
Seit 2007 zeigt die VIENNA DESIGN WEEK, wie und wo überall Design die Möglichkeit hat, unsere Welt zukunftsfähig zu machen. Ein Gespräch mit Gabriel Roland, dem Chef des Festivals, über die Entgrenzung der Branche, neue Perspektiven auf Altbekanntes, Zirkularwirtschaft, schlechten Geschmack und gute Ideen.
Wie sehr, abseits der Brancheninsider, ist denn das Interesse für Design in Österreich überhaupt verankert?
Design ist ein ganz wichtiger Faktor bei der Entwicklung von Strategien für eine zukunftsfähige Stadt und im Weiteren für eine zukunftsfähige Weltgeworden. Auch an den entscheidenden Stellen von Politik und Wirtschaft ist das Bewusstsein dafür, dass Design ein Werkzeug sein kann, auf multidisziplinäre Weise konkrete Lösungen und Ansätze zu entwickeln, gewachsen.
Auch der Designbegriff hat sich extrem ausgeweitet, geht schon lange über die Gestaltung von Produkten hinaus bis hin zu Social oder digitalem Design. Wie vermittelt man das?
Der Begriff muss natürlich einiges aushalten. Auf der einen Seite geht es um gesamtgesellschaftliche Prozesse, auf der anderen Seite um ein Marketinginstrument. Diese absolute Entgrenzung der Branche ist eine Herausforderung in der Definition wie in der Kommunikation. Wir setzen daher sehr stark darauf, genau diesen Spagat einer gesamtgesellschaftlichen Relevanz von Design im Dialog mit der kommerziellen Seite für alle erlebbar zu machen. Es geht darum, zu vermitteln, wie wirkmächtig Design als Werkzeug sein kann. Aber es geht auch darum, die Lust am Gestalten zu feiern und neue Perspektiven anzubieten. Deswegen gehen wir an Orte, wo man Design nicht vermutet hätte, und in den öffentlichen Raum hin zu den Menschen und versuchen, uns auch mit den jeweiligen Festivalzentralen aus der Blase hinauszubewegen. So gut wie alle Veranstaltungsorte und Programmschienen der Vienna Design Week sind bei freiem Eintritt zugänglich und von niederschwelligem Vermittlungsprogramm erschlossen.
Hat Ihre jahrelange Aufbauarbeit schon gefruchtet?
Das zu beurteilen, wäre eine Selbstüberschätzung. Aber das Beglückende in unserer Arbeit ist, dass so ein Festival zumindest in der Lage ist, Neugier zu wecken, Schwellenangst zu nehmen und Leute zu vernetzen, die normalerweise nicht miteinander reden. Wie etwa bei unseren "Passionswegen", wo neue Kooperationen zwischen Handwerksbetrieben und Designer:innen entstehen.
Wer mitreden will, muss wissen, was wichtig ist.
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