ZOIN: Geld per Smartphone verschicken

Geteilte Rechnung: Smartphone App "ZOIN" ist ein weiterer Schritt zum bargeldlosen Zahlungsverkehr.

Geteilte Rechnung: Smartphone App "ZOIN" ist ein weiterer Schritt zum bargeldlosen Zahlungsverkehr.

Eine neue Lösung des Banken-Dienstleisters Payment Services Austria (PSA) ermöglicht bankenübergreifend Sofort-Bargeldtransfers zwischen Privatpersonen.

Langsam aber doch kommt das Banking in Österreich ins Smartphone-Zeitalter: Die Erste Bank hatte mit "George" als erste österreichische Bank einen Schritt dahin gewagt. jetzt gibt es mit "ZOIN" eine neue, vom Banken-Dienstleister und Bankomatsystem-Betreiber Payment Services Austria (PSA) entwickelte Lösung samt App, die es auch weiteren heimischen Banken ermöglicht, ihren Kunden einfache Sofortüberweisungen per Smartphone-App anzubieten.

Die Voraussetzungen dafür sind relativ simpel: Der Sender und der Empfänger benötigen jeweils eine Bankomatkarte und ein Smartphone (iPhone oder Android), auf dem die App installiert ist und müssen sich für den Dienst registriert haben. Ansonsten reicht es, dass der Sender die Telefonnummer der Person hat, an die er das Geld schicken will.

Zum Start wird "ZOIN" von acht heimischen Geldinstituten unterstützt; der Bank Austria, Raiffeisen, Bawag P.S.K., Oberbank, der BKS Bank, der BTV Bank, der Hypo Bank und der Volksbank. In den nächsten Monaten geht es den Entwicklern vor allem darum, dass die App auf möglichst viele Smartphones geladen wird. Ein Wermutstropfen ist daher, dass die Erste Bank zumindest vorerst nicht im Boot ist. Auf Anfrage erklärte die Erste Bank, dass sie grundsätzlich im Zahlungsverkehr die Strategie verfolgt, Lösungen anzubieten, die auch international funktionieren, was bei "ZOIN" nicht der Fall wäre. Daher warte man einmal ab, wie das Angebot von den Kunden angenommen wird.

Geteilte Rechnung

Mit "ZOIN" sollen Privatpersonen ihren Freunden, Bekannten oder Verwandten schnell und unkompliziert Geld zukommen lassen können, falls sie im Moment nicht genug Bargeld dabei haben. Etwa den Kindern oder Enkelkindern Taschen- oder Jausengeld, oder auch um eine Restaurant-Rechnung untereinander oder Fahrtkosten aufzuteilen.

Kunden der genannten Banken können sich mit Hilfe der App gegenseitig Geldbeträge bis zu 400 Euro überweisen, wobei die 400 Euro auch das Tageslimit darstellen. Das Geld landet binnen Sekunden am Konto des Empfängers, der zur Information eine entsprechende Nachricht am der Smartphone erhält. Weitere Limits sind die Beschränkung auf 1.000 Euro pro Woche und zehn Überweisungen pro Tag, beziehungsweise 50 pro Woche. Die Einschränkungen gelten sowohl für das Versenden von Geld als auch für das Empfangen.

Die strengen Limits haben auch einen handfesten Grund: Es soll damit auch unterbunden werden, dass die Lösung für Transaktionen im Handel - den Espresso an der Ecke oder das Eis am Verkaufswagen - eingesetzt wird. Und somit auch an der vom Finanzminister verordneten Registrierkassenpflicht vorbeigeschummelt wird. Mit den Limits für das Anfordern von Geld wird obendrein verhindert, dass mit der App Geldwäsche betrieben wird. "Es gibt Überlegungen für Business-to-Consumer Lösungen, aber derzeit sind diese noch nicht spruchreif", erklärt PSA-Geschäftsführer Harald Flatscher.

Warten auf "Europay"

Unter dem Strich ist "ZOIN" allerdings nur ein weiterer, kleiner Schritt in Richtung einer österreichischen und europäischen Bezahl-Lösung, mit der die Banken das Wettrennen um die Gunst der Kunden gewinnen können. Die großen Konkurrenten kommen im Smartphone-Zeitalter nämlich längst nicht mehr aus dem Inland, sondern aus Übersee und China.

Während die heimischen Banken noch an einer österreichweit für alle verwendbaren Lösung feilen, werden über Smartphone- und Onlinebezahlsysteme wie Apple Pay, Google Wallet, PayPal oder AliPay (Alibaba) bereits Millionen bewegt, und zwar täglich.

"Aus Sicht der EU ist ganz klar, dass man immer mehr in Richtung Cashless Payment, Online Payment und Mobile Payment geht", meint auch Andrea Gritsch, Spezialistin für Banken- und Finanzrecht bei der Anwaltssozietät Wolf Theiss im Gespräch mit dem trend. Der gesetzliche Rahmen dafür wurde geschaffen, und nun gelte es, ein gutes Produkt zu entwickeln und damit die Kunden schnell zu gewinnen. Mit einem schnellen, innovativen und vor allem für die Kunden in der Anwendung freundlichen Produkt könne man den Markt aufwirbeln und zu einem Disrupter werden.

Bis sich die Banken in Europa auf einen gemeinsamen Standard einigen, der es ihren Kunden ermöglicht, einfach Zahlungen per Smartphone abzuwickeln, wird es jedoch noch eine Weile dauern. Apple und Google werden den Markt abgraben und der zu eBay gehörende Zahlungsanbieter PayPal wird weiterhin Gebühren von 3,4 Prozent verrechnen können. Gritsch: "Das ist genau die Chance, die die Banken jetzt haben. Wenn Banken eigene Lösungen bauen und selbst anbieten, können sie mit geringeren Margen arbeiten als PayPal, damit die Händler überzeugen, um auf breiter Ebene zu migrieren. Die Banken können dabei selbst immer noch eine Menge verdienen."

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