haushalts- und Elektrogeräten werden üblicherweise nur mehr von einer Arbeitskraft durchgeführt. Lediglich beim Ausbau von großen Geräten, wie beispielsweise einer Gastherme, ist ein zweiter Mann von Nöten.

6. Muss bezahlt werden, wenn mehr repariert wird als vereinbart?
Das Auto wird wegen eines defekten Radlagers in die Werkstatt gebracht. Auf der Rechnung findet man dann die Kosten für zwei Radlager, neue Dichtungen an den Bremsmanschetten und Gummilager für die Radaufhängung. "Weil wir das Fahrzeug schon einmal auf der Hebebühne hatten, haben wir das gleich mit ausgetauscht. Das hätten Sie früher oder später ja ohnehin machen müssen.“ WKO-Mann Kainz: "Meistens handeln die Handwerker da aus technischen Überlegungen heraus, die durchaus nachvollziehbar sind. Wenn ein Teil getauscht wird, macht es Sinn, andere Elemente, die technisch damit verbunden sind, auch auszuwechseln.“
Was für den Mechaniker Sinn macht, kann für den Kunden teuer werden. Bei großen zusätzlichen Reparaturen werden Kunden meist ohnehin verständigt. Man sollte aber vereinbaren, auch über kleinere Zusatzreparaturen informiert zu werden. Bei speziellen Werkstätten, wie beispielsweise "Fastbox“, werden nur die vereinbarten Tätigkeiten ausgeführt.

7. Müssen überhöhte Materialkosten bezahlt werden?
Der Installateur hat einen bestechend günstigen Stundensatz. Er erhält den Auftrag zur Reparatur der defekten WCs. Doch bei der Rechnung glaubt man, das WC wurde vergoldet. Es ist ein gängiger Trick von Handwerkern, Teile, die im Baumarkt ein paar Euro kosten, um ein Vielfaches zu verkaufen. Der Verein für Konsumenten Information (VKI) hat in einem Test die Kosten von Installateuren in Wien verglichen. Die Aufgabe für alle lautete: Einen defekten Schwimmer in einem offen zugängigen WC-Spülkasten zu tauschen. Die verrechneten Preise für den Schwimmer reichten von 2,88 Euro bis 58,39 Euro. Auch beim Zeitaufwand für die simple Arbeit und den Gesamtkosten gab es empfindliche Differenzen. Renate Wagner, Leiterin des VKI-Beratungszentrums: "Man sollte im Vorhinein immer genau den Auftrag definieren, Typ und Baujahr der Maschine angeben und das am besten noch per Mail.“

8. Sind Spezialgeräte kostenpflichtig, auch wenn sie nicht benötigt werden?
Will man ein verstopftes Abflussrohr freilegen lassen, rückt mittlerweile ein Hightech-Unternehmen an. Zuerst geht die TV-Kamera den Kanal hinunter und dann der elektronisch gesteuerte Fräs-Roboter. Verlangen Sie zuerst den Einsatz einer simplen Stahlspirale. Sie wirkt in den meisten Fällen. Die teure Elektronikaustrüstung muss dann nicht bezahlt werden. Im Zweifelsfall vorher den Preis abklären.

9. Wie kann man nachweisen, dass mehr repariert wurde als notwendig?
"Da haben Sie noch einmal Glück gehabt. Die Herdplatte ist defekt. Die müssen wir austauschen. Aber immer noch besser als ein neuer Herd.“ Wem so viel Glück wiederfährt, der sollte wachsam sein. Und obwohl nur ein Schalter am Herd kaputt ist, wird manchmal die ganze Herdplatte gewechselt. WKO-Mann Kainz: "Das kommt selten vor. 80 Prozent der Österreicher sind mit den Handwerkern zufrieden. Aber zur Sicherheit sollte man gleich fragen - Was ist kaputt? Und dem Handwerker bei der Arbeit über die Schulter schauen.“ Im Zweifel empfiehlt sich auch, das getauschte Teil überprüfen zu lassen.

10. Arbeiten Pfuscher wirklich schlechter als konzessionierte Handwerker?
Bei einfachen Arbeiten wie Bodenschleifen oder Malerarbeiten können Pfuscher meist genauso mithalten wie Professionisten. Es kann aber ein Problem entstehen, wenn bei der Arbeit des Pfuschers etwas schiefgeht. Wenn der frisch geölte Boden beispielsweise auch nach Tagen nicht trocken wird, weil der Arbeiter im Baumarkt zur falschen Dose Bodenöl gegriffen hat, steht man vor zwei Problemen: Man kann die Behebung des Mangels nicht einklagen und muss noch einen teureren Professionisten beschäftigen, der die klebrige Angelegenheit wieder trocken legt.

11. Was sind die größten Gefahren beim Einsatz von Pfuschern?
Wer Schwarzarbeiter beispielsweise beim Hausbau einsetzt, riskiert eine Finanzstrafe und hat natürlich keine Gewährleistungsansprüche. Bauinnungs-Geschäftsführer Katzenschlager warnt aber auch: "Werden ausländische Arbeiter beim Hausbau eingesetzt, wird oft auch das Material aus dem Ausland mitgebracht. Bei der Endabnahme entspricht das dann aber nicht den österreichischen Vorschriften und es gibt keine Baufertigstellungs-Anzeige.“

12. Wo finde ich Handwerker, die preiswert und verlässlich sind?
Meist wählt man einen Handwerker in der Nähe des Wohnortes. Das macht Sinn, da man dadurch Wegkosten spart. Außerdem ist der benachbarte Handwerker im Bedarfsfall auch wieder schnell zur Stelle. Dennoch empfiehlt es sich, die Suche auszudehnen. Eine einfache Internet-Suche führt meistens schon zu zahlreichen Ergebnissen.
Man kann die Arbeit aber auch über eine Online-Handwerkerbörse ausschreiben und erhält dann von verschiedenen Professionisten Anbote. Die größte und bekannteste ist www.my-hammer.at , gefolgt von der Heimwerkerbörse auf www.wohnnet.at . Unter www.dashandwerk.at findet man Handwerker nach Regionen und Sparten gegliedert.

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