Zinswende in den USA: Das Timing könnte kaum schlechter sein

Zinswende in den USA: Das Timing könnte kaum schlechter sein

Nach der historischen Zinswende vom Dezember hält die US-Notenbank Federal Reserve ihr Pulver vorerst trocken. Die Aussichten für die Weltwirtschaft haben sich deutlich eingetrübt. Muss die Fed weitere Zinserhöhungen auf Eis legen?

Turbulenzen an den Aktienmärkten, massiver Verfall der Ölpreise, Sorgen um China: Die Weltwirtschaft ist mit schlechten Vorzeichen ins neue Jahr gestartet. Selbst aus den USA gibt es Schwächesignale. Für die gerade erst eingeleitete Abkehr der US-Notenbank Fed von den Nullzinsen ist das Timing ungünstig. Kein Wunder, dass die Notenbanker am Mittwoch nicht weiter an der Zinsschraube gedreht haben. Man wolle zunächst beobachten, wie sich die Entwicklung der Weltwirtschaft und der Finanzmärkte auf die amerikanische Wirtschaft auswirkten, hieß es. Hat die Fed mit ihrer Zinswende einen Fehlstart hingelegt?

Domino-Effekt durch Schwellenländer

Kritiker hatten die mächtigste Notenbank der Welt gewarnt: Eine Abkehr von der Politik des superbilligen Geldes sei mit Blick auf die schwächelnde Weltwirtschaft gefährlich. Denn steigende Zinsen in den USA machten Geldanlagen dort attraktiver. Anleger, die zuvor auf der Jagd nach Rendite in Schwellenländer investiert haben, könnten ihr Geld fluchtartig abziehen. Das könnte die ohnehin schon angeschlagene Weltwirtschaft zusätzlich ins Wanken bringen. Davon wären am Ende alle betroffen.

Nachdem die Fed im Dezember erstmals seit der Finanzkrise die Zinsen angehoben hat, dürften sich die Kritiker inzwischen bestätigt fühlen: Seit Jahresbeginn kommen die Finanzmärkte aus den Turbulenzen kaum noch heraus. Das neue Jahr hatte in China gleich mit zwei Kurseinbrüchen an den Börsen um mehr als sieben Prozent begonnen, die chinesische Führung musste mehrfach den Handel einstellen. Die Schockwellen ließen rund um den Globus die Kurse abstürzen. Die Chinesen bemühen sich seither um Stabilisierung und kämpfen mit erheblichen Markteingriffen gegen die Folgen einer massiven Kapitalflucht.

Niedriger Ölpreis - Gewinner und Verlierer

Zu allem Überfluss sorgt gleichzeitig ein Absturz der Ölpreise für Turbulenzen. Öl ist derzeit so billig wie seit etwa zwölf Jahren nicht mehr. Ein Ende ist nicht in Sicht. Was den österreichischen Autofahrer an der Tankstelle freut, setzt Ölexportländer massiv unter Druck. Insgesamt haben sich die Aussichten für die Weltwirtschaft verschlechtert. "Die Wachstumserwartungen scheinen konsequent zu fallen", sagte Maurice Obstfeld, Chefökonom beim Internationalen Währungsfonds (IWF).

Besonders beunruhigend für die Fed: Die Verwerfungen hinterlassen offenbar auch in den USA ihre Spuren. Die Exportentwicklung sei zuletzt schwach gewesen, so die Notenbank. Das Wirtschaftswachstum habe sich abgeschwächt, die Konsumausgaben und Investitionen seien nur moderat gewachsen. Das größte Sorgenkind ist die Industrie. Sie schrumpft bereits seit Monaten, zuletzt überraschend stark. US-Unternehmenschefs beobachten zudem mit Sorge die Entwicklungen im Ausland. "Wir sehen extreme, bisher nie dagewesene Bedingungen, wo auch immer wir hinschauen", sagte Apple-Chef Tim Cook jüngst.

Starker Dollar verteuert Exporte

Die Zinswende macht es der US-Wirtschaft noch schwerer, mögliche Schocks zu verdauen. Seit Dezember hat der Dollar um zwei Prozent an Wert gewonnen. Das macht US-Produkte im Ausland teurer und dadurch weniger attraktiv. Gleichzeitig werden Importe billiger, was auf die Teuerungsrate drückt. Und das, obwohl die Fed eigentlich gegen die aus ihrer Sicht viel zu niedrige Inflationsrate von 0,7 Prozent ankämpfen will. "Der Einfluss eines stärkeren Dollar auf die Wirtschaft und die Inflation ist erheblich", sagt Robert Mellman, leitender Ökonom bei der US-Bank JPMorgan Chase.

Unter diesen Bedingungen kaufen die Anleger an den Finanzmärkten der Fed längst nicht mehr ab, dass sie die Zinswende konsequent durchziehen wird. Eigentlich hat die Fed für dieses Jahr vier weitere Anhebungen in Aussicht gestellt. Anleger rechnen aber inzwischen höchstens noch mit ein oder zwei Schritten - wenn überhaupt. Die Börse Düsseldorf hat das Wort "Zinswende" bereits zum Börsen-Unwort des Jahres 2015 gewählt. "Für das Gelingen einer Wende ist genügend Schwung notwendig", heißt es in der Begründung. "Das weiß jeder Segler, der mit einer Drehung gegen den Wind die Fahrtrichtung zu wechseln versucht."

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