Zwist um den Wiener Freimaurerball

Österreichische und slowakische Logenbrüder werfen einander im Vorfeld eines geplanten Balls wechselseitig Lüge, Betrug und Geschäftemacherei vor.

Zirkel und Winkel - Symbole der Freimaurerei

Zirkel und Winkel - Symbole der Freimaurerei

Einen Ball für seine Brüder zu organisieren, das hatte sich Dennis Dewall einfacher vorgestellt. Der 34-jährige Wiener Unternehmer hatte die im Prinzip clevere Idee, den Hype rund um das 300-Jahre-Jubiläum der Freimaurer für eine Veranstaltung in im Vösendorfer Eventhotel Pyramide zu nutzen: den "Bal de la Pyramide". In der Bewerbung des für 31. Oktober angesetzten Events wies Dewall, früher Betreiber einer Talentagentur und Veranstalter von Kickbox-Wettbewerben auf der Copa Cagrana, bei jeder Gelegenheit auf ein "zeitgleiches Ereignis" in London hin, die offiziellen Feierlichkeiten der United Grand Lodge of England (UGLE) an diesem Tag. Sein Kalkül für den eigenen Freimaurer-Ball: "Ich wollte 1.000 der 2.400 Ballkarten an die österreichischen Logenbrüder verkaufen."

Doch der Geschäftsmann, selbst Mitglied einer Loge in Bratislava, hat die Rechnung ohne den Wirt gemacht, besser: ohne die österreichischen Freimaurer. Deren Großmeister, Georg Semler, brandmarkte bereits am 3. April den Ball in einem an die Brüder verteilten, dem trend vorliegenden Schreiben als "zweifellos betrügerisch". Semler nannte die Betreiber in mehreren Interviews im Juni "Trittbrettfahrer" und "nicht anerkannte Freimaurer". Zudem äußerte er die Befürchtung, die geplanten Charity-Aktivitäten des "Pyramidenballs" könnten zu einem Spendenskandal führen. Die in den Medien aufgegriffene Bezeichnung "Freimaurerball" ist für Semler definitiv unzulässig.

Projekt an der Kippe

Abschreckenden Effekt auf die Möchtegern-Ballbesucher dürfte das in jedem Fall gehabt haben. Bis Ende August hatte Dewall laut eigenen Angaben nur 680 Karten verkauft. Die Frist für eine Vorauszahlung an das Eventhotel musste er bereits zweimal verlängern lassen, der neue Stichtag ist 7. September, ein Tag nach trend-Redaktionsschluss. Gelingt es ihm nicht, die erforderliche Summe aufzustellen, ist das Projekt wohl gescheitert.

Ob er in diesem Fall klagen wolle?"Ich möchte es vermeiden", so Dewall, der den Boykott und die Behauptungen der Österreicher als unverständlich und kreditschädigend empfindet ("Ich bin genauso ein Original wie Semler"). Ab Anfang September ging er auf Tauchstation und war auch für den trend nicht mehr erreichbar. Die Ball-Homepage inklusive Möglichkeit des Kartenkaufs war aber bis zuletzt online.

Dass die Fronten in dem obskuren Fall nicht klar zwischen Schwarz und Weiß verlaufen, zeigt der Umstand, dass Großmeister Semler nun eine falsche Behauptung zurücknehmen muss. Dewall, konzediert er nach Rücksprache mit dem slowakischen Großmeister, sei sehr wohl ein regulärer, also von der UGLE anerkannter Freimaurer: "Er ist wohl Mitglied in einer Art Satellitenloge, in der viele Ausländer Mitglieder sind." Allerdings, fügt Semler hinzu: "Es könnte sein, dass er es nicht mehr lange ist."

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