Klimaschutz: Lenzing und RBI im Kreise der Besten der Welt

Die Non-Profit-Organisation CDP zeichnet mit ihrer A-Liste Unternehmen aus, die einen aktiven Beitrag zum Klima- und Umweltschutz leisten. Auf der neuen A-Liste des Jahres 2020 finden sich mit der Lenzing und der RBI auch zwei österreichische Unternehmen.

Klimaschutz: Lenzing und RBI im Kreise der Besten der Welt

Das Carbon Disclosure Project (CDP) sammelt und veröffentlicht seit dem Jahr 2000 Umweltdaten von börsennotierten Unternehmen, Kommunen, Staaten und Unternehmen wie deren CO2-Ausstoß und Wasserverbrauch. Mittlerweile leben über 10.000 Unternehmen und öffentliche Stellen weltweit ihre Umweltdaten über CDP offen. Aus der daraus entstandenen größten Datenbank dieser Art wird einmal im Jahr die A-Liste erstellt, in der die nach CDP-Kriterien besten Unternehmen der Welt gelistet sind.

Unter den mehr als 300 Namen, die es im Jahr 2020 auf diese A-Liste geschafft haben, sind mit Lenzing und der Raiffeisen Bank International (RBI) auch zwei aus Österreich. "Ziel der A-Liste ist Transparenz zu schaffen und Kunden und Investoren dazu zu bringen, Druck auf Unternehmen aufbauen, um sie zu ökologischerem Handel zu drängen", erklärt Steven Tebbe, Geschäftsführer von CDP Europe. Die A-Liste sieht er dabei als ein Verzeichnis von Unternehmen, das andere motivieren soll, ebenfalls dorthin zu gelangen. Tebbe: "Wir brauchen diese A-Liste-Pioniere, um mehr Unternehmen zu inspirieren, aktiv zu werden."

Umwelt- und Klimaschutz als unternehmerische Pflicht

Gerade für börsennotierte Unternehmen ist eine Aufnahme in die A-Liste von besonderer Bedeutung. Nicht nur wegen der immer strengeren Klimaziele, die erfüllt werden müssen. Für sie gilt es auch, sich gegenüber Großinvestoren und Privatanlegern als ökologisch verantwortungsvoll und vorbildlich zu präsentieren. Unternehmen, die dabei negativ auffallen, sind bei Anlegern nämlich mittlerweile schnell durchgefallen, was sich negativ auf den Börsenkurs und den Unternehmenswert auswirkt. CDP will Unternehmen auch überzeugen, dass nachhaltiges Wirtschaften langfristig in ihrem eigenen Interesse ist. Nicht alleine wegen des Rufs, auch wegen allfälliger Stranded Costs.

"Ausschlaggebend für eine Top-Bewertung ist insgesamt auch, ob die betreffenden Unternehmen Best-in-Class sind. Etwa die besten Unternehmenspraktiken bei erneuerbarer Energie umsetzen oder auf eine möglichst umweltschonende Lieferkette achten", erklärt Tebbe. CDP führt zudem einen Reputations-Check durch. Partner prüfen, ob die Unternehmen in der jüngeren Vergangenheit in Skandale verwiclet wurden oder Skandale gab oder Prozesse, die auf die Unternehmensführung ein ungünstiges Licht werfen“, erläutert Tebbe.

Die A-Liste

In die A-Liste werden nur Unternehmen aufgenommen, die in Bezug auf Umweltstandards Herausragendes leisten und transparent mit ihren Informationen umgehen. Die Bewertung nehmen Asset Owner und Asset Manager, also größere Anteilseigner von Unternehmen, wie Manager von Pensions- und Aktienfonds, vor.

Insgesamt legten heuer 9.600 Unternehmen ihre Daten gegenüber CDP offen, so viele wie noch nie zuvor. 5.800 dieser Unternehmen wurden bewertet, fünf Prozent davon wurden in die A-Liste aufgenommen, um die Hälfte mehr als im Jahr 2019. Drei Viertel der untersuchten Unternehmen (74 Prozent) erhielten dagegen nur C- und D-Rankings. "Sie stehen erst am Anfang ihrer ökologischen Reise, sind sich aber der Auswirkungen von Umweltfragen auf ihr Geschäft bewusst", erklärt Tebbe. Tausenden Unternehmen fehlt allerdings selbst diese Einstellung. Mehr als 3.700 Unternehmen, die mit einem F für Versäumnis, bewertet wurden, waren nicht bereit Daten offenzulegen, obwohl sie von Investoren oder Kunden dazu aufgefordert wurden.

Die Kriterien für das Scoring sind klar definiert und können hier nachgelesen werden. Unternehmen müssen sich zudem ihrer Umweltrisiken bewusst sein, einen Plan haben, wie dies Risiken minimiert werden können und zudem "Science Based Targets“, also evidenzbasierte und realistisch umsetzbare Ziele haben.

Großes Vorhaben bringt Lenzing auf die A-Liste

Das erste der beiden österreichischen Unternehmen auf der A-Liste des Jahres 2020 ist der Faserhersteller Lenzing. In die Riege der Top-Firmen hat das Unternehmen sein Einsatz zum Schutz der Wälder gebracht. Der Faserspezialist errichtet eine neue, ökologische Lösungszellstoffanlage für 500.000 Tonnen Holz. Das 1,3 Milliarden Euro schwere Projekt soll 2022 fertiggestellt sein und den Anteil des intern produzierten Zellstoffs bis 2024 auf mindestens 75 Prozent erhöhen.

Lenzing wird Holz künftig zu 100 Prozent verwerten. Ein Teil für die Herstellung von Zellstoff, ein weiterer Teil als Rohstoff für die Fasern. Erst wenn so gut wie alle Inhaltsstoffe des Holzes sinnvoll verwertet worden sind, wird die verbliebene Energie des Holzes zum Betrieb der Produktionsanlagen verwendet und löst dort Erdöl als Brennstoff ab. Etwa in der Bioraffinerie für die Herstellung von Produkten wie Essigsäure. Die weitere für den Betrieb der neuen Anlage nötige Biomasse soll aus ökologisch geprüften Plantagen kommen, zertifiziert durch das Forest Stewardship Council (FSC).

Lenzing hält zudem deine Lieferkette transparent. Das wird es in Zukunft ermöglichen, die Herkunft von Fasern entlang der gesamten Lieferkette bis hin zum fertigen Kleidungsstück, nachzuverfolgen. Tebbe: „Deshalb hat es Lenzing bereits im ersten Jahr der Überprüfung durch unserer Asset Owner auf Anhieb in die A-Liste zu geschafft.“ Nachhaltigkeitsbericht der Lenzing AG

Raiffeisen mit ambitionierten Aktivitäten

Die Raiffeisen Bank International hat es dank ihrer ambitionierten Umweltpläne und der an den Tag gelegten Transparenz in die A-Liste geschafft. Vor allem die hohen Zahl an emittierten Green Bonds fanden die Investoren bemerkenswert. Auch hieb- und stichfeste Science based Target wurden definiert. "Bei der Erzielung ökonomischer Ergebnisse werden soziale und ökologische Aspekte besonders berücksichtigt", heißt es dazu im Strategiepapier der Bankengruppe. Kernbestandteil dein die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung, die Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen. Acht davon wurden als besonders relevant - sowohl für die Gruppe insgesamt als auch für das Kerngeschäft - identifziert und werden in den nächsten Jahren priorisiert behandelt. Dazu gehören:

  • Armut in jeder Form und überall beenden.
  • Inklusive, hochwertige und gerechte Bildung gewährleisten und Möglichkeiten des lebenslangen Lernens für alle fördern.
  • Geschlechtergleichstellung erreichen und alle Frauen und Männer zur Selbstbestimmung befähigen.
  • Zugang zu bezahlbarer, verlässlicher und zeitgemäßer Energie für alle sichern.
  • Dauerhaftes, breitenwirksames und nachhaltiges Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle fördern.
  • Eine widerstandsfähige Infrastruktur aufbauen, breitenwirksame und nachhaltige Industrialisierung fördern und Innovationen unterstützen.
  • Umgehend Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner Auswirkungen setzen.
  • Friedliche und inklusive Gesellschaften für eine nachhaltige Entwicklung fördern, allen Menschen Zugang zur Justiz ermöglichen und leistungsfähige, rechenschaftspflichtige und inklusive Institutionen auf allen Ebenen aufbauen.

Man sieht daran, dass sehr wohl auch Banken nennenswerte Möglichkeiten haben, ökologisch und nachhaltig zu agieren", meint CDP Europe Geschäftsführer Tebbe.

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Weitere Informationen zur CDP A-Liste 2020 und die Scores aller untersuchten Unternehmen finden Sie unter cdp.net/en/companies/companies-scores

Andreas Lampl, Chefredakteur trend

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