René Benko schnappt sich nun auch Kaufhof

René Benko schnappt sich nun auch Kaufhof

Einst Konkurrenten, nun unter einem Dach: René Benko greift nun auch nach der Kaufhof-Kette, die er mit seiner Karstadt-Gruppe unter einem Dach zusammenbringen will.

Der Tiroler Immobilien-Unternehmer René Benko steht kurz vor Abschluss seines nächsten Milliardendeals: Nach kika/Leiner schnappt sich Benko mit seiner Signa nun auch die Kaufhof-Gruppe. Sie soll mit seiner Karstadt-Warenhauskette fusioniert werden. Der Deal steht kurz vor dem Abschluss.

Essen/Köln/Wien. René Benko und sein Unternehmen Signa stehen vor dem nächsten Übernahmecoup. Dieses Mal könnte der österreichische Immobilienunternehmer bei der Kaufhof-Gruppe zum Zug kommen. "In vier bis sechs Wochen" soll bereits der von langer Hand geplante Deal abgeschlossen sein. Damit hätte Benko nach der Übernahme der angeschlagenen Möbelkette kika/Leiner binnen weniger Wochen bereits seinen zweiten Milliardendeal unter Dach und Fach gebracht.

Verkäufer der Kaufhof-Gruppe ist die kanadische Warenhauskette Hudson's Bay (HBC). Der Wert des Deals wird auf 1,1 Milliarden Euro beziffert. Signa würde nach Angaben des "Wall Street Journal" gleichzeitig auch Schulden in Höhe von 750 Millionen Euro übernehmen.

"Der Deal ist im Ganzen ausgehandelt", schreibt die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) unter Berufung auf Verhandlungskreise. Erforderlich sei nun noch eine bestätigende Prüfung der Bücher. Und auch die Managementpositionen sollen bereits verteilt sein.

Benkos Signa ist bereits seit dem Jahr 2013 Eigentümer der Karstadt-Gruppe. Heute betreibt Signa insgesamt 79 Karstadt-Kaufhäuser. Im Jahr 2015 wollte Benko bereits den zweiten Schritten machen und auch die Kaufhof-Warenhausgruppe übernehmen. HBC hatte aber im Oktober 2015 Kaufhof übernommen und den Mitarbeitern eine befristete Beschäftigungsgarantie gegeben. Doch die Kette mit ihren aktuell 96 Warenhäusern und rund 18.000 Beschäftigten in Deutschland kommt bis heute nicht richtig in Schwung.

"Fusion unter Gleichen"

Einem Bericht der "Wirtschaftswoche" zufolge trägt die Erklärung den Titel "Vereinbarung zu einer Fusion unter Gleichen im europäischen Warenhaus-Geschäft". Danach könnte Benkos Firma Signa etwas mehr als die Hälfte der Anteile am Gemeinschaftsunternehmen bekommen und das operative Geschäft führen. Welche Auswirkungen der Zusammenschluss für die Mitarbeiter der beiden Ketten hätte, sei bisher nicht genau geklärt. Verwaltung und Einkauf sollten zusammengelegt werden. Die Schließung von Filialen in großem Stil stehe nicht zur Debatte. Weder HBC noch Signa wollten demnach Fragen zu dem Geschäft beantworten.

Beide Marken - Karstadt und Kaufhof - bleiben nach Informationen der "SZ" vorerst bestehen. Die etwa 37.000 Arbeitsplätze dieser "Europäischen Warenhaus AG", die auch Kaufhäuser des bisherigen Kaufhof-Eigentümers HBC in Belgien und den Niederlanden umfasst, sollen weitestgehend erhalten bleiben.

Leiten soll das neue Gemeinschaftsunternehmen demnach künftig Stephan Fanderl, der Chef von Karstadt und Signa Retail, der Einzelhandelssparte der Signa Holding von Rene Benko. Aufsichtsratschef soll zunächst der jetzige Kaufhof-Aufsichtsratschef Bernd Beetz werden.

Aufgeschoben

Rene Benkos hatte bereits im Jahr 2013 nach der Übernahme von Karstadt ein Auge auf die Kaufhof-Gruppe geworfen. Seine Angebote wurden aber immer wieder abgeschmettert. Und beim Verkauf an HBC hatte der Tiroler 2015 noch den Kürzeren gezogen. Dennoch ließ sich Benko nicht beirren. Auch dem neuen Eigentümer HBC hatte Benko ab dem Jahr 2015 verschiedene Offerte unterbreitet - zuletzt im vergangenen Februar.

Benko hatte vor gut fünf Monaten noch rund 3 Mrd. Euro für die Kaufhof-Gruppe geboten. Die Kanadier hatten aber abgewunken. Das Offert läge deutlich unter dem Wert von Kaufhof und der damit verbundenen Immobilien-Werte, hatte HBC damals noch erklärt.

Doch nun hat der Wind offenbar gedreht. Kaufhof leidet weiterhin unter laufenden Verlusten. HBC hat bei der Sanierung von Kaufhof weiterhin Probleme. Und zudem stehen die Kandier in ihrem nordamerikanischen Heimatmarkt selbst unter Druck. Gespräche über einen dringend benötigten Sanierungstarifvertrag bei Kaufhof liegen zudem auf Eis.

Die nun getroffene Absichtserklärung sehe vor, Kaufhof, Karstadt und Karstadt Sport in ein Joint Venture einzubringen. Dies wurde der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch aus Verhandlungskreisen bestätigt.

Die Neuordnung bei Karstadt und Kaufhof

Die "SZ" beschreibt bisherige Vertragsdetails aus der 200-seitigen Absichtserklärung: So sehe die Vereinbarung vor, dass Signa für etwa 100 Mio. Euro 51 Prozent des Warenhausgeschäfts von Kaufhof übernimmt, und zwar ohne Bankschulden. Diese sollen, so der Bericht, in einer Höhe von etwa 200 Mio. Euro aus steuerlichen Gründen von HBC abgedeckt werden. Für eine Summe zwischen 700 und 800 Mio. Euro beteilige sich Signa darüber hinaus an der Immobilienfirma HBS Global Properties von HBC, der 41 Kaufhof-Immobilien in Deutschland gehören.

Von den beteiligten Firmen war bisher weiter keine Stellungnahme erhältlich. Erste Berichte, wonach 15 Filialen der Fusion zu Opfer fallen werden, sollen laut "SZ" jedoch falsch sein. Am Ende könnten nur ein paar wenige - die Rede ist von 3 bis 5 defizitäre Filialen - geschlossen werden. Andererseits könnten auch neue Standorte, wie gegenwärtig bei Karstadt, entstehen.

Signa Retail-Chef Fanderl hat es in den Jahren nach der Übernahme durch Benkos Signa geschafft, bei Karstadt die Wende herbeizuführen. Das frühere Pleite-Unternehmen macht inzwischen operativ wieder Gewinn und eröffnet neue Filialen, während Kaufhof seit der Übernahme durch die kanadische Handelsgruppe HBC Verluste schreibt - im vorigen Geschäftsjahr mehr als 100 Mio. Euro. Insidern zufolge steht Kaufhof am Rand der Insolvenz.

So wie Fanderl bei Karstadt der Turnaround gelang, könnten Signa nun die Arbeitsplätze der Kaufhof-Mitarbeiter retten. Informierte Kreise wollen bereits erste Signale der Warenkreditversicherer vernommen haben, im Falle einer Übernahme durch Signa Kaufhof-Kredite wieder voll abzusichern.

Sowohl Karstadt als auch Kaufhof haben in den vergangenen Jahren massive Schwierigkeiten bekommen. Billiganbieter wie Primark und vor allem auch der Online-Handel, hier vor allem Amazon oder Zalando, haben die beiden deutschen Traditionskaufhaus-Gruppen massiv unter Druck gebracht. Beide Warenhandelsgruppen hatten jahrelang die Wandel verschlafen und wähnten sich aufgrund der Top-Lagen ihrer Kaufhäuser in Sicherheit. Verschärft wurde die Situation über die Jahre hin weg durch gravierende Managementfehler.

Doch auch Karstadt hat nach einer harten Sanierung gerade erst die Rückkehr in die schwarzen Zahlen geschafft. Im vergangenen Geschäftsjahr wies der Konzern bei weiterhin leicht rückläufigen Umsätzen erstmals seit zwölf Jahren unter dem Strich wieder einen bescheidenen Jahresüberschuss von 1,4 Mio. Euro aus.

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