Zoff am Flughafen

Zoff am Flughafen

Günther Ofner (li.) und Julian Jäger wollen den "Kulturwandel" der Flughafen Wien AG fortsetzen.

Die Flughafen-Chefs Günther Ofner und Julian Jäger sprechen über den Ärger mit Ex-Managern, Politgunst und den neuen Großaktionär IFM. Im gemeinsamen Interview mit FORMAT-Redakteurin Angelika Kramer nehmen sie Stellung zu den jüngsten Troubles vor Gericht und warum ihre Verträge verlängert werden sollten. "Wir können nicht Manager pardonieren und Arbeiter disziplinieren“, meint Ofner zu den jüngsten Vorgängen in der Führungsmannschaft.

Am Arbeitsgericht geben sich frühere Flughafen-Manager aktuell die Klinke in die Hand. Markus Klaushofer, früherer Chef des Flughafen Malta, wurde ebenso entlassen wie Christoph Edlinger, Sohn des Ex-Finanzministers Rudolf Edlinger. Beide haben gegen ihre Entlassung geklagt.

Klaushofer, der sich als Flughafen-Vorstand bewirbt, wird vorgeworfen, er habe von einem Geschäftspartner unter Preis eine Uhr bekommen und Geschäftsgeheimnisse an Investoren ausgeplaudert. Edlinger, so wie Klaushofer ein langjähriger Freund Jägers, soll sich - so der Vorwurf - Pornomaterial aus dem Internet geladen haben.

Speziell im Vorfeld der Verlängerung der Vorstandsverträge - der Aufsichtsrat tritt am 23.6. zusammen - tauchen nun vermehrt Vorwürfe gegen Jäger auf: Er soll seinem Ex-Schwager Gabriel Lanksy dabei geholfen haben, den mittlerweile verstorbenen Rakhat Alijew aus Malta zu schaffen. Außerdem habe er sich seine Flüge bei Air Malta upgraden lassen.

Laut Auskunft der Flughafen-Vorstände wurden noch zwei weitere Manager wegen Korruptionsvorwürfen gefeuert. Auch diese Fälle liegen bei Gericht.

FORMAT: Ihre Vorstandsverträge stehen zur Verlängerung an. Gab es schon Hearings?
Günther Ofner: Wir befinden uns in einem ständigen Dialog mit dem Aufsichtsrat. Wenn es nach vier Jahren Vorstandstätigkeit ein formales Hearing geben müsste, wäre wohl etwas dramatisch falsch gelaufen.
Julian Jäger: Ich denke, wir haben 45 Monaten im Amt eine makellose Bilanz vorzuweisen: Wir haben den Skylink gut in den Griff bekommen, die Produktivität massiv erhöht, die Schulden halbiert, den Aktienkurs verdreifacht und haben in der Führungsmannschaft aufgeräumt.

Wie lange laufen die neuen Verträge?
Ofner: Das ist alles Sache des Aufsichtsrats. Die Maximaldauer beträgt fünf Jahre, und wir haben nichts Gegenteiliges gehört.

Herr Jäger, gegen Sie stehen ein paar Vorwürfe im Raum. Einer lautet, Sie hätten - womöglich gegen Geld - dabei geholfen, Rakhat Alijew ans Messer zu liefern. Was sagen Sie dazu?
Jäger: Das sind haltlose Anschuldigungen, die nur meinen Ruf beschädigen sollen. Ich habe Kontakte vermittelt, aber nie auch nur einen Cent bekommen, und Herrn Alijew habe ich nie gesehen.

Sie sollen außerdem in den Genuss von umfangreichen Upgradings bei der Air Malta gekommen sein …
Jäger: Das ist richtig, diese Vereinbarung gab es im Jahr 2008, sie galt für viele Manager des Flughafens Malta. Heute gibt es andere Gesetze, die Kultur hat sich dramatisch geändert. Und heute käme so etwas auch nicht in Frage.

Wie kam es zu dem Bruch zwischen ihren früheren Freunden Klaushofer und Edlinger?
Jäger: In beiden Fällen kam es zu schweren Dienstverletzungen, die in jeder börsennotierten Gesellschaft als Konsequenz die Entlassung haben müssen. Man sieht also, persönliche Beziehungen haben keine Rolle gespielt.
Ofner: Wir haben hier den Beweis erbracht, dass wir ohne Rücksicht auf Freundschaften oder politische Beziehungen handeln. Und unsere Mitarbeiter erwarten auch, dass wir ohne Unterschied der Stellung Konsequenzen ziehen. Wir können nicht Manager pardonieren und Arbeiter disziplinieren.

Wird nach der Vorstandsbestellung wieder Ruhe einkehren, oder spielt die Wien-Wahl vielleicht auch eine Rolle?
Jäger: Die Wien-Wahl spielt da keine Rolle.
Ofner: Die Ereignisse, die zu den Entlassungen geführt haben, haben mit der Vorstandsbestellung nichts zu tun. Es wird jetzt nur versucht, eine Verknüpfung vorzunehmen. Doch dieser Versuch ist zum Scheitern verurteilt.

Sie haben in der Führungsriege des Flughafens gründlich aufgeräumt. Ist der Prozess abgeschlossen?
Jäger: Der Prozess ist nie abgeschlossen. Aber ich denke, wir können sagen, in den letzten Jahren hat im Unternehmen ein Kulturwandel stattgefunden. Das Kostenbewusstsein ist sicher ein anderes als die Jahre zuvor.

=> Lesen Sie das komplette Interview in FORMAT Nr. 24/2015
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Die Flughafen-Chefs

Günther Ofner (58) ist zeitgleich mit seinem Kollegen Julian Jäger im September 2011 in die Chefetage des Flughafens Wien eingezogen. Davor war er Vorstand der Burgenland Holding und der Bewag, unterbrochen nur von einem Kurzgastspiel bei der UTA. Der ÖVP-nahe Manager ist seit Kurzem Aufsichtsratsvorsitzender der Hypo NÖ.

Julian Jäger (43) ist wie Ofner seit September 2011 im Flughafen-Vorstand. Davor brachte er den Mini-Flughafen Malta, eine Beteiligung des Wiener Flughafens, auf Vordermann. Der gebürtige Oberösterreicher ist in der Wiener SPÖ bestens vernetzt, was ihm zuletzt auch Kritik einbrachte.

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