XXXLutz: Möbelgigant aus Österreich als Ikea-Herausforderer

Von der Bauernmöbel-Werkstatt zum zweitgrößten Möbelhändler der Welt: XXXLutz hat mit strategischen Übernahmen von Oberösterreich den Sprung an die Weltspitze der Möbelbranche geschafft. Nur noch der schwedische Ikea-Konzern ist noch größer.

XXXLutz Unternehmenssprecher Thomas Saliger

Permanent auf Wachstumskurs: XXXLutz und Unternehmenssprecher Thomas Saliger

Was 1945 mit einer Werkstätte für Bauernmöbel im oberösterreichischen Haag am Hausruck begann, ist heute die zweitgrößte Möbelkette weltweit. XXXLutz erzielte zuletzt mit 23.800 Mitarbeitern in zwölf Ländern einen Umsatz von 4,4 Milliarden Euro. Inklusive Beteiligungen wären es rechnerisch sogar knapp zehn Milliarden Euro. Nur Ikea ist mit Erlösen von knapp 37 Milliarden Euro noch größer.

In der nächsten Zeit hat XXXLutz alle Hände voll zu tun, seine jüngsten Eroberungen zu integrieren: Kika in Osteuropa, die Pfister-Gruppe in der Schweiz sowie Roller und tejo/Schulenburg in Deutschland. "Wir wollen überall, wo wir sind, die Nummer 1 sein. Das ist kein Geheimnis. Wir wollen nicht zulassen, dass sich reine Digital-Player und Amerikaner den Möbelhandel in Europa holen", sagte XXXLutz-Sprecher und Marketing-Chef Thomas Saliger im APA-Gespräch. Viele Branchen seien von außen revolutioniert worden. "Ein Nicht-Hotelier hat booking.com erfunden, ein Nicht-Taxifahrer Uber. Das wird uns nicht passieren."

Samt Pfister und Kika-Osteuropa wird die XXXLutz-Gruppe per Jahresanfang 2020 auf einen Umsatz von 5,1 Milliarden Euro kommen, nach 4,4 Milliarden Euro im Jahr 2018. Mehrere Beteiligungen erhöhen den Umsatz rein rechnerisch auf 9,7 Milliarden Euro. Der Umsatz von Steinhoff wird über neun Milliarden Euro gesehen. "In unserem Kerngeschäft Möbelhandel sehen wir uns vor Steinhoff", sagte Saliger. Ikea hängt dennoch beide bei weitem ab. Weltweit setzten die Schweden zuletzt fast 37 Milliarden Euro um.

Großes, undurchsichtiges Firmengeflecht

Ab Mitte der 1970er-Jahren expandierten die Firmengründer, die Brüder Andreas und Richard Seifert, mit ihrem Möbel-Familienbetrieb. Oft übernahmen sie lokale Traditions-Möbelhäuser, die Nachfolgeprobleme hatten oder in finanziellen Schwierigkeiten waren. Um Ikea in Österreich Paroli zu bieten, starteten sie 1989 den Möbeldiskonter Möbelix. Anfang der 1990er-Jahre begannen sie Deutschland aufzurollen, im Jahr 2000 folgte Tschechien.

2002 startete man mit dem Einrichtungshaus Mömax eine günstigere, moderne Vertriebslinie. Ein Jahr später überholte XXXLutz in Österreich den bisherigen Marktführer Kika/Leiner. Seit 2008 ist die Einrichtungskette mit Möbelix auch in Ungarn, der Slowakei, Tschechien und Kroatien vertreten. 2020 startet Mömax in Polen.

Gesellschaftsrechtlich gehört der deutsche Möbeldiskonter Poco zu 100 Prozent dem XXXLutz-Miteigentümer Andreas Seifert, genauso wie das französische Einrichtungshaus But (zu 50 Prozent). Im Oktober kaufte die XXXLutz-Gruppe 50 Prozent der Anteile am deutschen Möbeldiskonter Roller und dem Möbel-Einzelhandelsunternehmen tejo/Schulenburg.

Aktuell betreibt die Firmengruppe über 320 Einrichtungshäuser in zwölf europäischen Ländern, dazu zählen Österreich, Deutschland, Tschechien, Ungarn, Slowenien, Slowakei, Kroatien, Rumänien, Bulgarien, Schweiz, Schweden und Serbien. Inklusive aller Beteiligungen von Andreas Seifert betreibt die Gruppe sogar über 900 Filialen.

XXXL-Eigentümerfamilie

Die Eigentümerfamilie Seifert arbeitet seit Jahrzehnten im Hintergrund. Nach außen sind die Gesichter des Unternehmens die Werbefamilie Putz und Unternehmenssprecher Thomas Saliger.

Die Firmenanteile der Familie Seifert sind in der WSF Privatstiftung (Stifter Richard Seifert) und LSW Privatstiftung (Stifter Andreas Seifert) geparkt. Die Familie tritt nicht öffentlich in Erscheinung, als Gesicht nach außen fungiert Firmensprecher Thomas Saliger, der seit 24 Jahren bei der Möbelkette ist.

Firmengründer Andreas Seifert (65) ist noch aktiv im Tagesgeschäft, sein Bruder Richard Seifert ist 2017 im Alter von 67 Jahren verstorben. Im Unternehmen hat mittlerweile die Enkel-Genration die Geschäftsleitung übernommen. Michael Seifert, Nikola Seifert, Nicole Seifert und Julia Fronik stehen als Geschäftsleitung der XXXLutz KG im Firmenbuch. Unternehmenssprecher Saliger ist demzufolge "Bereichsleiter".

Allein in Deutschland hat die Möbelkette in den vergangenen zwei Jahrzehnten ein Familienunternehmen nach dem anderen geschluckt. Jede Übernahme schaffe der Gruppe einen jahrelangen Zeitvorteil. "Die Gelegenheit mit Kika-Osteuropa spart uns einige Jahre", räumte Saliger ein. Durch die Übernahme verfüge man über eine intakte Firmenstruktur auf einen Schlag. "Das ist der Riesenvorteil. Der größte Respekt ist immer ein Landeseintritt", so Saliger. Wie in Polen. Dort wollte das Unternehmen im Dezember mit Mömax seinen ersten Standort eröffnen. Unter anderem IT-Probleme verzögern den Markteintritt nun bis Februar 2020.

Neue Länder hat das Unternehmen derzeit nicht auf dem Schirm. "Vielleicht kommen ein, zwei Länder dazu in den nächsten Jahren, das könnte passieren", sagte Saliger. Sonst will der Möbelhändler vor allem in bestehenden Märkten wachsen, etwa in Deutschland, Serbien und Rumänien. Auch Polen sei ein interessanter Markt. Außerhalb von Europa will sich XXXLutz nicht niederlassen.

Integrationsprogramme

Für 2020 steht unter anderem die Integration der 22 Kika-Standorte in Osteuropa am Plan. Im Mai sicherte sich Lutz von der Signa-Gruppe das Osteuropa-Paket. Alle Filialen sollen zu XXXLutz-Standorten werden. Sortimentsanpassungen, Umbranding der Fassaden und aller Logos, EDV-Umstellung sowie Logistik-Anbindung benötigten etwa ein halbes Jahr, so Saliger. In Tschechien und Ungarn hat das Unternehmen bereits das Okay der Kartellbehörden, wobei Lutz in Tschechien eine Filiale aus Wettbewerbsgründen nicht betreiben darf. In der Slowakei und in Rumänien stehen die Entscheidungen noch aus.

XXXLutz Unternehmenssprecher Thomas Saliger

XXXLutz-Sprecher Thomas Saliger: "Vielleicht kommen in den nächsten Jahren ein, zwei Länder dazu."

In der Schweiz ist der Möbelhändler dank eines Zukaufs nun mit in Summe 24 Standorten vertreten. Im Oktober verleibten sich die Oberösterreicher überraschend das Traditionsmöbelhaus Pfister mit den Marken Pfister, Hubacher, Egger und Svoboda zur Gänze ein. Der Pfister-Holding hat der Deal laut Schweizer Medienberichten mehr als 500 Mio. Franken (rund 455 Mio. Euro) gebracht. Der Aufruhr unter den 1.800 Schweizer Beschäftigten war groß.

Saliger versucht, Ängste zu zerstreuen. "Pfister schauen wir uns sehr, sehr genau an. Da passiert einmal ein bis zwei Jahre gar nichts." Eine Namensänderung sei "überhaupt kein Thema", ebenso wenig ein Beschäftigtenabbau. "Das ist in der Schweiz ein Nationalheiligtum", sagte Saliger. Bis Ende Jänner soll Pfister in den Einkaufsverband der Gruppe, Giga, integriert werden. Neben XXXLutz, Möbelix und Mömax sind auch zahlreiche deutsche Möbelhändler wie Möbel Brügge, Dodenhof oder Poco im Giga-Einkaufsverband gebündelt. Sie alle gehören zum Lutz-Imperium.

Interesse wird dem Konzern auch an der Migros-Tochter Interio in der Schweiz nachgesagt. Saliger wiegelt ab: "Zum jetzigen Zeitpunkt nicht." XXXLutz hat 2018 in Rothrist die erste Schweizer Filiale eröffnet. Ein zweiter Standort ist in Affoltern am Albis geplant. In Summe sollen zehn XXXLutz-Standorte entstehen - unabhängig von Pfister.

Rabauken, Gewerkschaften und Betriebsräte

In Deutschland haben Nachfolgeprobleme familiengeführter Möbelhändler XXXLutz in die Hände gespielt. Bei Neubert etwa oder Engelhardt. "Die waren 75 und haben Nachfolgeprobleme gehabt. Die haben gesehen, dem XXXlutz kann man das in die Hand geben, das sind keine Rabauken, die machen soliden Möbelhandel", sagte Saliger.

Deutsche Gewerkschafter sehen das anders. Mobbing, Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz, Druck bei den Umsatzvorgaben oder kurzfristige Kündigungen von Lagermitarbeitern sind nur einige Vorwürfe, die dem Konzern in der Vergangenheit in Deutschland angelastet wurden. "Das Unternehmen ist nach wie vor feindselig gegenüber Betriebsräten und Gewerkschaften, verweigert einen konstruktiven Dialog und begeht nach wie vor Tarifflucht", sagte vida-Gewerkschafter Orhan Akman zur APA. Auch in Österreich wundert sich die Vorsitzende der GPA-djp, Barbara Teiber, dass ein Unternehmen dieser Größenordnung keinen Betriebsrat hat. "Das spricht für eine betriebsratsfeindliche Haltung des Unternehmens", so Teiber. Die Gruppe beschäftigt 23.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, etwa 10.000 davon in Österreich, darunter rund 1.000 Lehrlinge.

Bei Lutz hat man laut Saliger nichts gegen Betriebsräte. "Wir sind ein Familienunternehmen. Wir bemühen uns jeden Tag um unsere Leute. Wir haben grundsätzlich gar nichts dagegen. Wenn sie wollen, können sie einen gründen. Es ist ein Recht der Arbeitnehmer."

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