Zeugnistag für Europas Banken

Zeugnistag für Europas Banken
Zeugnistag für Europas Banken

Am kommenden Sonntag wird das Geheimnis gelüftet, welche Banken den Stresstest der EZB bestanden haben - und welche durchgefallen sind. Doch schon jetzt regt sich Kritik: "Die Tests sind schwächer als sie sein sollten," sagt etwa ein Berliner Wirtschaftsprofessor.

Am kommenden Sonntag ist Zeugnistag für Europas Banken. Am 26. Oktober um 12 Uhr mittags wollen die Europäische Zentralbank (EZB) und die europäische Bankenaufsichtsbehörde EBA die Stresstest-Noten bekanntgeben. Dann wissen die Banken endlich, ob sie die größte Prüfung aller Zeiten bestanden haben - oder ob sie durchgefallen sind und nachsitzen müssen. Und Kunden, Analysten und die Öffentlichkeit erfahren, wie die 130 größten Banken des Kontinents im Einzelnen gut sechs Jahre nach der schwersten Finanz- und Bankenkrise seit Jahrzehnten dastehen. Auch für 24 deutsche Geldhäuser gibt es Noten, darunter die Deutsche Bank, die Commerzbank und die Landesbanken. Gerade unter letzteren finden sich nach Ansicht von Experten Wackelkandidaten.

Ziel der Prüfung war, das Vertrauen in die Stabilität und Leistungsfähigkeit der Branche in Europa zurückzugewinnen. Das gilt auch für die Banken selbst. Denn eine der Ursachen für die Kreditklemme, die die Konjunktur in Teilen der Währungsunion lähmt, ist das andauernde Misstrauen der Banken untereinander. Gerade deshalb ist der Tag der Veröffentlichung der Testergebnisse so kritisch: Denn was passiert, wenn ein Geldhaus einem anderen, knapp durchgefallenen Institut im nächsten Augenblick die Kreditlinien streicht?

Urlaubssperre nach dem Zeugnistag

Die Aufseher jedenfalls sind in Alarmbereitschaft, nicht nur am Sonntag, auch in den Tagen danach. Bei der deutschen Finanzaufsicht BaFin gilt für die Bankenaufseher am Montag nach dem Showdown Urlaubssperre. Außerdem erwarten die Aufseher von Bankvorständen, Eigentümern und Aufsichtsräten ständige Verfügbarkeit in der hoch kritischen Phase während und nach der Veröffentlichung der Testergebnisse. Das Risiko einer nächsten Bankenkrise scheint zwar klein, aber ausgeschlossen ist sie nicht. Aufgefangen werden müssten gestrauchelte Banken oder solche, denen andere den Geldhahn zudrehen, im Zweifel durch die Steuerzahler ihrer Heimatländer.

Der Test bestand aus zwei Teilen: einer intensiven Analyse der besonders riskanten Bilanzpositionen, mit der die EZB erforschen wollte, ob und wo noch massenhaft faule Kredite in den Bilanzen schlummern, und dem eigentlichen Stresstest, der massiven Wirtschaftseinbruch simuliert: Davon erhoffen sich Aktionäre und Gläubiger ein klareres Bild, ob "ihre" Bank für die nächste Krise inzwischen besser gewappnet ist als für die letzte. Denn die EZB will Anfang November die Aufsicht über ein - wenigstens halbwegs - gesundes Bankensystem in den Euro-Ländern übernehmen.

Die Belastungsprobe hat über Monate Tausende Banker, Wirtschaftsprüfer, Juristen und Bankaufseher in ganz Europa auf Trab gehalten. Mehr noch: Sie hat lange vor der Bekanntgabe der Resultate zu ersten Ergebnissen geführt. Seit Mitte 2013 haben die Banken der Euro-Zone nach Berechnungen der EZB ihre Bilanzen nämlich mit gut 200 Milliarden Euro gestärkt, sei es durch die Aufnahme neuen Kapitals oder indem sie Dividenden nicht an ihre Aktionäre ausgeschüttet haben.

Sind die Tests zu lasch?

Doch die ersten Kritiker melden sich schon wieder zu Wort: "Die Tests sind schwächer als sie sein sollten, und deshalb wird es vermutlich nicht zu der Bereinigung der Bilanzen kommen, die wir gerne sähen", kritisierte der Berliner Wirtschaftsprofessor Sascha Steffen von der European School of Management and Technology (ESMT) im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters. In einem Gutachten, das Steffen vor EU-Parlamentariern vorstellte, sieht er dadurch sogar den Ruf der Notenbank gefährdet. "Das sollte man nicht als Tirade gegen die EZB lesen; der Stresstest ist ganz bestimmt ein absoluter Fortschritt gegenüber dem vorherigen." Aber im Vergleich zu den Stresstests in den USA sei noch viel Raum für Verbesserungen.

Während die Öffentlichkeit erst am Sonntagmittag Klarheit über die Gesundheit der Banken bekommt, erfahren die Institute am Donnerstagnachmittag, ob sie bestanden haben oder nicht. Bis Samstag ließen sich damit letzte Ungereimtheiten klären. Schon in den vergangenen Wochen gab es ausführliche Gespräche zwischen Prüfern und "ihren" Banken. Daraus dürften die Manager ein recht gutes Gefühl mitgenommen haben, wie es in ihrem konkreten Fall aussieht.

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