„Epochenumbruch in der Wirtschaft“

Nachhaltigkeit ist keine Mode, sondern Grundlage für zukünftige Gewinne. Sagt Wirtschaftsprofessor René Schmidpeter.

„Epochenumbruch in der Wirtschaft“

Seit über 20 Jahren setzt sich René Schmidpeter mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinander. Aktuell unterrichtet er Nachhaltiges Management an der Internationalen Hochschule (IU) München und hat eine Forschungsprofessur an der Berner Fachhochschule inne. Was sich in den 20 Jahren geändert hat? „Jetzt ist das Thema in den Führungsetagen angekommen und es ist inzwischen klar, dass sich Nachhaltigkeit und Rentabilität nicht ausschließen. Im Gegenteil: Nachhaltigkeit hat einen positiven Einfluss auf die Rentabilität“, fasst Schmidpeter zusammen. Zu dieser Erkenntnis kämen auch immer mehr empirische Untersuchungen.

Nun gelte es, die nachhaltigen Geschäftsmodelle der Zukunft zu entwickeln. Dabei handle es sich um einen „Epochenumbruch“ – einen Wandel von einer Industriegesellschaft hin zu einer nachhaltigen Wissensgesellschaft, vergleichbar mit dem Wandel von der Agrar- zur Industriegesellschaft.

ESG mit wichtigem Plus

Bis vor wenigen Jahren sei Nachhaltigkeit als „Add-on“ betrachtet worden. Auf Nachhaltigkeit setzte, wer es sich leisten konnte. Jetzt sei es ein „Add-in“. Man muss es sich leisten, weil man damit auch Gewinn erwirtschaftet.

Damit genügt es aber auch nicht mehr, nur einen Nachhaltigkeitsbeauftragten im Unternehmen zu installieren, vielmehr müsse die Nachhaltigkeit in allen Unternehmensbereichen integriert werden. „Nachhaltiges Management betrifft zumindest vier Dimensionen“, so Schmidpeter: Ökologie, Soziales, Wirtschaft und die Wissensdimension. Dementsprechend muss auch ESG weitergedacht werden. Denn neben Environment (Umwelt), Social (Soziales) und Governance (verantwortungsvolle Unternehmensführung) fehle die Ökonomie. Schließlich müssten wirtschaftlich erfolgreich nachhaltige Geschäftsmodelle entwickelt werden, um tatsächlich nachhaltig wirtschaften zu können. Für echtes nachhaltiges Management müssten die vier Dimensionen in alle Prozesse des Handelns integriert werden. „Das erfordert massives Umdenken. Es bietet den Unternehmen aber auch eine Jahrtausendchance, denn jene, die das schaffen, haben die Märkte und Erfolge der Zukunft für sich.“

Die Wirtschaft brauche daher auch in der mittleren Managementebene Betriebswirte, die Kenntnis darüber haben, wie nachhaltiges Managen funktioniert. Doch aktuell würden Menschen mit entsprechendem Mindset und Know-how fehlen. „Ich sehe das als die große Bildungsaufgabe, die wir jetzt vor uns haben“, so der Wirtschaftsprofessor.

Positiven Impact schaffen

Banken legen bei der Kreditvergabe zunehmend ein Augenmerk auf die Nachhaltigkeit der Unternehmen, Anleger investieren verstärkt in ESG-Produkte und unterstützen damit Geschäftsmodelle, die zum Beispiel auf regenerative Produkte setzen. Während es jetzt noch meist darum gehe, negative Auswirkungen wie hohe CO2-Emissionen zu vermeiden, sieht Schmidpeter bereits den nächsten Entwicklungsschritt: Bei dem geht es darum, nicht nur negativen Impact zu vermeiden, sondern aktiv positiven Impact zu schaffen. Gemeint sind damit Geschäftsmodelle, die zum Beispiel nicht nur auf eine CO2-Reduktion bei deren Produktion abzielen, sondern einen Beitrag zur Verbesserung leisten, also etwa die Entwicklung eines Produkts, das die Luft von Schadstoffen reinigt.

Prof. René Schmidpeter beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit dem Thema Nachhaltigkeit. Er unterrichtet Nachhaltiges Management an der Internationalen Hochschule (IU) München und hat eine Forschungsprofessur an der Berner Fachhochschule.

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