Zweifel an geplantem Lithium-Abbau in Kärnten

Ein Gutachten stellt die Wirtschaftlichkeit und Realisierbarkeit des groß angelegten Lithium-Abbaus des börsenotierten Unternehmens European Lithium in Frage. Auch Gerichtsstreitigkeiten mit Grundeigentümern könnten das Projekt bremsen.

Zweifel an geplantem Lithium-Abbau in Kärnten

NAHE WOLFSBERG finden Probebohrungen nach dem begehrten Leichtmetall Lithium statt. Die Lithium-Produktion soll 2021 starten.

Das wäre doch einmal eine feine Sache für die Wiener Börse! Geht alles glatt, könnte European Lithium, ein australisches Bergbauunternehmen, das Lithium auf der Kärntner Koralpe abbauen will, schon Anfang 2019 im ATX Prime notieren. Geht alles glatt, könnten ab 2021 jährlich 800.000 Tonnen des seltenen Leichtmetalls, das vor allem in der Batterieproduktion verwendet wird, abgebaut werden und mehr als 400 neue Arbeitsplätze entstehen. Kärntner Politiker sprechen bereits von einer "Jahrhundert-Chance" für das Land.

Aber geht wirklich alles glatt? Daran mehren sich nun die Zweifel. Vor allem ein Konsortium aus dortigen Grundeigentümern, die sich wegen zahlreicher laufender Gerichtsprozesse noch nicht aus der Deckung wagen, steht diesem Projekt sehr skeptisch gegenüber. Die Realisierbarkeit und Wirtschaftlichkeit des Projekts sei nicht gegeben, behaupten sie. Außerdem hegt das Konsortium, das die Bohrrechte im Jahr 2011 weitergegeben hat, Zweifel an der Seriosität der Eigentümer von European Lithium und befürchtet einen Imageverlust für die Region. Von Umweltbedenken gar nicht erst zu reden.

Gutachten nährt Skepsis

Der Einwand, Lithium könne nicht in dem von European Lithium genannten Ausmaß abgebaut werden, wird vor allem von einem Gutachten von Peter Moser, einem Professor der Bergbaukunde an der Montanuni Leoben, das dem trend vorliegt, gestützt. Darin heißt es etwa: "Die Produktionsmengen von 600.000 bis 800.000 Tonnen pro Jahr sind insgesamt äußerst ambitioniert, zumal die Mächtigkeit der Gänge ambitioniert ist." 200.000 Tonnen seien realistischer, so Moser. Ebenso ambitioniert sei ein Start der Produktion im Jahr 2021. Vor 2025 sei an Abbau auf der Koralpe wohl nicht zu denken, glaubt der Professor.

Und er äußert noch weitere Bedenken: "Überraschend ist, dass European Lithium keine potenziellen strategischen Partner hinsichtlich der Realisierung eines Bergbau- und Aufbereitungsbetriebes mit mehr als 400 Millionen Dollar an Investitionen nennt." Bei einer Gesellschaft wie European Lithium mit so geringem Eigenkapital sei das jedenfalls ungewöhnlich. Und weiter: "Der Umstand, dass der Bergbaubetreiber European Lithium nicht der Grundeigentümer ist, hat voraussichtlich einen verzögernden Einfluss auf die Dauer des Genehmigungsverfahrens." Dies deshalb, weil gerade ein zweites Schiedsverfahren zwischen den Grundeigentümern und European Lithium anhängig ist. Weitere Verfahren bei Gericht dürften folgen.

SCHILLERNDER HAUPTAKTIONÄR von European Lithium (EL) ist der Australier Tony Sage. An der Frankfurter Börse blieb der EL-Kurs bescheiden.

Was die Seriosität des Haupteigentümers, des Australiers Tony Sage, anlangt - er besitzt direkt und indirekt knapp 20 Prozent an European Lithium -, hat das kritische Konsortium australische Medien durchforstet und ist fündig geworden. Der schillernde Minen-Investor, der auch Eigentümer des Fußball-Clubs Perth Glory ist, stand schon im Zentrum von Hausdurchsuchungen durch die australische Steuerbehörde und wurde vor Gericht wegen seiner Beteiligung an einer Pleite gegangenen indonesischen Minengesellschaft gegrillt.

Auch von einer Handelsaussetzung einer seiner Firmen wegen nicht bezahlter Gebühren ist in den Medien die Rede. Für Sage gilt jedenfalls die Unschuldsvermutung, sehr vertrauenerweckend klingen die Berichte aber nicht. Auch nicht, dass etliche seiner Minenfirmen über kein nachhaltiges operatives Geschäftsmodell verfügen. Nun will das österreichische Grundeigentümer-Konsortium eine australische Anwaltskanzlei mit darüber hinaus gehenden Recherchen über Sage beauftragen.

Konter der Betreiber

Stefan Müller, Direktor von European Lithium, hat eine andere Sicht auf die Dinge. Der langjährige Rohstoffexperte ortet so manches Missverständnis darin, dass das Rohstoffgeschäft in Europa keine Tradition hat. "Im Bergbaugeschäft ist es üblich, dass man rund fünf bis zehn Jahre nur Geld für Explorationsarbeiten wie Gutachten und Bohrungen ausgibt. Natürlich kann da bei so manchem Aktionär schon mal Unmut aufkommen", glaubt er. Auch jene Aktionäre, die European Lithium (ISIN AU000000EUR7) an der Frankfurter Börse oder in Sydney gezeichnet haben, hatten noch nicht allzu viel zu lachen. Der Kurs bewegte sich stets im Penny-Stock-Bereich .

Dafür, so Müller, lohne sich bei einigen Projekten die Geduld wirklich. Bei dem Kärntner Projekt etwa gehe das Unternehmen von einem Investment in der Größenordnung von 424 Millionen US-Dollar aus, dem würden aber ab 2021 rund 100 Millionen Euro Gewinn pro Jahr gegenüberstehen, und das über 25 Jahre. Gerade ist European Lithium dabei, nach einer Vormachbarkeitsstudie eine endgültige Machbarkeitsstudie ausarbeiten zu lassen. Kostenpunkt: mehr als sechs Millionen Euro. Das wird über eine Wandelanleihe finanziert. Wie überhaupt die Kosten ausschließlich über Wandelanleihen und Förderungen bestritten werden sollen. Eine Kapitalerhöhung, also zusätzliche Mittel der Aktionäre, plant man hingegen nicht. Auch nicht beim geplanten Wechsel in den Prime Market.

Das Gutachten von Professor Moser hat für European Lithium keine Bedeutung, denn: "Wir arbeiten mit international renommierten und unabhängigen Fachberatern zusammen, die zu den bekannten Ergebnissen kommen." Diese würden auch persönlich haften. Moser habe außerdem nur auf eingeschränktes Informationsmaterial zugreifen können. Umweltschützer, so Müller, brauchten sich auch nicht zu fürchten, denn die Mine sei unterirdisch, und beim Abbau würde keinerlei Chemie eingesetzt. Und die rechtliche Unsicherheit sei überschaubar, schließlich gebe es mit den Grundeigentümern eine Rahmenvereinbarung, ein Schiedsverfahren wurde bereits zugunsten von European Lithium entschieden.

Für seinen langjährigen Geschäftspartner Tony Sage findet Müller auch nur lobende Worte. Er habe ein "gutes Händchen für Rohstoffe" und beteilige sich stets an den Unternehmen, das heißt, er ist stets an das Schicksal der Gesellschaft gebunden. Und überhaupt, so Müller: "Wir sind ja keine Scharlatane, die den Staat und Aktionäre an der Nase herumführen."

European Lithium bestreitet in einer offiziellen Stellungnahme das Gutachten von Prof. Moser, das trend exklusiv vorliegt. "Es gibt keine aktuelle Studie oder Gutachten oder sonstige offizielle Publikation der Montanuniversität Leoben zum Lithium Projekt in Wolfsberg. Dahingehende Berichterstattung oder Spekulationen sind falsch", heißt es in einer Mitteilung von European Lithium. Weiters: "Das von trend kolportierte „Gutachten“ von Herrn Professor Moser kennen wir nicht."

Zum Lithium-Projekt in Wolfsberg meint das Unternehmen, dass "mit international renommierten und unabhängigen Fachberatern" zusammengearbeitet wird, die gemäß höchster Industriestandards zu den bekannten und auf der Website www.europeanlithium.com veröffentlichten Ergebnissen kommen."

Speziell Kärnten und Anlegern ist zu wünschen, dass das wirklich stimmt und sich die vermeintliche Jahrhundert-Chance nicht zu einem Jahrhundert-Debakel auswächst.


Der Artikel ist der trend-Ausgabe 38/2018 vom 21. September 2018 entnommen.

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