Ziemlich schwere Zeiten am Bosporus für Do & Co

Ziemlich schwere Zeiten am Bosporus für Do & Co

Essen wir halt woanders - Attila Doğudan ist überzeugt, die Rückgänge in der Türkei auf anderen Märkten kompensieren zu können.

Der Catering-Vertrag mit der Airline Niki steht auf dem Spiel. Das viel größere Problem für Do & Co und Attila Doğudan ist aber die Türkei.

Die Unsicherheit über die Zukunft der Airline Niki beschäftigt nicht nur deren Gründer, sondern auch dessen Freund Attila Doğudan. Der Catering-Multi verpflegt mit einer Tochtergesellschaft seiner Do & Co Gruppe die Niki- Passagiere. Das macht zwar keinen sehr großen Anteil am Konzernumsatz aus.

Allerdings könnte Doğudan durchaus mit einer Ausweitung dieses Geschäfts rechnen, sollte Niki Lauda den Zuschlag zum Rückkauf der Fluglinie aus der Masse der insolventen Air Berlin erhalten. Außerdem tut Do & Co derzeit jeder Umsatzverlust weh, weil man heftig gefordert ist, die Rückgänge im Problemmarkt Türkei auszugleichen. Da schmerzt jede Irritation anderswo.

Sensible Reaktionen

Wie sensibel Do & Co, der Caterer der Turkish Airlines, auf die anhaltenden Spannungen in und mit der Türkei reagiert, zeigt die Tatsache, dass eine Analyse der Fondsgesellschaft Kepler Chevreaux ausreichte, um die Aktie an nur einem Tag im August zweistellig nach unten zu drücken. Der Analyst hatte auf Basis eines Szenarios für die Kursentwicklung der Türkischen Lira den Schluss gezogen, dass Do &Co in den nächsten Jahren kein Wachstum mehr erzielen könne. "Dabei weiß kein Mensch, ob dieses Szenario überhaupt eintritt", ärgert sich Doğudan.

Innerhalb eines Jahres hat die Aktie von Do &Co fast 40 Prozent ihres Wert verloren. Zuletzt verkauften vor allem Türken massiv das auch an der Börse Istanbul notierte Papier.

Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2017/18 hat die Abwertung der Türkischen Lira der Sparte Airline Catering von Do & Co 15 Millionen Umsatzrückgang beschert, obwohl um 19 Prozent mehr Turkish-Passagiere verköstigt und in anderen Märkten Zuwächse erzielten wurden. "Wir haben in einem Jahr 70 Millionen Euro in der Türkei eingespart. Da kann wirklich niemand sagen, wir hätten nicht rechtzeitig reagiert", erklärt Doğudan.

Wie lange die Türkei noch ein sehr wichtiges Standbein der Do &Co Gruppe bleibt, ist aber ohnehin fraglich. Der Vertrag mit Turkish Airlines läuft noch bis zur Eröffnung des neuen Flughafens in Istanbul, das wird in ungefähr zwei Jahren sein. Schon in den nächsten zwei bis drei Wochen werden die Weichen gestellt, wie und ob es danach weitergeht.

Die Tochter von Do & Co in der Türkei ist zwar ein Joint Venture (50:50) mit der Turkish, trotzdem stellt die Airline dem Vernehmen nach sehr harte Bedingungen - inklusive Einmalzahlung -für eine Vertragsverlängerung, sodass unsicher ist, ob das Geschäft überhaupt noch attraktiv ist. Auch die politische Haltung Österreichs gegenüber der Türkei ist nicht unbedingt hilfreich. Und asiatische Konkurrenten drängen in den Markt.


Die Geschichte ist im trend Ausgabe 37/2017 am 15. September 2017 erschienen

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